München - 3:1, 6:0, 6:0 und 4:2. Was sich beinahe liest wie die letzten Ergebnisse vom Eishockey, sind in Wahrheit schlicht die Resultate der vergangenen vier Auftritte von Werder Bremen beim SC Freiburg. Um nicht zu sagen: Für die Breisgauer sind die Hanseaten der Angstgegner schlechthin. Die Rollen vor dem Duell am Sonntag (ab 15 Uhr im Live-Ticker) scheinen also klar verteilt.

Insgesamt gewannen die "Grün-Weißen" sogar die vergangenen sieben Gastspiele an der Dreisam - und schossen dabei atemberaubende 30 Tore. Blenden lassen wollen sich die Hanseaten von der starken Bilanz dennoch nicht: "Wenn wir uns auf die Statistik verlassen, dann wird das nichts", warnte Geschäftsführer Klaus Allofs vor dem Auftritt beim Tabellenletzten - man müsse vielmehr versuchen, vom Anpfiff weg "mutig aufzutreten".

Wobei Bremens Punkteausbeute seit dem Rückrundenstart sowieso ausbaufähig ausfällt, Werder sowohl auswärts gegen den 1. FC Kaiserslautern (0:0) als auch daheim gegen Bayer Leverkusen (1:1) nicht über Unentschieden hinausgekommen ist - und allmählich den Kontakt nach ganz oben zu verlieren droht. "Wir wollen erfolgreicher sein. Dazu gehört es auch, mehrere Tore zu schießen", deutete Trainer Thomas Schaaf eine ebenso auffällige wie ungewohnte Schwäche der vergangenen Wochen an. Dass die Hanseaten eigentlich durchaus wissen, wie das mit dem Toreschießen geht, hat dagegen bereits das 5:3 im Hinspiel bewiesen.

Dankbarer Gegner?

Letztlich kommt der SC, der mit 42 Gegentoren derzeit die schwächste Defensive der Liga aufweist, da als Gegner wohl wie gerufen, auch wenn Schaaf die Gastgeber sehr kompakt auf- und eingestellt erwartet: "Wir müssen damit rechnen, nicht viel Platz zu haben", sagte der 50-Jährige und verlangte vollen Einsatz: "Wenn wir uns viel bewegen, wird uns auch nicht kalt werden."

Womit ein an diesem Wochenende - auch im sonst ausgesprochen sonnenverwöhnten Freiburg - vielleicht entscheidender Faktor angesprochen ist. Denn die Temperaturen dürften voraussichtlich den ganzen Tag über deutlich im Minusbereich liegen. Für Christian Streich ist der Frost aber dennoch nebensächlich, im Kampf um den Klassenerhalt setzt der neue Chefcoach des Schlusslichts ausdrücklich auf den Schulterschluss mit den Fans.

"Engagiert und aggressiv auftreten"

"Die Leute sollen sich warm anziehen und ins Stadion kommen. Die Zuschauer haben uns im letzten Heimspiel gegen Augsburg wahnsinnig geholfen. Und unsere Spieler wollen am Sonntag unbedingt zeigen, dass sie es viel besser können, als beim letzten Spiel in Mainz", erklärte der 46-Jährige der in seinen ersten beiden Partien als Verantwortlicher einen dramatischen 1:0-Sieg über den FC Augsburg und eine bittere 1:3-Pleite beim 1. FSV Mainz 05 erlebte.

Mit der Unterstützung von den Rängen soll seine junge Mannschaft jedenfalls selbstbewusst auftreten - und vor allem jeden Meter des Rasens verteidigen: "Werder spielt offensiv, mit zwei Stürmern und einer Raute im Mittelfeld. Wir werden versuchen, so engagiert und aggressiv aufzutreten, dass wir über die Zweikämpfe und unser Engagement auch die Zuschauer mitnehmen, damit sie uns wieder so helfen wie gegen Augsburg."

Personalprobleme hüben wie drüben

Personell kündigte Streich die ein oder andere Änderung in der Startelf an. So steht der zuletzt gesperrte Johannes Flum wieder zur Verfügung. Dafür ist Neuzugang Fallou Diagne nach seinem Platzverweis vor Wochenfrist genauso zum Zuschauen verdammt wie Mensur Mujdza (Aufbautraining) und Julian Schuster (entzündeter Nerv). Garra Dembele weilt nach wie vor mit Malis Nationalelf beim Afrika-Cup.

Aber auch Werder hat eine Reihe von Ausfällen zu beklagen. Neben den verletzten Naldo (Knieprobleme), Sebastian Prödl (Gesichtsverletzung) und Aaron Hunt muss der gesperrte Philipp Bargfrede passen. Dann müssen es eben andere richten - Schaaf setzt auf die Jugend: Florian Hartherz (18), Tom Trybull (18), Francois Affolter (20), Aleksandar Ignjovski (21) und Mehmet Ekici (21) sollen von Beginn an auflaufen.