Noch rangiert die Nationalmannschaft von Aserbaidschan in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 137. Vor Neukaledonien und hinter Äthiopien. Doch geht es nach dem Willen der Verbandsfunktionäre, soll sich das schon bald ändern.

Aserbaidschan ist reich. Riesige Öl- und Gasvorkommen sorgen für finanzielle Reserven in Milliarden-Höhe. So wundert es nicht, dass der größte Ölkonzern auch Sponsor des Fußballverbandes ist.

Neue Strukturen

1992 wurde der aserbaidschanische Fußballverband (AFFA) gegründet. 1994 folgte die Aufnahme in der FIFA und der UEFA. Doch der Erfolg blieb seit dem aus. Weder für eine Welt- noch für eine Europameisterschaft konnte man sich qualifizieren. Selbst die Qualifikation für die Asienmeisterschaften stellte eine zu hohe Hürde dar.

Seit April 2008 wird die Entwicklung des Fußballs nun massiv vorangetrieben - und deutsche Trainer spielen dabei eine wichtige Rolle. Von der A-Nationalmannschaft bis zur U15 kommen die Übungsleiter aus Deutschland. Berti Vogts, Bernhard Lippert und Oliver Pelzer haben die Strukturen von Grund auf verändert.

"Es gibt hier Menschen, die den Fußball in diesem Land entwickeln wollen. Und denen will ich helfen. Wir wollen die Dinge richtig anpacken. Dazu haben wir alleine 200 Spieler für die Auswahlmannschaften ausgesucht. Es bedarf aber seine Zeit, bis wir Erfolge sehen", erklärte Vogts gegenüber dem Internetportal "Azerisport".

Multi-Kulti in Baku

Auf Vereinsebene sind die ersten Früchte schon sichtbar. So stehen mit Karabakh Agdam und dem FK Baku gleich zwei Teams in der letzten Runde der Europa-League-Qualifikation. Spieler wie Elvin Mammadov, Vagif Javadov und Vugar Nadirov sollen ihr Potenzial jetzt auch auf der großen FIFA-Bühne zeigen. Dazu hält Vogts sogar an einer 4-5-1-Taktik fest, die auch von Karabakh praktiziert wird.

So wichtig diese Erfolge auf Vereinsebene sind, so gehen sie doch zu Lasten der einheimischen Spieler. Denn in der aserbaidschanischen Premiere League gibt es keine Ausländerbeschränkung. Bei den ambitionierten Teams spielen überwiegend Ausländer, zumeist aus osteuropäischen Nachbarstaaten.

Das beste Beispiel ist Meister FK Baku, wo mehrs als die Hälfte des Kaders ausländische Profis sind. "Vor Länderspielen ziehe ich deshalb meine rund 20 Spieler eine Woche zusammen, um dann wenigstens ein normales Training mit zwei Einheiten pro Tag zu gewährleisten", hadert Vogts.

Vogts plädiert für feste Regel

Aus diesem Grund forderte er, "dass mindestens vier einheimische Spieler in jedem Erstliga-Team spielen müssen". Für Vogts einer der Hauptdiskussionspunkte, um seinen Ende 2009 auslaufenden Vertrag zu verlängern.

Dass der Fußball in Aserbaidschan ein großes Potenzial hat, zeigen in schöner Regelmäßigkeit Achtungserfolge auf Pflichtspielebene. Zuletzt wurde Finnland in der Quali zur EURO 2008 mit 1:0 geschlagen.

Einzelgänger Ahtyamov

Auch in der aktuellen WM-Quali spielte das Team von Berti Vogts gegen Russland, Wales und erneut Finnland gut mit, verlor aber jeweils knapp. Fünf Gegentore in fünf Spielen sprechen für eine gute Defensive. Im Angriff sind Tore noch Fehlanzeige.

Große Hoffnungen Ruhen auf Stürmer Daniel Ahtyamov. Er spielt beim weißrussischen Club FK Minsk und ist der einzige Legionär im Kader von Aserbaidschan.

Michael Reis