Das Lob nach dem letzten Spiel kam vom Gegner: "Die Hertha war offensiver, als wir es erwartet hatten und stand trotzdem sehr kompakt", lobte BVB-Verteidiger Mats Hummels. Die warmen Worte nutzen den Berlinern indes wenig - was fehlt, sind die Tore. Und die Punkte.

"Kompakt stehen und kontern" - das war nach den Worten von Arne Friedrich die Marschroute beim Auswärtsspiel in Dortmund. Lange Zeit ging das Konzept zumindest defensiv auf. "Aber am Ende haben wir es nicht geschafft, das 90 Minuten lang durchzuziehen", ärgerte sich der Hertha-Kapitän.

Defensive Grundordnung stimmt

Immerhin: Unter Friedhelm Funkel hat Hertha BSC wieder an Spielordnung und defensiver Stabilität gewonnen. Spiele wie das 0:4 gegen Freiburg und das 1:5 in Hoffenheim sind Vergangenheit. Beim 0:0 gegen den Deutschen Meister aus Wolfsburg stand die Abwehr sicher; auch gegen Dortmund ließ das Team nicht viel zu.

Ein Gegentreffer per Elfmeter und ein Tor in der letzten Minute zeugen durchaus von anständiger Abwehrarbeit. "Dass wir unser Defensivverhalten deutlich verbessert und das Spiel bis zur 90. Minute offen gehalten haben, spricht für die Mannschaft", sagte auch der Trainer.

Funkel: "Zu wenig Qualität nach vorn"

Der Wurm steckt bei den Berlinern vielmehr im Sturm. Seit 351 Minuten ist Hertha BSC ohne eigenen Treffer. Rechnet man den Auftritt in der Europa League gegen Heerenveen hinzu, sind es sogar 441 Minuten. In der Bundesliga stehen ganze sieben Tore zu Buche.

"Wir haben nicht die Klasse gehabt, ein Tor zu machen", hatte Friedhelm Funkel schon nach dem torlosen Remis gegen Wolfsburg festgestellt. Nach der Partie in Dortmund - der sechsten Niederlage im sechsten Auswärtsspiel - hörte sich das ähnlich an: "Wir haben gut in der Defensive gestanden. Aber insgesamt haben wir zu wenig Qualität nach vorn. Dort fehlt uns die Durchschlagkraft."

Diese Saison erst zwei Stürmertore

Die nominellen Stürmer Ramos, Wichniarek, Domovchiyski, Piszczek und Raffael haben in der Bundesliga zusammen erst zweimal getroffen. Den letzten Treffer erzielte mit Arne Friedrich am 4. Oktober gegen den HSV ein Manndecker. Und gegen Dortmund war es mit Patrick Ebert ein Mittelfeldspieler, der die meisten Torschüsse (3) abgab - kein Stürmer.

Das Problem allerdings allein an der Angriffsreihe der Berliner festmachen zu wollen, wäre zu einfach. Was fehlt, ist das zwingende Spiel nach vorn. Torchancen entstehen oft gar nicht erst. "Unsere Offensivaktionen sind für den Gegner zu leicht zu durchschauen und so auch zu leicht zu verhindern", sagte Funkel, der auch den Grund kennt: "Die Mannschaft ist zu verunsichert."

Richtungsweisendes Spiel gegen Köln

Dass unter dem schwachen Saisonverlauf das Selbstvertrauen mächtig gelitten hat, bestätigte Arne Friedrich nach der Niederlage beim BVB: "Dortmund war ja nicht so stark, dass wir keine Chance gehabt hätten. Aber in einigen Szenen hat uns auch die Überzeugung gefehlt."

Für Friedhelm Funkel gibt es also eine Menge Arbeit vor den richtungsweisenden Spielen dieser Woche. Ganz Berlin schaut schon jetzt auf das Duell am Sonntag, wenn die Hertha den 1. FC Köln empfängt - den einzigen Bundesligisten, der noch weniger Tore erzielt hat als die Berliner.

Ohne Dardai in Heerenveen?

Zuvor steht schon Donnerstag das Europa-League-Spiel beim SC Heerenveen auf dem Programm. Und auch hier geht es um alles: Sollten die Berliner erneut verlieren, hat Hertha keine Chance mehr auf das Erreichen der nächsten Runde. Das Abenteuer Europa wäre frühzeitig beendet.

Bitter für die Hertha: Mit Pal Dardai droht ausgerechnet ein Routinier für diese so wichtigen Partien auszufallen. Der Ungar leidet an einer Sprunggelenksprellung - Einsatz ungewiss. Dabei wüsste Funkel gerade den 33-Jährigen jetzt gerne in seinem Team: "Pal verkörpert alle Tugenden, die wir im Abstiegskampf brauchen."

Dietmar Nolte