Das Niveau der Schiedsrichter, die im deutschen Profifußball zum Einsatz kommen, ist seit jeher sehr hoch und hält jeden Vergleich mit anderen Ländern stand. Um auch in Zukunft das Engagement von herausragend ausgebildeten Unparteiischen zu gewährleisten, setzt sich Hellmut Krug für eine noch intensivere Förderung der aufstrebenden Referees ein.

"Die Liga hat den Anspruch, über die bestausgebildeten Schiedsrichter zu verfügen. Grundlage für diese Qualität ist eine optimale Ausbildung der jungen Referees", erklärt der Schiedsrichter-Experte der DFL am Rande des am Montag beendeten U-18-Länderpokals in der Sportschule Duisburg-Wedau.

Bei diesem fünftätigen Turnier kamen 20 der besten Nachwuchs-Schiedsrichter zum Einsatz und wurden auf ihre Tauglichkeit für höhere Aufgaben geprüft.

"Wir erwarten 100-prozentige Professionalität"

Insgesamt 80 Schiedsrichter, die nicht älter als 27 Jahre sein dürfen und diese Saison auch in den A- und B-Junioren-Bundesligen zum Einsatz kommen, umfasst der Nachwuchspool des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der das Schiedsrichterwesen verantwortet.

"Das ist unser Talentförderbecken, aus dem sich die künftigen Schiedsrichter für den Profibereich rekrutieren. Auf diese Leute bauen wir", sagte Krug. 50.000 Euro investiert der DFB jährlich, um die jungen Referees bei Turnieren wie dem Länderpokal gezielt zu schulen.

"Diese kompakten fünf Tage geben viel Aufschluss über die Persönlichkeit der Schiedsrichter. Wir sehen sehr schnell, wer sich für höhere Aufgaben eignet. Schiedsrichter, die sich nicht voll mit der Sache identifizieren, helfen uns nicht weiter - wir erwarten 100-prozentige Professionalität", so Krug.

Geschulte Ausbilder und persönliche Betreuer

Neben den Analysen der Schiedsrichter-Leistungen werden in vielen persönlichen Gesprächen auch abseits des Rasens Charakter-Eigenschaften der Referees geprüft. "Somit können wir ein Profil zeichnen und Entwicklungen erkennen", meint Lutz-Michael Fröhlich, Schiedsrichter-Abteilungsleiter beim DFB, der sich vor Ort ein ausführliches Bild machte.

Organisiert werden die Lehrgänge seit zehn Jahren federführend von dem Essener Ex-Referee Hans-Jürgen Weber. Für unabdingbar hält es Krug, den Nachwuchs-Schiedsrichtern noch mehr geschulte Ausbilder und persönliche Betreuer an die Seite zu stellen: "Wir dürfen die Schiedsrichter mit ihren Problemen nicht alleine lassen und nur mit dem Fernglas auf sie schauen. Die persönliche Anbindung hat Priorität."

So haben heute zum Beispiel die Schiedsrichter der 2. Bundesliga und vier junge Bundesliga-Referees jeweils einen "Mentor", der sie persönlich begleitet und unterstützt. "Wir nennen diese Tätigkeit Mentoring", berichtet Hellmut Krug, der sich außerdem eine Erweiterung des bereits erfolgreich praktizierten Programms wünscht: "Entsprechend müssen natürlich auch die Mentoren weiter qualifiziert werden. Wir brauchen in dieser Position absolute Topleute, die die jungen Schiedsrichtern mit ihrer Erfahrung und ihrer Kompetenz auf ihrem Weg nach oben begleiten."

Drei Talente oben angekommen

Mit Deniz Aytekin (Oberasbach), Marco Fritz (Korb) und Felix Zwayer (Berlin) entstammen drei aktuelle Erstliga-Referees dem 2003 initiierten Talentförderprogramm. Die Hälfte aller jetzigen Zweitliga- und alle 22 Drittliga-Schiedsrichter mussten sich zuvor in den Junioren-Bundesligen und beim Länderpokal beweisen.

"Die Schiedsrichter sind heute einfach jünger als früher, daher fehlt ihnen die Erfahrung. Durch vielfältige Maßnahmen, wie zum Beispiel Videoanalysen, können wir die Schiedsrichter frühzeitig auf Probleme aufmerksam machen und Handlungsalternativen mit ihnen entwickeln. Ich halte nichts davon, dass sie erst Fehler machen müssen, um daraus zu lernen", meint Hellmut Krug. "Es sind junge Menschen, die zum Teil selbst noch ihre Persönlichkeit entwickeln müssen, sie benötigen intensive Betreuung."

Damit junge Schiedsrichter-Talente aus Deutschland auch in Zukunft für höchste internationale Aufgaben qualifiziert werden.

Roland Leroi