Seitdem Felix Magath im Juni 2007 beim VfL Wolfsburg das Kommando übernommen hat, hat das Personalkarussell beim Bundesligisten viel Schwung aufgenommen. Nicht weniger als 25 Spieler wechselten seit seinem Amtsantritt zu den Niedersachsen. Darunter sind auch einige namhafte und hochdekorierte Spieler.

Allen voran die beiden italienischen Weltmeister Cristian Zaccardo und Andrea Barzagli, die seit dem 1. Juli 2008 das Trikot der "Wölfe" tragen. Magath wird beim VfL die Möglichkeit gegeben, den Kader mit Transfers in Millionenhöhe zu verstärken. Davon hat der ehemalige Nationalspieler auch regen Gebrauch gemacht.

Magaths Gespür

Magath weiß aber auch, wie er eine Mannschaft auf andere Art und Weise gezielt verstärken kann. Der 54-Jährige hat ein Gespür dafür, Talente zu entdecken und sie zu tauglichen Profis zu formen. Diese Fähigkeit hat er besonders während seines Engagements beim VfB Stuttgart (2001 bis 2004) bewiesen, als er die damals unbekannten Philipp Lahm und Kevin Kuranyi in sein Team holte und zu gestandenen Bundesliga- und Nationalspielern heranzog.

Ein solcher Kandidat könnte der 18-jährige Kevin Wolze sein. Der junge Mittelfeldspieler kehrt nach einer zweijährigen "Lehrzeit" in der Nachwuchsakademie des englischen Premier League-Clubs Bolton Wanderers nach Wolfsburg zurück. Bei den "Wölfen" spielte Wolze bereits vier Jahre in den VfL-Jugendmannschaften (U13 bis U17), ehe er das Angebot des britischen Clubs annahm.

"Lehrjahre" in Bolton

Durch die starken Leistungen in den Länderspielen machte der damalige Kapitän der U16-Nationalmannschaft die Bolton-Verantwortlichen auf sich aufmerksam. Neben Bolton waren damals Arsenal London und der FC Bayern München daran interessiert, das Supertalent zu verpflichten. Letztendlich entschied er sich aber für die Wanderers.

Schon kurz nach seiner Ankunft durfte Wolze bei den Profis der Bolton Wanderers mittrainieren und wurde durch gute Leistungen zur festen Größe im Reserve-Team. Bereits in seinem ersten Jahr auf der Insel errang der Mittelfeldmotor mit der zweiten Mannschaft die Vizemeisterschaft. So sammelte Wolze in England erste Erfahrungen im Profibereich und lernte, sich im harten, englischen Fußball-Alltag zu behaupten. Keine alltägliche Entwicklung für einen so jungen Spieler.

Erste Erfolge

Sein Können zeigte Wolze auch in den Jugendnationalmannschaften des DFB. In 38 Länderspielen erzielte er acht Tore. Er errang bei der U17-WM 2007 in Korea - an der Seite von Bayern Münchens Toni Kroos - Platz 3 mit dem deutschen Team.

Auf seine Offensivqualitäten setzt nun Magath bei den Niedersachsen. Neben den fußballerischen Fähigkeiten spielte aber auch Wolzes Herkunft eine Rolle bei seinem Wechsel.

Der Youngster ist gebürtiger Wolfsburger, der einzige im international besetzten Kader. Vielleicht kann er in der Zukunft in die Rolle einer Identifikationsfigur schlüpfen. "Bei seiner Verpflichtung hat sicher mit eine Rolle gespielt, dass er einer ist, der aus Wolfsburg kommt. Wir haben nicht so viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in unseren Reihen. Das aber steht uns gut zu Gesicht", bestätigte Magath in den "Wolfsburger Nachrichten".

Behutsamer Aufbau

Wolze, 1,75 Meter groß und 69 Kilogramm schwer, hat in Wolfsburg einen Drei-Jahresvertrag unterschrieben und wird zunächst in der zweiten Mannschaft in der Oberliga eingesetzt. Magaths Plan ist es, ihn Schritt für Schritt an das Profiteam heranzuführen. Der richtige Weg, wenn man an die hohe Qualität im Aufgebot denkt.

Auch Wolze weiß um den stark besetzten Kader, gibt sich im Interview mit den "Wolfsburger Nachrichten" aber optimistisch: "Ich möchte mich zu einem Bundesligaspieler entwickeln und hoffe, dass ich meine Einsätze in der ersten Mannschaft bekomme. Vor mir liegt allerdings ein harter Weg, denn die Konkurrenz ist sehr groß, vor allem durch die Neuzugänge."

Die Voraussetzungen, um in absehbarer Zeit sein Debüt in der Bundesliga zu geben, hat Wolze allemal. Von den teuren Stars, die Magath holte, kann er auf jeden Fall lernen.

Florian Bruchhäuser