München - Zehn Plätze trennen den SC Freiburg und Fortuna Düsseldorf, doch das vergangene Wochenende lieferte wohl den besten Beweis dafür, dass der Tabellenrang nicht immer die ganze Wahrheit suggeriert: Mehrfach scheiterte die Fortuna aussichtsreich und verpasste so die Chance, bis auf einen Punkt an den SC heranzurücken. Am Ende kam es sogar noch zum Freiburger Sieg, den Pavel Krmas kurz vor Schluss sicherstellte und den Sport-Club auf Platz 5 köpfte.

Düsseldorf hingegen rutschte auf Rang 15 ab, liegt aber dennoch nur sieben Zähler hinter den Breisgauern. Nie ist es seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel nach 21 Spieltagen in der Tabelle so eng gewesen. Allein in der Spielzeit 1966/67 war der Wettbewerb schärfer zwischen Platz 5 und 15, als der Abstand umgerechnet auf das derzeitige Zählsystem sogar nur sechs Punkte betrug zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Schalke 04.

"Im Fußball kann so viel passieren"



Doch während diese ganz besondere Konstellation selbst den Teams der zweiten Tabellenhälfte realistischen Anlass zur Hoffnung auf die Qualifikation für die Europa League geben könnte, stapeln die meisten tief.

"Im Fußball kann so viel passieren", warnt Krmas trotz des späten Erfolges vom letzten Wochenende und deutet an, dass der Freiburger Blick eher die Gefahr als die Chance der abschließenden 13 Begegnungen erfasst: "Wir sind gut beraten, erst einmal 40 Punkte zu sammeln."

Ähnlich tief stapelt Hamburgs Heung Min Son - trotz des beeindruckenden 4:1-Sieges bei Borussia Dortmund am 21. Spieltag und Punktgleichheit mit den Freiburgern: "Ach nein, ich weiß nicht so recht", sagt er bezüglich der HSV-Ambitionen auf einen Europa-League-Platz. "Es bringt nichts, darüber zu viel zu reden und zu viel über die Zukunft nachzudenken."

Hamburg einst elf Plätze rauf und runter



Gerade beim Hamburger SV wissen sie wohl besser als alle anderen Bundesligisten, wie trügerisch die Situation 13 Partien vor Toreschluss sein kann. Als die "Rothosen" in der Saison 2006/07 nach dem 21. Spieltag am Tabellenende lagen, hatte sicherlich niemand mehr mit dem Sprung auf Rang 7 und der letztlichen Qualifikation für den Uefa-Pokal über den UI-Cup gerechnet. 40 Jahre zuvor ging es derweil allerdings in die andere Richtung: Der Fall der Hanseaten von Platz 3 auf 14 ist einzigartig in den bisher fast 50 Jahren Bundesliga.

Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf, dessen Club als Elfter vier Punkte vor Düsseldorf und drei hinter Freiburg liegt, scheint derzeit einer der wenigen, die sich vom potenziellen Auf und Ab in der Tabelle nicht irritieren lassen. Der Europapokal "ist unser langfristiges Ziel", sagt der 51-Jährige, der seit über 13 Jahren die erste Mannschaft trainiert: "Ich werde doch nicht nach jedem Spiel das langfristige Ziel ändern."

39 Punkte zu vergeben



Einen Rang hinter Bremen rangiert der VfL Wolfsburg, dessen Sportdirektor Klaus Allofs das derzeitige Dilemma vieler Vereine auf den Punkt bringt: "Es wäre fahrlässig, nur nach oben und nicht nach unten zu schauen."

Dabei hat ausgerechnet sein Verein vor vier Jahren als Tabellensechster einen der beachtenswerten Schlussspurts geschafft: Nach 36 Punkten aus den letzten 13 Partien gewannen die "Wölfe" noch die Deutsche Meisterschaft.