Bundesliga

André Hahn: "Unsere Aufholjagd war ein kleines, nein, ein großes Märchen!"

bundesliga.de: Herr Hahn, sowohl Borussias Geschichte dieser Saison als auch Ihre eigene erinnert, drückt man es etwas theatralisch aus, an das Bild vom "Phoenix aus der Asche"...

André Hahn:In der Tat! Nach fünf Spieltagen standen wir am Tabellenende, ohne einen einzigen Punkt und ohne Trainer. Und dennoch haben wir am Ende die Champions-League-Qualifikation erreicht. Das ist ein kleines, nein, das ist ein großes Märchen und kommt für uns fast dem Gewinn einer Deutschen Meisterschaft gleich. Soweit ich weiß, ist es sogar eine historische Leistung, weil bisher noch nie eine Mannschaft, die nach fünf Spieltagen null Punkte hatte, am Ende einen internationalen Wettbewerb erreicht hat. Berücksichtigt man dazu die lange Liste von Langzeitverletzten, die wir in dieser Saison zu beklagen hatten, kann man nur sagen: Wahnsinn!

bundesliga.de: Trainer André Schubert nennt Sie "Mentalitätsmonster"; woher kommt diese Mentalität?

Hahn: Die hatte ich schon immer. Ich bin nicht der größte Techniker, der Hacke, Spitze, eins zwei drei spielt. Ich komme über Lauf- und Kampfbereitschaft und über unbändigen Ehrgeiz. Dieses Selbstverständnis hat mich überhaupt erst in die Bundesliga und zur Borussia gebracht. Vielleicht aber sind diese Faktoren dann ein Stück weit verloren gegangen. Es ist nicht so, als ob ich nicht immer versucht hätte alles zu geben. Aber irgendetwas hat zu Saisonbeginn gefehlt. Möglicherweise waren der Wille und die Bereitschaft immer auch noch einen weiteren Schritt zu machen nicht mehr ganz so groß wie zuvor.

bundesliga.de: So viel offene Selbstkritik ist in dieser Branche selten...

Hahn: Mag sein. Aber es muss Gründe gegeben haben, warum ich zu Saisonbeginn kaum Einsätze hatte. Und vielleicht habe ich diese Gründe zunächst woanders gesucht. Das war ein Fehler. Dabei war es nicht so, als wäre der Trainer wirklich unzufrieden mit mir gewesen. Im Gegenteil, er schien zufrieden mit mir. Aber wenn man dennoch nicht spielt, muss einem irgendwann klar werden, dass wohl doch irgendetwas fehlt. Dann muss man bei sich selbst suchen. Man muss wieder anfangen wirklich alles rauszuhauen, bis zu dem Punkt, wo, wie es immer so schön heißt, der Trainer gar keine andere Wahl mehr hat als einen aufzustellen.