Ein Umzug birgt auch immer Unannehmlichkeiten in sich - das Herz hängt schließlich am alten Zuhause.

Es bedarf oft einer gewissen Eingewöhnungszeit, bis man sich in den neuen vier Wänden so wohl fühlt, wie in den alten. Das ist nicht nur bei Wohnungsumzügen so: Nein, auch einige Fußball-Clubs bekommen - beziehungsweise bekamen - dies zu spüren.

Aufs und Abs

Erstes Beispiel: Bayer Leverkusen. Der "Werksclub" hat den vorübergehenden Umzug von der BayArena, die derzeit umgebaut und modernisiert wird, in die Düsseldorfer LTU arena noch nicht so gut bewältigt.

Seit der Rückrunde spielt Bayer nun in Düsseldorf: Zum Start setzte es zwei Niederlagen gegen Stuttgart und Hamburg, es folgten zwei Unentschieden gegen Bochum und Frankfurt. In der Hinrunde holte die "Werkself" im Schnitt noch 1,78 Punkte pro Heimspiel, in der Rückrunde nur noch 0,5.

Gegenargument für die Probleme im neuen Stadion: Im DFB-Pokal-Viertelfinale fegte die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia den FC Bayern München mit tollem Offensivfußball mit 4:2 vom Platz - es geht doch!

Hoffenheims neues Schmuckstück

Zweites Beispiel: 1899 Hoffenheim. In der Hinrunde blieb 1899 im Mannheimer Carl-Benz-Stadion - streng genommen allerdings auch nicht die ursprügliche Heimspielstätte von 1899 - noch ungeschlagen. Sieben Siege und zwei Remis bildeten das Fundament für die spätere Herbstmeisterschaft.

In der Rückrunde fand dann der Umzug in die neue, schmucke Rhein-Neckar-Arena statt. Die bisherige Bilanz: Ein Sieg gegen Cottbus, eine Niederlage gegen Leverkusen, das sich derzeit auswärts eher zuhause fühlt, und zwei Unentschieden gegen Bremen und Hannover - die Ausbeute beträgt also fünf Zähler.

Gegenargument für die Probleme im neuen Stadion: Die akuten Verletzungssorgen der Kraichgauer, die auch für 1899-Manager Jan Schindelmeiser hauptursächlich für die eher magere Ausbeute sind: "Von der Truppe, die in Mannheim erfolgreich gespielt hat, fehlt jetzt die Hälfte verletzungsbedingt. Und unter diesen schwierigen Voraussetzungen macht das die Mannschaft momentan überragend."

So liefen die Umzüge vor dieser Saison...

Also gibt es diesen viel zitierten "Fluch der neuen Arenen" gar nicht, oder? bundesliga.de blickt zurück und schaut, wie es anderen Clubs nach dem Umzug in ein neues Stadion erging.

Für den VfL Wolfsburg verlief der Start in der neuen Volkswagen Arena auch eher holprig. Die "Wölfe" gewannen ihre letzten vier Spiele im altehrwürdigen VfL-Stadion im Jahr 2002 allesamt. Die ersten beiden Partien in der Volkswagen-Arena wurden dagegen jeweils mit 1:2 verloren. In der aktuellen Saison stellt der VfL sogar die beste Heimmannschaft der Bundesliga.

Nahezu reibungslos verlief der Wechsel des FC Bayern München vom Olympiastadion in die Allianz Arena zur Spielzeit 2005/06. Sowohl in der letzten Saison im alten Stadion als auch in der ersten Spielzeit in der neuen Arena holte der Rekordmeister zuhause genau 44 von möglichen 51 Punkten. Zwei Deutsche Meisterschaften feierte der FCB mittlerweile im neuen Rund.

Gladbach sichert die Klasse

Der FC Schalke 04 konnte aus dem Umzug in die neue Arena profitieren, wenn auch in der ersten Saison in der Arena auf Schalke nur ein Punkt mehr geholt wurde (41) als in der letzten Spielzeit im Parkstadion (40) 2000/01.

Ähnlich erging es der Gladbacher Borussia: Sie holte in der ersten Saison im Borussia-Park 2004/05 zuhause zwei Zähler mehr als in der Vorsaison. Die waren allerdings dringend nötig: Ohne diese zwei Punkte wären die Borussen 2005 abgestiegen.

Für den Hamburger SV war die neue Arena sogar ein Segen. Bereits in der ersten Spielzeit (1999/2000) landete der HSV auf Rang 3 - dank 37 zuhause erzielter Punkte. Damit beendeten die Hanseaten erstmals seit den 80er Jahren eine Saison unter den ersten Drei.

Fazit: Die Erfahrung zeigt, dass sich neue Stadien nach einer gewissen Eingewöhnungszeit immer auszahlen. Nicht nur in punkto Komfort und Stimmung, sondern auch in Sachen Punktekonto.