München - Natürlich war es auch für ihn ein besonderes Spiel: Halil Altintop vergab für die Türkei in Berlin eine Großchance, verlor auch das nächste Länderspiel und musste sich dann wieder auf die Bundesliga konzentrieren - mit Erfolg.

Seine Eintracht gewann mit 3:0 in Kaiserslautern und nimmt langsam Fahrt auf. Im Interview mit bundesliga.de spricht Halil Alintop über die sportlichen Ziele mit seinem Club, verrät, warum er sich in Frankfurt ebenso wohl fühlt wie seine Freundin, was ihn an Istanbul reizt - und blickt auf das Spiel gegen seinen Ex-Verein Schalke 04 (Sa., ab 15 Uhr im Live-Ticker).

bundesliga.de: Herr Altintop, die Eintracht hat sich nach einem schwächeren Saisonstart gefangen und zuletzt drei Spiele in Folge gewonnen. Was macht Ihre Mannschaft gerade so stark?

Halil Altintop: Wir treten im Vergleich zu den ersten Spielen viel kompakter auf, in der Hinsicht, dass wir sehr gut verteidigen und die Chancen, die wir nach vorne hin haben, gut ausnutzen.

bundesliga.de: Warum hat das zu Beginn der Spielzeit nicht geklappt?

Altintop: Individuelle Fehler haben dazu beigetragen, vielleicht ein bisschen Pech. Aber jetzt haben wir uns gefangen. Und die letzten Ergebnisse sind auch keine Zufälle.

bundesliga.de: Nun geht es am Wochenende gegen Schalke - Ihren ehemaligen Verein.

Altintop: Für jeden Spieler, der gegen seinen Ex-Club spielt, ist das ein besonderes Spiel. Ich bin ja auch gebürtiger Gelsenkirchener und kenne einige Spieler aus meiner Zeit auf Schalke.

bundesliga.de: Haben sie schon mit den ehemaligen Kollegen telefoniert?

Altintop: Das kommt schon mal vor, aber bist jetzt haben wir keinen Kontakt gehabt. Die haben ja auch noch Champions League gespielt. (3:1-Erfolg gegen Hapoel Tel Aviv, Anm.d.Red.)

bundesliga.de: Die Eintracht ist Tabellenachter, Schalke liegt auf Relegationsplatz 16. Die Form spricht auch für Frankfurt. Gehen Sie als Favorit ins Spiel?

Altintop: Das wäre schon zu viel gesagt. So ein Sieg in der Champions League kann einen Schub geben. Wir haben gute Chancen, um die drei Punkte zuhause zu behalten, das ist gar keine Frage.

bundesliga.de: Wie sind die Schalker zu schlagen?

Altintop: Ich bin der Meinung, wir sollten unsere Linie beibehalten, weiterhin offensiven Fußball spielen. Dann ist natürlich auch die Tagesform entscheidend.

bundesliga.de: Im Länderspiel mit der Türkei in Berlin haben Sie gegen Schalkes Torhüter Manuel Neuer eine Großchance vergeben. Zeit für eine Kampfansage...

Altintop: Ach, das ist abgehakt. Das ist immer eine Sache, die am Wochenende andersrum aussehen kann, dass ich besser da stehe als Manuel. Aber darum geht es im Endeffekt nicht. Es war enttäuschend, dass wir das Spiel verloren haben gegen die Deutschen, und im Vordergrund steht die Mannschaft. Da ist egal, wer trifft oder wer die Chance vergibt. Hauptsache, wir holen die drei Punkte.

bundesliga.de: Die Türkei hat auch das zweite Spiel in Aserbaidschan verloren. Wie schwer fällt die mentale Umstellung, gerade wenn die Länderspiele nicht wunschgemäß gelaufen sind?

Altintop: Vor allem der erste Tag, wenn man zurück ist, ist sehr, sehr schwierig. Man macht sich Gedanken, muss erstmal verdauen, was hab ich falsch gemacht, was hätte ich besser machen können, wie hätte man rangehen müssen? Aber ich habe damit eigentlich keine Probleme, und das hat sich am nächsten Spieltag bestätigt.

bundesliga.de: Fiel Ihnen die Umstellung diesmal schwerer, weil Sie in Deutschland geboren wurden, aber für die Türkei spielen?

Altintop: Klar wird man häufiger darauf angesprochen. Ich bin mit der Situation so umgegangen, wie es üblich ist, weil wir ja nicht jede Woche oder jedes Jahr gegen Deutschland spielen, und mir ist das ganz gut gelungen. Das ist abgehakt. Es bringt nichts, wenn man sich noch Wochen damit beschäftigt.

bundesliga.de: Das heißt, es tut Ihnen sogar gut, wieder in Frankfurt zu sein?

Altintop: Hier spiele ich regelmäßig, das ist in der Nationalmannschaft nicht der Fall. Aber hier ist man auch tagtäglich mit der ganzen Situation verbunden, in der Nationalmannschaft ist das eben ein bisschen anders. Und deswegen ist es hier ein bisschen einfacher. Man muss das trennen.

bundesliga.de: Sie werden im Dezember 28 Jahre alt und sind damit im besten Fußballer-Alter, wie man so schön sagt. Welche Ziele haben Sie sich noch gesteckt?

Altintop: Man sollte von Jahr zu Jahr schauen. Ich fühle mich hier in Frankfurt wohl. Dass meine Freundin nur eine Stunde Fahrtzeit nach Hause hat und ich zwei Stunden zu meiner Familie, das kommt uns entgegen, weil wir sehr familienverbunden sind. Das spielt eine große Rolle in unserem Leben.

bundesliga.de: Und sportlich?

Altintop: Klar habe ich auch sportlich höhere Ziele - aber warum soll man nicht mit Eintracht Frankfurt die nächsten Jahre vielleicht oben angreifen können? Wenn man sich punktuell noch ein wenig verstärkt, könnte man die nächsten ein, zwei Jahre auf die internationalen Plätze schielen.

bundesliga.de: Was ist in dieser Saison möglich?

Altintop: Schwer zu sagen. Seitdem ich hier bin haben wir in der vergangenen Rückrunde schon spielerische Akzente gesetzt und auch gute Ergebnisse erzielt wie in Dortmund, wo wir verdient das Spiel gewonnen haben, oder zuhause gegen Leverkusen nach dem Rückstand oder Bayern München. Auf so etwas müssen wir aufbauen. Dieses Jahr sollten wir einfach zusehen, dass wir diesen lebhaften Fußball beibehalten und die Leistungen, die wir vergangene Saison gezeigt haben, Woche für Woche abrufen. Wenn uns das auf Dauer gelingt, kann man die nächsten ein, zwei Jahre über höhere Ziele reden.

bundesliga.de: Immer wieder liest man vom Interesse türkischer Spitzenclubs an Ihnen oder Ihrem Bruder. Ist die Türkei ein Ziel?

Altintop: Aktuell reizt mich die Türkei definitiv nicht. Die türkische Liga ist noch lange nicht so weit wie die Bundesliga. In Deutschland wird man jede Woche herausgefordert. Und das ist in der Türkei nicht der Fall. Aber vielleicht ist das später mal ein Thema - die Istanbuler Derbys sind schon sehr, sehr attraktiv.

Das Gespräch führte Peter Seiffert