Wenn das zweite Jahr in der Bundesliga wirklich das schwerste ist, dann kann es für 1899 Hoffenheim in der neuen Saison eigentlich nur aufwärts gehen. Der unbefriedigende 11. Platz war nicht das, was sich der ambitionierte Club im Vorjahr vorgestellt hat. In seiner dritten Bundesliga-Saison will sich 1899 wieder auf alte Stärken besinnen.

"Es gibt für uns kein leichtes Spiel in der Bundesliga. Nur wenn wir wieder jedem Gegner den nötigen Respekt entgegenbringen, haben wir die Chance, zu gewinnen. Kein Spiel wird ein Selbstläufer. Wir haben in der letzten Saison zwei Mal gegen Mainz verloren und auch gegen Bochum. Jeder muss sehen, dass wir wieder heiß sind", mahnt Marvin Compper.

Überragender Start in die erste Bundesliga-Saison

Kein anderer Spieler als Compper verkörpert das Auf und Ab der noch kurzen Bundesliga-Zeit Hoffenheims besser als der 25-jährige Abwehrspieler: überragend in der Hinrunde der ersten Bundesliga-Saison 2008/09, das erste Länderspiel im November 2008 gegen England, dazu der Titel des Herbstmeisters.

Der Tiefpunkt dann am 30. Spieltag der letzten Saison. Trainer Ralf Rangnick setzte seinen Stamm-Innenverteidiger im Heimspiel gegen Köln auf die Bank. "Das war die schwerste Zeit in Hoffenheim, es lief nicht bei mir und auch nicht bei der Mannschaft. Es war aber auch ein Wachmacher für mich und sicher auch hilfreich. Ich habe mir zu viele Gedanken gemacht, was wir besser machen könnten. Jetzt will ich wieder Leistung sprechen lassen, mich auf meinen Primärjob konzentrieren: Stürmer ausschalten, Tore verhindern, das Spiel eröffnen."

"Taten sprechen lassen"

Nicht viel reden, sondern umso mehr arbeiten - diese Devise gilt für 1899 in der aktuellen Vorbereitung. "Man muss nicht immer so viel über Ziele reden", sagt Andreas Ibertsberger. "Letztes Jahr haben wir zu viel über Ziele gesprochen. Wir müssen auf dem Platz Taten sprechen lassen", meint Compper.

Auf dem Trainingsplatz arbeitet Trainer Ralf Rangnick so hart wie noch nie mit seinem Kader. Die Automatismen sollen wieder greifen: das Verschieben, das Umschalten bei Ballgewinn und Ballverlust, das Zusammenspiel der einzelnen Mannschaftsteile. "Blindes Verständnis" nennt Compper das Ziel.

Endlich ein Sieg gegen Werder

Die hohe Trainingsbelastung wird von den Spielern klaglos akzeptiert; Compper weiß, wozu es gut ist. "Es war uns bekannt, dass die Belastung höher und der Umfang größer wird. Das macht uns Spieler aber auch belastbarer und wird uns im Lauf der Saison zu Gute kommen."

Möglicherweise auch schon am ersten Spieltag, für den Andreas Ibertsberger dann doch ein Ziel formuliert: "Vielleicht schaffen wir ja endlich einen Sieg gegen Werder Bremen." Mehr als ein Unentschieden war bei drei Niederlagen bislang nämlich nicht drin für 1899 gegen den SV Werder.

Stefan Kusche