München - Jede Sekunde seines Torjubels kostete Arjen Robben genüsslich aus. 56 Tage nach seinem letzten Einsatz meldete sich der Niederländer beim FC Bayern München eindrucksvoll zurück. Mit seinem Führungstreffer leitete der 31-Jährige den 4:0-Jubiläumssieg gegen den 1. FC Köln ein. Anschließend hatte Robben gleich mehrfach Grund zur Freude.

Der FC Bayern schrieb mit seinem 1000. Bundesliga-Sieg Geschichte, Robben verfasste mit seinem 75. Bundesliga-Tor im 131. Spiel seine ganz persönliche Erfolgsstory. Nach überstandener Adduktorenverletzung sprühte der Offensivmann geradezu vor Tatendrang und hätte beinahe schon in der siebten Minute mit dem ersten Torschuss der Bayern getroffen.

Sein zweiter Versuch saß schließlich. Im Schnitt benötigt Robben nur 123 Minuten für ein Tor, damit hält der Turbo-Dribbler unter den Mittelfeldspielern mit mindestens 25 Toren einen weiteren Rekord in der Bundesliga (Die Topdaten zum Spiel). Im Interview sprach Robben über den Rekordsieg der Bayern, das Ende seiner Leidenszeit und die nächste schwere Aufgabe im DFB-Pokal.

"Eine schöne Belohnung"

Frage: Arjen Robben, Glückwunsch zu Ihrem sensationellen Comeback inklusive eigenem Tor. Sie hatten vor dem Spiel gesagt, dass Sie sich gut fühlen und offensichtlich recht. Haben Sie mit solch einer Rückkehr gerechnet?

Arjen Robben: Das muss man immer abwarten, das weiß man nie vorher. Ich war sehr glücklich, dass ich wieder zurück auf dem Platz war. Gleich von Anfang an war vielleicht eine kleine Überraschung, aber ich habe gut trainiert und habe mich gut gefühlt. Dass ich das 1:0 schieße, war eine schöne Belohnung für die harte Arbeit, die ich investiert habe, um zurückzukommen. Wenn man dann noch 4:0 gewinnt, ist es ein schöner Tag.

"Habe sehr gut gearbeitet"

Frage: Beim Jubeln haben Sie gezielt in Richtung Tribüne gegrüßt. Hatte das einen besonderen Hintergrund?

Robben: Ja, mein Schwager ist mit seiner Fußballmannschaft aus Groningen angereist. Das war eine lange Reise und es war schön, dass sie auch dabei waren. Auch meine Familie saß auf der Tribüne. Sie hat mich auch in der schwierigen Phase immer unterstützt und das ist immer wichtig. Umso schöner ist es, wenn sie auch dabei sind, wenn es so funktioniert wie heute.

Frage: Wie sehr hat es Sie geschmerzt in den letzten Wochen nicht spielen zu können?

Robben: Es ist das Schwierigste für einen Fußballspieler, wenn man nur zuschauen kann. Man muss versuchen die positive Energie in seine Reha zu stecken. Ich habe alles reingelegt und sehr gut gearbeitet. Ein Kompliment an alle, die mich dabei unterstützt haben. Ich habe es geschafft, ich bin wieder da!

"Der Charakter der Mannschaft ist überragend"

Frage: Egal, wer auf dem Platz steht, der FC Bayern funktioniert offenbar in jeder Besetzung. Liegt darin der Schlüssel des Erfolgs?

Robben: Das ist auch als Kompliment an den Trainerstab zu sehen, der uns immer gut vorbereitet. Auch allen Spielern muss man ein Kompliment machen. Wenn einzelne Spieler mal nicht spielen, sind sie trotzdem sofort da, wenn sie gebraucht werden. Es wird sehr gut trainiert. Das ist in einer Saison mit so vielen Spielen sehr wichtig. Wir spielen jetzt innerhalb von sieben Tagen dreimal. Da brauchst du alle Kräfte. Das geht nicht nur zu elft.

Frage: Hat die 0:2-Niederlage beim FC Arsenal noch mal die Sinne geschärft, dass man immer konzentriert bleiben muss?

Robben: Der Charakter dieser Mannschaft ist überragend. Wir versuchen immer das Beste, aber das gelingt auch nicht immer. Was gegen Arsenal passiert ist, kann immer passieren. Daraus müssen wir lernen und weiter Dinge verbessern.

"Uns geht es um Titel"

Frage: Hat der FC Bayern sein Spiel auf engem Raum noch mal verbessert?

Robben: Das Spiel heute war vielleicht ein weiterer Höhepunkt. Köln stand so tief wie beim Handball. Das ist egal, die Kölner dürfen ihre eigene Taktik wählen und wir müssen die Lösung finden. Auch wenn es so eng ist, bekommen wir unsere Chancen. Und die müssen wir dann nutzen.

Frage: Der Erfolg gegen den 1. FC Köln war der 1000. Bundesliga-Sieg des FC Bayern München. Was bedeutet Ihnen dieser Rekord?

Robben: Es geht mir - und ich glaube den anderen Spielern in der Mannschaft auch - eigentlich nicht um Rekorde, sondern um Titel. Und die werden erst am Ende verteilt. Lass uns ruhig bleiben und weitermachen. Es ist wichtig, mit beiden Füßen auf dem Boden zu bleiben. Es gibt immer ein nächstes Spiel und da haben wir ein ganz schweres vor der Brust.

"Ein absolutes Topspiel"

Frage: Mit welcher Einstellung gehen Sie in das DFB-Pokalspiel beim Titelverteidiger VfL Wolfsburg am Dienstag?

Robben: Das ist ein Topspiel und ein Spiel auf sehr hohem Niveau, wie in der Champions League. Es ist zwar erst die zweite Runde im Pokal, aber wir müssen bereit sein. Wenn du gewinnst, bist du weiter, aber wenn du verlierst, bist du sofort raus. Wir dürfen uns nichts erlauben, denn es geht gegen eine Top-Mannschaft. Wir hatten kein Glück mit dem Los.

Aus München berichtet Maximilian Lotz

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