Zusammenfassung

  • Andrej Kramaric spielt mit Kroatien in den Playoffs gegen Griechenland.

  • Wiedersehen mit den Bundesliga-Profis Sokratis und Papadopoulos.

  • Der Kroate ist für Trainer Nagelsmann unverzichtbar.

Köln - Der Hoffenheimer Angreifer Andrej Kramaric kann in der Länderspielpause nicht die Füße hochlegen. Ganz im Gegenteil. Mit seinem Heimatland Kroatien trifft er in den Playoffs zur WM 2018 auf Griechenland. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Kramaric unter anderem über seinen WM-Traum und die bisherige Saison mit der TSG Hoffenheim.

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bundesliga.de: Herr Kramaric, Sie sagten bei einem unserer letzten Gespräche: "Je mehr Drama, desto besser für mich". Mehr Drama als bei den WM-Qualifikationsspielen mit Kroatien gegen Griechenland gibt es nicht, oder?

Kramaric: Als wir das letzte Mal sprachen, waren wir in einer komfortablen Situation und hatten die direkte WM-Teilnahme fast sicher. Nun hat sich die Lage gewandelt. Wir spielten dann vier Spiele außer Form.

bundesliga.de: Was ist passiert?

Kramaric: Das ist schwer zu sagen: Wahrscheinlich dachten wir, wir hätten es schon geschafft. Wir hatten die beste Mannschaft in der Gruppe, vielleicht haben wir es nach dem guten Start zu leicht genommen.

bundesliga.de: Also spielte ein bisschen Arroganz mit?

Kramaric: Ich würde es nicht Arroganz nennen. Aber wir haben viele Spieler, die in den besten Klubs der Welt spielen. Vielleicht haben wir gedacht, das reicht. Man muss aber immer einhundert Prozent geben, sonst geht es nicht auf dem Platz. Am Ende muss man sogar sagen, dass wir glücklich sein können, nicht ausgeschieden zu sein. Der Druck vor dem letzten Spiel gegen die Ukraine war sehr groß. Aber wir haben dieses Spiel gewonnen und das macht mich optimistisch, dass wir im Kopf nun sehr gut vorbereitet in die Spiele gegen Griechenland gehen.

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bundesliga.de: In der Nationalelf spielten Sie zuletzt Rechtsaußen, Sie sind eher aber eine Nummer Zehn, oder Neuneinhalb, oder?

Kramaric: Gerade hier in Hoffenheim spiele ich oft auf unterschiedlichen Positionen, deshalb bin ich es gewohnt, auf verschiedenen Angriffspositionen zu spielen. Ich spiele überall, wo der Trainer mich hinstellt, das ist kein Problem für mich.

bundesliga.de: Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Leistungen in der Bundesliga bisher?

Kramaric: Die Lage ist noch okay, würde ich sagen. Im Oktober spielten wir nicht so gut und erzielten nicht die Ergebnisse, die wir wollten. Allerdings kommt die Situation auch nicht überraschend. Wir spielen fast immer alle drei Tage und ich muss in den Ligapausen auch zwei Spiele mit der Nationalmannschaft spielen. Man fühlt dann schon ab und zu Müdigkeit in den Beinen und im Kopf, aber das ist normal. Wir spielen gut, aber wir holten im Oktober die Punkte nicht. Aber ich bin überzeugt, dass wir wieder auf den Erfolgsweg zurückkehren, wir haben starke Spieler und sind eine gute Mannschaft. Das hat sich nun ja auch in Köln gezeigt. Ich denke, wir können eine erfolgreiche Saison spielen. Aber: Es ist schwerer geworden. Die meisten Mannschaften spielen nun defensiver gegen uns und ich muss natürlich auch sagen: Wir sind nicht Barcelona, das jeden Gegner immer an die Wand spielen kann.

"Wir sind nicht Barcelona, das jeden Gegner immer an die Wand spielen kann" Andrej Kramaric

bundesliga.de: Hoffenheim hat immer viele Tormöglichkeiten in den Spielen, lässt aber zu viele ungenutzt.

Kramaric: Ja, aber das ist Fußball: Wenn man selbst trotz vieler Chancen nicht trifft, macht der Gegner aus wenigen Chancen ein Tor. Wir wollen immer agieren und das Potenzial ist immer da.

bundesliga.de: Würden Sie deshalb sagen, der größte Gegner der TSG ist die hohe, für die meisten Spieler ungewohnte Belastung in dieser Saison?

Kramaric: Ja, viele Spieler haben noch keine Erfahrung mit dieser Belastung und von daher, trifft das zu. Hinzu kommt, dass wir als Spitzenmannschaft wahrgenommen werden und alle gegen uns gewinnen wollen. Und nicht zu vergessen: Wir haben bislang auch viel Verletzungspech.

bundesliga.de: Aber Sie sind weiter optimistisch…

Kramaric: …ja, natürlich, wir haben so viel Potenzial. Wenn wir die Möglichkeiten nutzen, in den Pausen Energie zu tanken, dann werden wir Spiele gewinnen, auch wenn der Weg bis Weihnachten lang und hart ist. Aber das ist er auch für andere Teams.

Zuletzt traf Kramaric beim wichtigen Auswärtssieg Kroatiens in der Ukraine
Zuletzt traf Kramaric beim wichtigen Auswärtssieg Kroatiens in der Ukraine © gettyimages / Dan Mullan

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bundesliga.de: Sie stellen mit ihren Dribblings und ihrer Spielweise immer eine Überraschung für die Gegner dar, manchmal hat man aber das Gefühl, sie überraschen auch ihre Mitspieler.

Kramaric (lacht): Oh, da müssen Sie meine Mitspieler fragen. Aber es ich weiß, dass ich manchmal vielleicht einen Haken zu viel schlage. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich sehr in meiner Aktion drin und darauf total fokussiert bin.

bundesliga.de: Sie haben in jedem Spiel starke Momente, vor allem dann, wenn es der Zuschauer nicht erwartet.

Kramaric: Das weiß ich nicht, das müssen die Zuschauer oder die Journalisten beurteilen. Letzte Saison war sehr gut für mich mit den vielen Toren und den vielen Assists. Ich denke, dass das auch wieder kommt, die Chancen habe ich ja.

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bundesliga.de: Hat der verschossene Lupfer-Elfmeter gegen Liverpool im Hinspiel der Champions-League-Playoffs Sie negativ beeinflusst?

Kramaric: Nein, das kann man nicht sagen. Am Ende konnte ich sogar darüber lachen. Ich denke darüber nicht zu lange nach, das bringt nichts. Aber was ich sagen kann, ist auch: Ich bedauere wirklich, diesen Elfmeter nicht verwandelt zu haben, weil dann die Spiele gegen Liverpool anders gelaufen wären. Aber man muss auch ehrlich zugeben, dass Liverpool die bessere Mannschaft war, schade, dass wir ausgerechnet sie zugelost bekamen.

bundesliga.de: Wie optimistisch sind Sie, dass Kroatien an der WM teilnimmt?

Kramaric: Ich bin sehr optimistisch, was die Nationalmannschaft und auch was Hoffenheim angeht, weil beides starke Mannschaften mit starken Spielern sind. Hoffenheim ist eine gute Bundesliga-Mannschaft, Kroatien eines der Top-Teams in Europa. Alles hängt in beiden Fällen von uns Spielern ab, wie gut wir uns körperlich und mental vorbereiten. Wir müssen clever sein, das ist professioneller Fußball, ein Job, es ist nicht nur einfach Fußballspielen.´

Das Interview führte Tobias Schächter