Frankfurt - Schrill und grell, das ist nicht das Ding von Alexander Meier. Er gehört zu den eher Stilleren der Branche. Dennoch macht der Hüne nicht nur wegen seiner Körpergröße von 1,96 Metern auf sich aufmerksam. Der gebürtige Niedersachse hat sich mittlerweile zum viertbesten Torjäger überhaupt von Eintracht Frankfurt geschossen und führt zudem mit 13 Treffern die aktuelle Torschützenliste an. Im Interview mit bundesliga.de spricht Meier bescheiden über seine herausragenden Leistungen und warnt vor Leichtsinn. Außerdem verrät er seine Meinung zu den Themen Vereinstreue und Köperschmuck.

bundesliga.de: Herr Meier, was macht Ihre Verletzung aus dem letzten Testspiel, ist Ihr Einsatz zum Rückrundenstart gefährdet?

Alexander Meier: Die letzten beiden Tage war es okay, und ich konnte das komplette Training absolvieren. Mal sehen, wie die kommenden Tage ausschauen. Ich bin aber grundsätzlich optimistisch, dass es klappt.

bundesliga.de: Zu Beginn der Hinrunde war nicht abzusehen, dass Sie an deren Ende nicht nur der beste Torschütze, sondern eine der Spielerpersönlichkeiten überhaupt der ersten Saisonhälfte sein würden...

Meier: Ich möchte das nicht so hoch hängen. Für Erfolge ist immer ein ganzes Team verantwortlich, nicht nur ein einzelner. Genauso ist es bei uns auch. Ich denke, dass Haris Seferovic auch ein toller Stürmer ist. Einer, dem ich zum Beispiel in dieser Spielzeit viel zu verdanken habe. Alle gehören dazu, nicht nur die Spieler, sondern auch der gesamte Trainerstab. Manchmal mache ich nach dem Training noch zusätzlich ein paar Übungen mit Wolfgang Rolff.

bundesliga.de: Stichwort Trainer: Thomas Schaaf und Sie mussten sich erst aneinander gewöhnen...

Meier: Aber es ist doch immer so, dass sich ein neuer Trainer und seine neuen Spieler erst einmal aneinander gewöhnen müssen. Im Übrigen ist da im Sommer aber auch viel mehr geschrieben worden, als die Geschichte tatsächlich hergeben hat. So ist das nun mal in der Vorbereitungszeit, wenn es sonst noch nicht so viel zu schreiben gibt.

"Jeder kann ersetzt werden"

bundesliga.de: Das stimmt, Ihre Tore haben Sie in den vergangenen Jahren immer geschossen haben. Trotzdem scheint es so, dass Sie - mit immerhin 32 Jahren - eher noch besser werden und im Moment riesig Spaß am und Lust auf Fußball haben...

Meier: Lust auf und Spaß am Fußball, das habe ich immer! (lacht) Na ja, zumindest immer dann, wenn ich gesund bin. Das ist die Voraussetzung. Ob ich aber wirklich besser werde - das zu beurteilen steht mir nicht zu. Das sollen lieber andere tun.

bundesliga.de: War diese Halbserie nicht die beste Phase Ihrer Karriere?

Meier: Schwer zu sagen. Es gab auch schon andere ganz gute Phasen, die ich bei der Eintracht miterleben durfte. Sicherlich ist es ganz gut gelaufen in der Hinrunde. Aber das ist ohnehin nur noch Geschichte. Jetzt kommt es einzig und allein darauf an, in der englischen Woche, die gleich ansteht, gut aus dem Startblock zu kommen.

bundesliga.de: Dafür muss aber endlich die Defensive besser stehen, auf 34 erzielte Tore kommen bisher auch 34 Gegentreffer (Tabelle). Warum klappt das bisher nicht richtig, auch nicht im letzten Test, der gegen den schweizer Zweitligisten Servette Genf 3:4 verloren wurde?

Meier: Wenn wir das hundertprozentig wüssten, hätte Servette nicht vier Treffer erzielt (Frankfurts Winterfahrplan). Aber wir arbeiten nach wie vor sehr hart daran und sind uns alle dessen bewusst, dass 34 Gegentore nicht nur ein Problem der Abwehr sind. Auch wir Stürmer müssen Defensivarbeit leisten, wenn wir uns in diesem Punkt verbessern wollen. Allerdings sollte es auch nicht ins andere Extrem kippen: Immer viele Tore erzielen zu wollen, das sollten wir behalten.

bundesliga.de: Setzen Sie auch auf die Rückkehr von Carlos Zambrano?

