In Argentinien ist die Sehnsucht groß. Die Sehnsucht danach, eine 24 Jahre andauernde Durststrecke zu beenden. 1986 gewannen die Südamerikaner in Mexiko mit einem 3:2 gegen Deutschland zum letzten Mal die Weltmeisterschaft.

Und es gibt einen großen Hoffnungsträger, auf den sie voller Optimismus blicken. Weltfußballer Lionel Messi soll die "Albiceleste", wie die Argentinier wegen ihrer himmelblauen Trikots auf Spanisch genannt werden, zum dritten Titelgewinn nach 1978 und 1986 führen.

Weit entfernt von der Barca-Form

Der erste Schritt zum ganz großen Coup verlief jedoch schleppend. Erst am letzten Spieltag der Qualifikation in Südamerika sicherte sich Argentinien auf direktem Weg das Ticket nach Südafrika. Aber es war nicht Messi, der in Uruguay das Tor des Tages zum 1:0-Endstand schoss, sondern Mario Bolatti.

Überhaupt blieb Messi in allen 18 Quali-Spielen blass, auch wenn vier Tore eine durchaus ansehnliche Quote sind. Verglichen mit den 17 Treffern, die Messi in dieser Saison in 21 Partien schon für den FC Barcelona in der Primera Division geschossen hat, ist das jedoch eine eher magere Ausbeute. Und auch spielerisch blieb "La Pulga", der Floh, im Nationaltrikot unter seinen Möglichkeiten. Er tauchte förmlich unter und fügte sich im Starensemble als nur einer von vielen ein.

Medien sticheln gegen Messi

Die argentinischen Medien stempelten Messi als Sündenbock für das schwache Abschneiden der "Albiceleste" in den vergangenen drei Jahren ab. "Messi hat nur Barcelona im Kopf", "Dass Messi nicht Maradona ist, war klar. Aber in den letzten Partien war er noch nicht einmal Messi " oder "Warum spielt er so für Argentinien?" waren Schlagzeilen in den großen Zeitungen des Landes.

Messi selbst zeigte sich verletzt und enttäuscht über die Kritik aus seiner Heimat. "Wie können sie sagen, dass ich nichts für die argentinische Nationalmannschaft empfinde? Es gibt für mich nichts Schöneres, als für die 'Albiceleste' zu spielen", erklärte er. Und weiter: "Ich liebe Spanien und wohne gerne in Katalonien. Und ich habe auch nichts dagegen, wenn sie mich einen Katalanen nennen. Aber ich werde sauer, wenn Leute sagen, ich wäre kein Argentinier mehr!"

Für Nationaltrainer Diego Maradona ist die ganze Diskussion völlig unnötig. "Ich glaube an Lionel. Er wird bei mir immer spielen. Er hat das gewisse Etwas, das nur die Großen haben", erklärte die "Hand Gottes".

Mardona in der Kritik

Doch Maradona selbst ist ebenfalls schon seit Längerem zur Zielscheibe der Medien geworden und feuert, wo es nur geht, kleine Giftpfeile in die Richtung seiner Kritiker ab. So geschehen auf der Pressekonferenz vor dem Freundschaftsspiel gegen Deutschland. "Wenn es nach den argentinischen Journalisten geht, sollen wir bei der WM Letzter werden. Aber das Volk ist auf unserer Seite und unterstützt uns", frotzelte der 49-Jährige.

Doch selbst in den eigenen Reihen ist Maradona nicht unumstritten. "Das System bei Barcelona ist eindeutig festgelegt. Jeder weiß, was er machen muss, wenn ein anderer etwas Bestimmtes macht. Das ist eine Frage des endlosen Übens. Bei der Nationalmannschaft ist das nicht der Fall. Wir sehen uns zu selten, um uns die Automatismen anzueignen. Und außerdem spielen wir nicht mit einer festen Aufstellung”, haderte Messi in Anspielung auf die 101 Spieler, die Maradona in seiner bislang 15-monatigen Amtszeit zur Nationalmannschaft einlud.

Doch Messi weiß, dass dieses Problem lösbar ist. "Die Vorbereitungsphase wird sehr wichtig für uns. Es muss eine feste Mannschaft auf dem Platz stehen. Aber ich rechne damit, dass das klappt”, erklärte der Superstar. Gegen Deutschland bietet sich am Mittwoch eine gute Gelegenheit für die "Albiceleste", sich weiter einzuspielen, damit sie die Sehnsucht ihrer Landsleute am 11. Juli im WM-Finale in Südafrika auch erfüllt.

Michael Reis