Am Montag herrschte Hochbetrieb auf dem Trainingsplatz hinter dem Bruchwegstadion: Die Profis des 1. FSV Mainz 05 haben ihre Vorbereitung mit der ersten Trainingseinheit nach der Sommerpause begonnen. Und während die ersten Spieler schwitzten, sucht Trainer Thomas Tuchel noch nach Verstärkungen.

Der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm, und die 05er starteten als erste Mannschaft der Bundesliga in die Vorbereitung. Dafür winkt den Spielern und Betreuern in der Woche vom 11. bis zum 18. Juli noch einmal eine Woche Sonderurlaub.

Kurzurlaub im Juli

"Die ersten drei Wochen ist der Schwerpunkt des Trainings der Umfang, das heißt wir absolvieren lange Trainingseinheiten. Dann haben die Jungs erst einmal acht Tage frei. Wir haben das ganz bewusst so gelegt, insbesondere auch, weil wir einige Väter schulpflichtiger Kinder dabei haben. Sie sollten auch die Chance bekommen, mit ihrer Familie Urlaub machen zu können", erklärt Tuchel die Staffelung der Vorbereitung. "Nach der Pause findet dann intensitätsorientiertes Training statt, damit wir top vorbereitet in die Pokalrunde gehen."

Die findet erst Mitte August statt, die Profis haben also die längste Vorbereitungszeit in der Bundesligageschichte der 05er. "Wir haben leider keine Erfahrung mit so langen Pausen vor Spielbeginn. Aber es erschien uns sinnvoller, mittendrin mal eine kurze Pause einzulegen, als die Vorbereitung mit Testspielen und noch mehr Trainingseinheiten künstlich zu dehnen. Man kann nicht über acht Wochen Spannung aufbauen, das muss dosiert werden", so der Mainzer Fußballlehrer Tuchel.

Babangida-Verpflichtung birgt kein Risiko

Insbesondere die Neuzugänge wurden zum Trainingsauftakt von den Zuschauern beäugt. Lewis Holtby und Marco Caligiuri standen bereits seit einigen Wochen als Bestandteil der Profimannschaft fest, Tufan Tosunoglu und der gestern in Mainz gelandete Haruna Babangida komplettierten die Reihe der neuen Gesichter.

Für Tuchel haben alle herausragende Fähigkeiten, die den 05ern helfen sollen: "Lewis Holtby hat einen außergewöhnlichen linken Fuß, Marco Caligiuri hat absolut das Zeug dazu, ein überdurchschnittlicher Bundesligaspieler zu werden. Tufan Tosunoglu ist ein großes Talent und kann mit seiner Schnelligkeit und seiner Unbekümmertheit eine Option in der Offensive werden genau wie Haruna Babangida, der extrem schnell in seinen Bewegungen und extrem ruhig im Torabschluss ist."

Insbesondere die Verpflichtung von Babangida sorgte unter den Fans der 05er für Verwunderung, hatte der Nigerianer doch bereits zweimal Chancen auf ein Engagement nach Vorspielen beim Training ausgeschlagen. Der vertragslose 28-Jährige hat sich das vergangene halbe Jahr beim FC Barcelona fitgehalten und wollte die Chance auf einen Vertrag am Bruchweg dieses Mal nutzen. "Wir gehen da kein Risiko ein. Harunas Kontrakt ist so gestrickt, dass er im ersten halben Jahr beweisen muss, dass er seine Chance nutzen will", erklärt Team-Manager Axel Schuster.

Zwei Positionen sind noch zu besetzen

Die Transferlisten sind noch lange nicht geschlossen, und auch Mainz 05 ist noch auf der Suche nach Verstärkung. "Es ist ja kein Geheimnis, dass wir links hinten und im rechten Mittelfeld noch schauen. Aber wir verspüren keinen Druck", bleibt Tuchel gelassen. "Florian Heller und Zsolt Löw können hinten links spielen, da habe ich keine Bauchschmerzen. Wir haben ja auch noch Zeit."

Linksverteidiger suchen nach Tuchels Empfinden "fast zwei Drittel der Bundesligaclubs", aber er ist guter Dinge, auch weil noch Kontakt zu Malik Fathi besteht. "Es ist natürlich mein sportlicher Wunsch, dass er bleibt. Aber ich habe leider keine Gelddruckmaschine im Keller. Wir werden sehen."

Die abwartende Haltung gilt auch für Änis Ben-Hatira und Christopher Gäng, die aktuell probeweise mit den 05ern trainieren. "Bei Änis ist klar, dass wir so einem Jungen die Chance geben. Er ist ein Riesentalent und sucht nach langer Verletzung Anschluss. Auch Christopher stand lange unter Kuhnis Beobachtung. Wir gucken mal, wie das läuft."

Hohe Erwartungen ans Tuchel-Team

Nach einem Jahr im Amt des Cheftrainers der Profis hat Tuchel viel bewegt am Bruchweg und gemeinsam mit seinem Team den Bundesligapunkterekord der 05er gebrochen. In der über 105-jährigen Vereinsgeschichte hat der 1. FSV noch nie eine so gute Saison gespielt. Das weckt natürlich hohe Erwartungen.

"Was klar sein muss, ist, dass dieser 9. Platz etwas ganz außergewöhnliches ist. Ich habe hohe Erwartungen an die Mannschaft, an ihren Einsatz und ihre Leistungsbereitschaft. Aber wir dürfen nicht erwarten, dass es in dieser Saison automatisch richtig gut läuft", dämpft der Trainer die Euphorie nach der Saison 09/10. Die zweite Saison in der Bundesliga soll bekanntlich ja immer die schwerste sein, aber Tuchel sieht sich und seine Mannschaft gewappnet.