Frankfurt - Mit dem 2:1-Sieg in Hannover hat Eintracht Frankfurt den Negativtrend von zuvor fünf sieglosen Spielen gestoppt. Vor dem Gastspiel des FC Bayern München spricht Frankfurts Topstürmer Alexander Meier mit bundesliga.de über die wechselhaften Leistungen der Eintracht, über die Systemänderungen von Trainer Armin Veh und über die Weltklasse der Bayern.

bundesliga.de: Herr Meier, nach dem 1:5 gegen Borussia Mönchengladbach haben sich die Fans der Eintracht mit einem offenen Brief an die Mannschaft gewandt. Diskutiert man das im Mannschaftskreis?

Alex Meier: Ich habe davon erst später erfahren. Letztlich macht das ohnehin jeder Spieler mit sich selbst aus. Die Fans haben aber selbstverständlich das Recht ihre Meinung zu äußern, und ihre Enttäuschung war vollkommen verständlich. Wir wissen selbst, dass wir vor allem in Ingolstadt nicht gut gespielt haben.

bundesliga.de: Tatsächlich fällt es schwer, Eintracht Frankfurt in dieser Saison zu begreifen. Grandiose Spiele wie das 6:2 gegen Köln oder willensstarke Leistungen wie zuletzt beim 2:1 in Hannover wechseln sich ab mit blutarmen Auftritten wie beim 0:2 in Ingolstadt (alle Eintracht-Ergebnisse)...

Meier: Ich denke, dass das Spiel in Ingolstadt in der Tat richtig schlecht war. Da haben wir eine schlechte Einstellung an den Tag gelegt, die völlig zu Recht kritisiert worden ist. Genau genommen weiß ich bis heute nicht, was da mit uns los war. Die Spiele zuvor aber gegen Hamburg, Schalke und Berlin waren so schlecht nicht. Bloß haben am Ende die Punkte gefehlt. Was das Auftreten der Mannschaft betrifft, kann uns in diesen Spielen aber niemand einen Vorwurf machen. Und in Hannover hat man gesehen, dass die Mannschaft trotz eines Rückstandes intakt ist.

Abstiegskampf? "Man sollte wachsam sein"

bundesliga.de: Die wechselhaften Leistungen verblüffen auch deshalb, weil die Integration der neuen Spieler funktioniert hat. Ob Castaignos, Hradecky, Abraham oder Reinartz - sie alle weisen ordentliche Leistungsdaten auf...

Meier: Diese Werte sind das eine. Das andere und entscheidend ist aber, dass es im Spiel gemeinsam richtig funktioniert. Wir haben gute Spieler dazugekommen, keine Frage, und haben auch schon gezeigt, dass wir gut zusammen spielen können. Phasen wie in den vergangenen Wochen gibt es immer einmal im Laufe einer Saison. Meist ist es schwierig, eine richtige Erklärung dafür zu finden. Ein paar Spiele lang ist es dann einfach so.

bundesliga.de: Gegen Hannover lag die Eintracht zur Halbzeit zurück, eine Niederlage wäre die sechste in Folge gewesen. Haben Sie sich in diesem Moment Sorgen gemacht, dass die Saison auf puren Abstiegskampf hinauslaufen könnte?

Meier: Was heißt Sorgen?! Wenn man nur vier oder fünf Punkte vom Abstiegsplatz entfernt ist, ist das Abstiegskampf. Auf jeden Fall sollte man immer wachsam sein. Niemand darf die Augen davor verschließen. Es gibt im Moment keinen Grund, über andere Ziele zu reden.

bundesliga.de: Zum Spiel in Hannover hat Armin Veh das System von einem 4-4-2 auf ein 4-2-3-1 umgestellt.

Meier: Unser Trainer ist so lange dabei und weiß genau, was zu tun ist. Das hat die Partie in Hannover gezeigt. Ich bin ganz sicher, dass er weiterhin die richtigen Maßnahmen treffen wird.

"Habe Freude an Bayerns Fußball"

bundesliga.de: Das wird am Wochenende gegen den FC Bayern auch nötig sein. Sind Spielen gegen die Bayern derzeit eine dankbare Aufgabe, weil ohnehin jeder eine Niederlage erwartet?

Meier: Das Spiel gegen die Bayern ist einerseits ein ganz normales Spiel wie jedes andere auch, so dass bei mir keine besonderen Gefühle aufkommen. Andererseits ist es aber die schwerste Aufgabe der Saison, weil die Bayern nun mal die beste Mannschaft sind.

bundesliga.de: Freut sich ein Topspieler wie Sie nicht doch ganz besonders auf ein solches Kräftemessen?

Meier: Ich freue mich auf jedes Spiel und auf jeden Gegner gleichermaßen.

bundesliga.de: Gerät man dann sogar ein wenig ins Schwärmen?

Meier: Vielleicht gerät man nicht gleich ins Schwärmen, aber man hat Freude daran, auf welchem Niveau die Bayern ihren Fußball spielen. Das ist die beste Mannschaft Deutschlands, vielleicht sogar der Welt. Da sieht man schon mit einem gewissen Respekt und einer Anerkennung für diese Leistungen hin.

bundesliga.de: Sie sind Stürmer, da dürfte Ihnen Robert Lewandowski (Infografik: So trifft Lewandowski) besonders gut gefallen..

Meier: Lewandowski ist Weltklasse, dort ist jeder Weltklasse. Mir gefällt Thomas Müller sehr. Zwar kenne ich ihn nicht als Mensch, aber mir gefällt seine lockere Art, die er z. B. in Interviews an den Tag legt. Und als Fußballer und Stürmer, weil er immer Tore und Vorlagen macht. Müller ist einfach ein herausragender Fußballer.

bundesliga.de: Es gibt eine Reihe Experten, die das auch über Sie sagen und Sie erneut für die Nationalmannschaft ins Spiel bringen.

Meier: Das ist für mich kein Thema, mit dem ich mich auseinandersetze. Und daran wird sich auch nichts ändern.

Das Gespräch führte Andreas Kötter