Anfang der 90er Jahre verzauberte Eintracht Frankfurt die Liga mit erfrischendem Offensiv-Fußball. So will auch Michael Skibbe spielen lassen. Kehrt der "Fußball 2000" zurück?

Nach unbefriedigenden Ergebnissen und immer lauter werdender Kritik am Spiel seiner Mannschaft hatte Friedhelm Funkel im Mai dieses Jahres genug: Der Trainer von Eintracht Frankfurt bat Manager Heribert Bruchhagen um die Auflösung seines eigentlich bis Sommer 2010 datierten Vertrages.

Attraktiv, mutig, offensiv

Nach der verkorksten Saison 2008/2009 hat mittlerweile Michael Skibbe das Ruder am Main übernommen. Der ehemalige Bundestrainer will den Anhängern in der kommenden Saison attraktiven, mutigen und offensiven Fußball bieten, wie er sagt.

Gibt es in der Commerzbank-Arena folglich ein Comeback des "Fußballs 2000", mit dem die Eintracht um ihre damaligen Stars Andreas Möller, Uwe Bein und Anthony Yeboah Anfang der 1990er die Bundesliga verzauberte?

Die Ergebnisse der Vorbereitung geben zunächst nur wenig Anlass zu Optimismus - in sieben Testspielen gab es vier Niederlagen.

Wer räumt ab?

Um seine Philosophie umzusetzen wird Skibbe das defensiv ausgelegte System Funkels sehr wahrscheinlich verändern. Vor allem auf das Mittelfeld wird der neue Coach dabei sein Augenmerk richten.

Statt zwei "Sechsern" vor der Abwehr, favorisiert Skibbe nur einen zentralen defensiven Mittelfeldspieler. Den Part des "Abräumers" könnte einer der beiden Neuzugänge Selim Teber oder Pirmin Schwegler übernehmen, der erst vor wenigen Tagen von Bayer Leverkusen verpflichtet wurde.

Hoffnungsträger Caio

Durch diese Umstellung würde ein Platz im offensiven Mittelfeld frei. Hier könnte die große Stunde des brasilianischen Technikers Caio schlagen, von dem Skibbe nach den ersten Eindrücken viel hält. Auf Caio könnten sich die Fans freuen, sagte der Coach jüngst.

In der Vergangenheit hatte der Mittelfeldstratege allerdings vor allem mit katastrophalen Ausdauerwerten auf sich aufmerksam gemacht. Wenn der 23-Jährige aber topfit ist, könnte er das Offensivspiel der Frankfurter tatsächlich beleben. Schon in den vergangenen eineinhalb Spielzeiten bei der Eintracht deutete Caio seine Klasse immer wieder an.

Lautstarker Abwehrchef

In anderen Mannschaftsteilen dürften auf Skibbe weniger Probleme zukommen. Im Tor muss er zwar zunächst auf den Schalker Neuzugang Ralf Fährmann verzichten (Handbruch), allerdings stehen dem Eintracht-Coach mit Urgestein Oka Nikolov und Markus Pröll immer noch zwei erfahrene Schlussmänner zur Verfügung.

Die Abwehr sollte durch die Verpflichtung des Ex-Karlsruhers Mike Franz stabiler werden. Der erfahrene und lautstarke Abwehrchef wird wahrscheinlich mit Marco Russ die Innenverteidigung bilden. Rechts und links in der Viererkette sollen Patrick Ochs und Christoph Spycher sicher stehen und für viel Druck nach vorne sorgen.

Im Angriff ruhen die Hoffnungen zum Saisonauftakt vor allem auf dem griechischen Sturmduo Ioannis Amanatidis und Nikos Liberopoulus, da Martin Fenin nach seiner Leistenoperation zunächst wohl noch nicht für den Kader in Frage kommt.

Es bleibt abzuwarten, ob der Kader stark genug ist, um die kritischen Eintracht-Fans von einem Comeback des "Fußballs 2000" träumen zu lassen.

Til Bettenstaedt




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