München - Da stand Neven Subotic am Dienstagabend auf dem Rasen des Signal Iduna Parks und schaute verdutzt. Soeben war Borussia Dortmund durch ein 3:0 über Shakhtar Donetsk ins Viertelfinale der Champions League eingezogen, da hatten die Fans der "Schwarz-Gelben" nur noch eines im Sinn: "Wir woll'n den Derbysieg, wir woll'n den Derbysieg...", donnerte es zehntausendfach von der Südtribüne.

"Das fand ich etwas komisch. Wir kommen erstmals seit 15 Jahren ins Viertelfinale, und die Fans denken ans Derby", meinte der Abwehrspieler des BVB, dem der Wunsch der Anhänger dennoch Befehl ist: "Wir wissen, dass dieser Sieg für die Fans der wichtigste des Jahres ist." Hinzu kommt, dass der FC Schalke 04 das Hinspiel mit 2:1 gewonnen hat - da ist am Samstagnachmittag auf alle Fälle Wiedergutmachung angesagt (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Schalke im Aufwind



Dabei scheint der Zeitpunkt für das 142. Revierderby - das 82. seit Bestehen der Bundesliga - auch aus neutraler Sicht nahezu perfekt. Breiter könnte die Brust kaum sein, das gilt gerade hüben wie drüben. Während die Borussia ihre Kombination aus atemberaubenden Powerfußball und spielerisch anspruchsvoller Ballkunst in der "Königsklasse" einmal mehr unter Beweis gestellt hat, wittern die "Knappen" nach drei Partien ohne Niederlage die Chance zu einem weiteren "Big Point" im Kampf um die internationalen Plätze.

"Dortmund hat eine Mannschaft mit sehr hoher Qualität. Ich denke, dass wir uns mittlerweile wieder auf Augenhöhe befinden. Wir haben unser Formtief überwunden. Das gilt es jetzt zu bestätigen", zeigte sich Julian Draxler, der im zarten Alter von 19 Jahren schon vor seinem 100. Pflichtspiel für die "Königsblauen" steht, durchaus selbstbewusst. Auch sonst ist der kontinuierliche Aufwärtstrend der Gelsenkirchener den Gästen keineswegs verborgen geblieben.

BVB ist gewarnt



"Wir müssen uns mit richtig starken Schalkern auseinandersetzen und sollten der Offensivabteilung nicht zu viel Räume lassen. Sie vereint Tempo und Technik", warnte Dortmunds Chefcoach Jürgen Klopp, der auf den langzeitverletzten Patrick Owomoyela (Knochenödem) verzichten muss, aber noch auf die angeschlagenen Sebastian Kehl (angebrochene Rippe), Sven Bender (Bänderdehnung) und Mats Hummels (Trainingsrückstand) hoffen darf.

Der 45-Jährige nahm seine akuten Personalsorgen im Vorfeld ebenso gelassen wie das Schalker Säbelrasseln - und erfreute sich stattdessen an seiner ganz eigenen Prognose zum "speziellsten Spiel der Saison": "Die Schalker sind zurück in der Spur. Das lässt sie eine Derbyniederlage leichter verkraften...", erklärte der Meistermacher mit einem Augenzwinkern.

"Etwas Größeres gibt es nicht"



Die "Knappen" würden die Bundesliga-Bilanz gegen den BVB (28 Siege, 24 Remis, 29 Niederlagen) mit einem Dreier vorerst wieder ausgleichen, haben aber ebenfalls noch einige ungeklärte Fragen zu beantworten. Atsuto Uchida, Christian Fuchs und Christoph Moritz sind zwar rechtzeitig wieder ins Training eingestiegen, ob es für einen Platz im Aufgebot reicht, ist jedoch offen. Definitiv fehlen werden der gesperrte Jermaine Jones sowie Kyriakos Papadopoulos (Trainingsrückstand) und die verletzten Sven Unnerstall (Knie-OP), Ibrahim Afellay (Muskelanriss) und Ciprian Marica (Meniskus-OP).

Für den gebürtigen Schwaben Jens Keller ist das Aufeinandertreffen mit den "Schwarz-Gelben" vom Stellenwert her trotz der Ausfälle nicht zu toppen, "etwas Größeres als das Derby gibt es nicht". Der Trainer erwartet sein Team dementsprechend engagiert: "Die Spieler sind vor jeder Begegnung hoch motiviert, aber jetzt vielleicht noch einen Tick mehr", sagte der 42-Jährige. "Gerade die Jungs, die hier in der Region aufgewachsen sind, leben das Derby und stecken ihre Mitspieler mit ihrer Vorfreude an. Jeder von uns weiß um die Bedeutung dieses Duells."




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