Vielleicht liegt es am guten Essen? Nein, in Italien speist man überall formidabel. Das Wetter? Kann nicht sein, schließlich ist beinahe der gesamte "Stiefel" von der Sonne und angenehmen Temperaturen verwöhnt. Die Frauen? Unmöglich, denn schöne Damen zieren landauf landab, von der Lombardei bis nach Sizilien, das Straßenbild.

Warum also blüht dieser Alberto Gilardino nach drei für seine Klasse unterdurchschnittlichen Jahren beim AC Mailand plötzlich in Florenz so auf?

"Doppelpack" bei der Generalprobe

Vielleicht ist es die Tradition, die "Gila", so sein Spitzname, wieder so stark macht. Mit Gabriel Batistuta, der in 269 Partien für Florenz sage und schreibe 168 Tore erzielte, und Luca Toni (67 Spiele/ 47 Treffer), zählt Gilardino äußerst prominente und treffsichere Stürmer zu seinen Vorgängern bei der "Fiorentina".

Jedenfalls liegt derzeit ganz Italien "Super-Gila" zu Füßen. In sieben Saisonspielen in der Serie A netzte der 26 Jahre alte Stürmer bereits sechs Mal ein, dazu traf er zwei Mal in der Champions League beim 2:2 gegen Olympique Lyon. Zwei Treffer gelangen ihm am vergangenen Sonntag bei der "Generalprobe" für das Duell in der "Königsklasse" beim FC Bayern München (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker), bei dem inzwischen bekanntlich sein Vorgänger und aktueller Nationalmannschaftskollege Toni spielt.

Mitglied im "100er-Club"

Dabei wurde Gilardino gegen Reggina Calcio erst in der 71. Minute eingewechselt, bevor er mit einem "Doppelpack" den 3:0-Endstand sicherstellte und seinen insgesamt 100. Treffer in 263 Spielen in der Serie A markierte.

"Wir fliegen nach München, um dort für eine positive Überraschung zu sorgen. Ich wünsche Toni natürlich immer viele Tore, aber wir wollen gewinnen, und diesmal werde ich einen Treffer mehr als er erzielen", sagte der vor Selbstvertrauen strotzende 1,84 Meter große Stürmer.

Batistuta hat von Gilardino "immer viel gehalten"

"Gilardino hat das Talent, Batistuta zu beerben", sieht die Gazzetta dello Sport in ihm bereits den möglichen Nachfolger des legendären "Batigol". Der argentinische Stürmer will zwar keinen Tipp abgeben, wie viele Tore Gilardino noch für Florenz erzielen wird, würde ihm aber den Erfolg gönnen: "Alberto ist ein Stürmer, von dem ich schon immer viel gehalten habe."

Nicht mehr allzu viel hielt man beim AC Mailand vom 29-fachen Nationalspieler, der 2006 mit der "Squadra Azzurra" Weltmeister wurde. Drei Jahre spielte Gilardino für Milan und konnte die in ihn gesetzten Hoffnungen nie erfüllen.

In der ersten Saison nach seinem Wechsel im Sommer 2005 vom AC Parma, für den er zuvor in zwei Spielzeiten jeweils 23 Tore erzielte, hielt er zwar mit 17 Treffern fast seine Quote. Doch in den beiden folgenden Jahren gelangen "Gila" nur noch zwölf beziehungsweise sieben Tore - zu wenig für die hohen Erwartungen bei den "Rossoneri".

Rückkehr zu Prandelli

Und so kam es zum Transfer nach Florenz, wo Gilardino einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieb. Ein Hauptgrund für den Wechsel: "Fiorentina"-Trainer Cesare Prandelli, der Gilardino bereits in Parma zum Höhenflug verhalf. "Er hat die Ernsthaftigkeit, die richtige Umgebung und die Überzeugung gefunden, die er zuvor vielleicht verloren hatte", erklärt Prandelli Gilardinos Formanstieg. "Wenn man weiß, wie man Fußball spielt, reicht es, diese Komponenten zusammenzuführen, um so etwas zu schaffen."

Für ihn sei der Mittelstürmer ein "schweigsamer Anführer", also "genau so, wie es mir gefällt". Gilardino arbeitet für die Mannschaft, spielt die Bälle auch ab, vorzugsweise zu seinem kongenialen Teamkollegen Adrian Mutu. Im Strafraum beweist er wieder regelmäßig seinen Torriecher, Technik und Eleganz runden das Bild eines der erfolgreichsten Torjäger Europas ab.

Mit 14 nicht für gut genug befunden

Gilardino hat die schweren Zeiten in Mailand hinter sich gelassen, wie auch Batistuta glaubt: "Vielleicht hat er unter der großen Konkurrenz bei Milan gelitten. Aber in Florenz hat er sich erholt und ist reifer geworden."

Vor dem Aufeinandertreffen mit den Bayern setzt Prandelli selbstverständlich auf die Künste seines erwachsen gewordenen Angreifers: "Alberto ist in Top-Form. Er kann auch in der Champions League den Unterschied ausmachen."

Zwischen Gilardino und der "Fiorentina" ist es übrigens Liebe auf den zweiten Blick. Als der Piemontese 1996 im Alter von 14 Jahren bei einem Testspiel mitwirkte, fiel er durch das Raster der Talentsichter. Prandelli hätte ihn sicherlich bereits damals unter Vertrag genommen...

Denis Huber