Wenn die ersten Zuschauer das Stadion vor dem Abpfiff verlassen, führt entweder ihre Mannschaft souverän und kann den Sieg auch ohne Fanunterstützung noch einfahren.

Oder die Fans haben keine Hoffnung mehr, dass ihr Team noch etwas Zählbares herausholt und wollen dabei nicht mehr Augenzeuge sein.

Lahm, Müller und Van Buyten...

Auch am Samstag schlenderten die ersten Fans in der Allianz Arena schon in Richtung Ausgang. 1:1 gegen Eintracht Frankfurt und dann wechselt der Trainer auch noch einen Innenverteidiger für einen Stürmer ein. Gibt's doch nicht!

Doch genau diese Fans haben verpasst, wie wenige Augenblicke später Philipp Lahm von der rechten Seite einen Flanke in den Strafraum schlug, Thomas Müller per Kopf verlängerte und Daniel van Buyten sein zweites Saisontor bejubelte.

Van Gaal selbstbewusst

Und auch den ausgelassenen Jubel von Louis van Gaal haben sie verpasst. Klar, ein Jubel über den Treffer, der dem Sieg gleichkam, aber auch die Freude, dass ein taktischer Schachzug so goldrichtig aufging. Stürmer Luca Toni raus, Einwechselspieler Martin Demichelis in die Abwehr, Innenverteidiger Daniel van Buyten ins Sturmzentrum - Tor, Sieg, drei Punkte!

"Wenn ich denke, dass ich durch so einen Wechsel ein Spiel gewinnen kann, dann mache ich das", sagte van Gaal hinterher gewohnt selbstbewusst. "Er wollte für Verwirrung beim Gegner sorgen", so Kapitän Mark van Bommel, "er hat genau das erreicht. Wenn es nicht geklappt hätte, hätte es Kritik gegeben."

Lob für van Gaals Mut

Doch die ist erst einmal verstummt. Und es gibt sogar wieder Lob. Beispielsweise dafür, dass bei dem Wechselspiel mit Toni ein Stürmer ging und kein anderer Defensiver. "Wenn Frankfurt einen Konter fährt und gewinnt, gibt es massenhaft Kritik", analysiert Trainerlegende Udo Lattek, "zu so einer Aktion muss man Mut haben."

Van Gaal hat diesen Mut bewiesen und behielt recht. So richtig zufrieden kann er mit der Leistung aber nach wie vor nicht sein. "Der Fußball-Gott war auf unserer Seite", sagte Sieg-Torschütze Daniel van Buyten. Wäre der Belgier in der 88. Minute seinem Gegenspieler Maik Franz nicht entwischt, hätte es wohl den nächsten Dämpfer für den FC Bayern gesetzt.

Statistiken sprechen für Bayern

"Wir haben uns alle ausgemalt, was passiert, wenn wir verlieren, dann wären wir natürlich alle unruhig geworden. Ich bin überzeugt, dass wir ab jetzt dominant auftreten, denn ein FC Bayern, der nur so lala die Spiele gewinnt, ist nicht der FC Bayern. Mia san mia - das ist nicht das, was wir momentan spielen", sagte Manager Uli Hoeneß. Aber der FC Bayern ist auf bestem Wege dorthin.

Seltsam klingen bei dieser Wahrnehmung aber die Statistiken, die eine klare Überlegenheit des FC Bayern ausdrücken: 23:7-Torschüsse, 62 Prozent Ballbesitz und 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Wo liegen dann die Probleme des FC Bayern? Vizekapitän Philipp Lahm weiß es: "Unser großes Problem ist derzeit, dass wir nicht das 1:0 machen."

Problem: Chancenauswertung

Anders ausgedrückt: Die Chancenauswertung ist nicht überragend. Der FC Bayern verwertetet 14,7 Prozent seiner Tormöglichkeiten. Auch wenn der Rekordmeister damit über dem Ligaschnitt (13,5 Prozent) liegt, sind diesbezüglich die Erwartungen bei einem Offensivpersonal, wie der FC Bayern es zur Verfügung hat, groß.

"Wichtig sind jetzt die Punkte", so Ex-Bayern-Trainer Lattek, "das schöne Spiel kommt noch." Und das Gesamtbild in der Tabelle sieht auch schon wieder viel besser aus für den FC Bayern. Betrug der Rückstand auf Bayer Leverkusen vor wenigen Wochen noch acht Punkte, sind es jetzt nur noch vier Zähler. "Wir wollen bis zur Winterpause alle Punkte holen, das ist unser Ziel", so Bastian Schweinsteiger. Dann bleiben auch die Zuschauer künftig bis zum Schlusspfiff...

Vom FC Bayern berichtet Fatih Demireli

Die Top-Facts zum FC Bayern

Der FC Bayern erzielte gegen Frankfurt beide Tore in den letzten 30 Minuten. Konditionelle Probleme haben die Münchner wohl kaum, haben sie nun schon zehn Tore in diesem Abschnitt auf dem Konto.

Die Bayern feiern den 850. Bundesliga-Sieg der Vereinsgeschichte

Schluss mit der Rotation? Sowohl in Freiburg als auch gegen Frankfurt startete fast dieselbe Elf, nur auf der linken Abwehrseite wurde gegen Frankfurt Braafheid durch Pranjic ersetzt. Im Mittelfeld spielten zwar dieselben vier Akteure, gegen Frankfurt jedoch in einer Raute.

Der FC Bayern gewinnt die engen Spiele: Bayern feierte drei der fünf Saisonsiege mit 2:1 - so auch die letzten beiden.

Fels in der Brandung: Daniel van Buyten gewann in den letzten beiden Partien 90 Prozent seiner Zweikämpfe am Ball.

Zwar trafen die Münchner wieder einmal spät, doch sie hatten im Saisonverlauf auch am meisten Pech - sieben Mal scheiterte der FC Bayern an Pfosten oder Latte.

An den letzten vier Spieltagen entschied Bayern immer über die Hälfte der Zweikämpfe am Ball für sich - das war zuvor in dieser Saison nur ein Mal der Fall gewesen.

An den letzten beiden Spieltagen kam Bayern ohne Gelbe Karte und mit insgesamt nur 27 Fouls aus.