Meier: Carlos ist ein hervorragender Verteidiger, einer, der immer vorneweg geht. Fällt ein solcher Spieler aus, merkt man das - keine Frage (Verbesserer: Zambrano soll dichtmachen). Allerdings bin ich ebenso der Meinung, dass es im Kader einer Profimannschaft immer auch Alternativen gibt, so dass letztlich jeder ersetzt werden kann, ob nun in der Defensive oder in der Offensive. Nein, es liegt nie nur an einem einzigen Spieler. Weder, wenn es gut läuft, noch, wenn gar nichts klappt.

bundesliga.de: Sie haben kürzlich vor der Rückrunde gewarnt -  auch weil Sie in Frankfurt schon einmal erlebt haben, wie schnell es nach einer guten Vorrunde abwärts gehen kann?

Meier: Exakt. Damals (Saison 2010/11, Anm. d. Red.) standen wir zur Halbzeit mit 26 Punkten sogar auf Platz 7. Am Ende aber mussten wir als 17. absteigen, weil wir in der Rückrunde nur acht Punkte holen konnten. Das ist eine deutliche Warnung! Zumal in der Tabelle ohnehin alles noch sehr eng beisammen ist. Verliert man zwei Spiele, während die Teams, die jetzt unten stehen, vielleicht gewinnen, kann es schon wieder ganz eng werden.

bundesliga.de: Eng beisammen - das trifft auch auf die Clubs zu, die sich Hoffnung machen auf einen Platz im internationalen Geschäft. Auf Rang 3 etwa fehlen der Eintracht aktuell nur fünf Zähler...

Meier: Das halte ich dennoch eher für unrealistisch. Bayern, Wolfsburg, Leverkusen, Gladbach und Schalke stehen bereits ungefähr dort, wo diese Clubs hin wollen. Und Borussia Dortmund traue ich durchaus eine so gute Rückrunde zu, dass es noch für die Europa League reicht. Damit wären bereits sechs Plätze vergeben. Unser Ziel kann nur lauten, so schnell wie möglich die Punkte zu holen, die für den Klassenerhalt notwendig sind. Alles Weitere wird man sehen.

"Wollte den Karren aus dem Dreck ziehen"

bundesliga.de: Zum Schluss vielleicht noch ein paar Worte zu Ihrem Selbstverständnis als Fußballer. Sie spielen seit elf Jahren bei ein und demselben Verein (XL-Galerie: Immer wieder Alex Meier), über Ihr Privatleben ist kaum etwas bekannt, schon gar keine Skandale, und Tattoos haben Sie bisher auch nicht. Klingt nach einer aussterbenden Art in Fußballer-Kreisen...

Meier: Na ja, "aussterbende Art" ist vielleicht zu viel gesagt. Aber Tattoos? Das habe ich wirklich nicht vor! Ich weiß natürlich, dass heute viele Spieler tätowiert sind. Aber heute ist auch eine andere Zeit als zu meiner Jugend, und jeder muss selbst wissen, was er für sich möchte und was nicht. Und andere Spieler, die schon sehr lange bei ihren Clubs unter Vertrag stehen, gibt es auch eine Reihe. Es mag aber stimmen, dass diese Gruppe zunehmend kleiner wird. Für mich zählt, dass ich mich in Frankfurt immer wohl gefühlt habe. Zudem war es mir gerade im Abstiegsjahr sehr wichtig, ein Zeichen zu setzen. Der Verein hat mir in schwierigen Phasen immer zur Seite gestanden. Deshalb war es für mich selbstverständlich zu bleiben, um den Karren schnellstmöglich wieder aus dem Dreck zu ziehen.

bundesliga.de: Ihr Vertrag läuft noch bis 2017. Werden Sie Ihre Karriere bei der Eintracht beenden?

Meier: In Deutschland ist die Eintracht auf jeden Fall mein letzter Verein! Ob ich aber vielleicht noch einmal die Chance auf ein Abenteuer ergreifen würde, wenn diese Chance denn käme, weiß ich heute noch nicht. So weit in die Zukunft denke ich ohnehin nicht. Für mich zählt jetzt nur die Eintracht.

Das Gespräch führte Andreas Kötter