Der Albtraum vom Abstieg ist wahr geworden. Zum sechsten Mal in der Vereinsgeschichte konnte der VfL Bochum die Klasse nicht halten und steigt aus der Bundesliga ab.

Im letzten Saisonspiel verloren die Westfalen verdient mit 0:3 im Abstiegsduell gegen Hannover 96. Mit 28 Punkten reicht es am Ende der Spielzeit nur zu Platz 17 für den VfL.

Auch Wosz brachte keine Wende

Auch die Entlassung von Trainer Heiko Herrlich zwei Spieltage vor Ende der Saison brachte nicht die erhoffte Wende. Unter VfL-Interimstrainer Dariusz Wosz verloren die Bochumer 1:3 gegen Bayern München und nun 0:3 im ausverkauften rewirpowerSTADION gegen Hannover 96.

"Ich habe keinen Druck gesehen. Auch nach dem ersten Gegentreffer ging kein Ruck durch die Mannschaft", war Dariusz Wosz enttäuscht, und entschuldigte sich: "Das war Angsthasen-Fußball. Es tut mir leid, dass ich es nicht geschafft habe, unseren Abstieg zu verhindern."

Spieler geben sich selbstkritisch

Auch die Spieler suchten nach dem Schlusspfiff nach Erklärungen. "Es lief alles schief, insbesondere in der ersten Halbzeit", gab Kapitän Marcel Maltritz zu.

Der VfL agierte über 90 Minuten zu passiv, zeigte zu wenig Gegenwehr, erspielte sich kaum Chancen und fand zu keinem Zeitpunkt wieder zurück ins Spiel. "Wenn man zwölf Begegnungen in Folge nicht gewinnen kann, ist der Abstieg am Ende auch verdient - daran sind alleine die Spieler Schuld", gestand Maltritz.

Koller, Heinemann, Herrlich

Der Abstieg der Bochumer kam nicht unerwartet. In den letzten zwölf Spielen konnte der VfL nicht mehr gewinnen. Stattdessen gab es neun Niederlagen und drei Remis. Eine noch längere Durststrecke mit 13 Partien ohne "Dreier" erlebte der Ruhrgebietsverein nur in der Saison 2008/2009 von September bis Dezember, konnte aber am Ende die Klasse halten.

Viel Positives gab es für die Bochumer über die ganze Saison hinweg nicht. Unter Trainer Marcel Koller legte der VfL einen klassischen Fehlstart hin. In sechs Spielen holte der Schweizer nur magere vier Punkte. Auch Interims-Trainer Frank Heinemann konnte zusammen mit Dariusz Wosz keine Trendwende einläuten.

Nur Heiko Herrlich, der die Position Ende Oktober übernahm, vermochte es, mit der Mannschaft eine Serie von acht ungeschlagenen Spielen hinzulegen. Nach dem 23. Spieltag sah es so aus, als ob Bochum mit komfortablen neun Punkten Abstand auf den Relegationsplatz die Liga halten könnte. Doch dann fiel der VfL in ein tiefes Loch. In der Rückrundentabelle belegen die Bochumer mit zwölf Punkten den letzten Platz. Im heimischen rewirpowerSTADION holten die "Blau-Weißen" in der gesamten Saison nur zwei Siege. Zu wenig, um in der ersten Bundesliga zu bleiben.

Neuanfang in der 2. Bundesliga

Der VfL Bochum steht vor der kommenden Saison vor einem Umbruch. Den Weg in die 2. Bundesliga tritt der Verein definitiv ohne Stürmer Diego Klimowicz und Torwart René Renno an. Beide wurden vor dem Spiel gegen Hannover bereits verabschiedet.

Welche Spieler den VfL noch verlassen werden, steht noch nicht fest. Bis auf Joel Epalle und Leihgabe Lewis Holtby besitzt der komplette Kader Verträge für die 2. Bundesliga. Sollten andere Vereine Interesse an Spielern wie Stanislav Sestak und Christian Fuchs haben, würden zumindest Ablösesummen fällig.

Neuer Trainer soll zügig gefunden werden

Oberste Priorität hat jedoch die Trainersuche. "Wir wollen zeitnah einen neuen Trainer präsentieren", kündigt Sportdirektor Thomas Ernst an. "Dann müssen wir weitere Entscheidungen treffen, um den Verein in der 2. Bundesliga kraftvoll nach vorne zu bringen."

Bei jedem der fünf Abstiege ist der VfL Bochum direkt wieder in die erste Bundesliga aufgestiegen. Doch in einer immer stärker werdenden 2. Bundesliga mit namhaften Teams wie MSV Duisburg, Hertha BSC und Fortuna Düsseldorf wird es schwer. Außerdem wird es von entscheidender Bedeutung sein, das zerrüttete Verhältnis zwischen dem Verein und den enttäuschten Fans wieder herzustellen.

Aus Bochum berichtet Vera Schmidt