Gelsenkirchen - Braungebrannt und mit einem Lächeln auf den Lippen trat André Breitenreiter pünktlich auf die Minute seinen Dienst bei Schalke 04 an. Nach einem "herzlichen Hallo" im Blitzlicht-Gewitter versprach der neue Coach der Königsblauen "Fußball mit Herz und Leidenschaft" - ganz im Sinne der zuletzt so tief enttäuschten Fans. Von einer konkreten Zielvorgabe in der Bundesliga-Spitze wollte er aber nichts wissen.

"Das erste Ziel ist es, wieder eine Einheit zu werden und den Teamgedanken in den Vordergrund zu stellen", sagte der 41-Jährige bei seiner Vorstellung am Montag in der Schalker Arena. Von der Champions League sei man "erst mal noch weit entfernt". Eine konkrete Zielsetzung für die Saison gibt Breitenreiter nicht vor. "Unser Ziel ist es, die Fans mit der Art und Weise, wie wir auftreten, wie wir Fußball spielen, mitzunehmen. Ich möchte eine Mannschaft mit Mentalität, positiver Einstellung und Einsatzwillen auf dem Platz sehen", betont der 41-Jährige. "Jeder Spieler muss sich auf den anderen verlassen können. Wir müssen als Team funktionieren und auf sowie auch außerhalb des Platzes geschlossen auftreten." Das zuletzt angespannte Verhältnis zum eigenen Anhang sieht er nicht als Belastung. "Jeder weiß, wenn die Fans sehen, dass die Mannschaft sich zerreißt und alles für den Verein tut, werden die Anhänger auch Fehler zulassen."

"Große Chance für mich"

© gettyimages / Sascha Steinbach

Den Wechsel vom SC Paderborn zu den Gelsenkirchenern sieht Breitenreiter "als große Chance für mich - und vielleicht auch für den Klub". Die Aufgabe beim Europacup-Stammgast, der in der enttäuschenden abgelaufenen Saison sogar die Fans gegen sich aufbrachte, traut sich der ehemalige Bundesligaprofi zu: "Natürlich bin ich noch nicht lange Trainer. Aber ich gehe sehr, sehr selbstbewusst an diese Herausforderung heran."

Berührungsängste mit den Stars in der Schalker Mannschaft hat der Nachfolger von Roberto Di Matteo nicht. "Wenn man sie mitnimmt, eine klare Spielidee vermittelt, werden auch Stars gerne gewinnen wollen", sagte er. Vor allem die zahlreichen hochkarätigen Talente hat er im Blick: "Die jungen Spieler haben deutliches Potenzial nach oben. Da habe ich richtig Bock drauf." Klar ist für den neuen Trainer, dass er nach dem Leistungsprinzip handeln wird. "Es geht immer um den Erfolg der Mannschaft. Bei meinen Entscheidungen handle ich stets aus vollster Überzeugung", sagte Breitenreiter. "Ich denke, das ist enorm wichtig. Die Spieler sollen sich respektieren und akzeptieren. Dann werden wir es auch schaffen, gemeinsam erfolgreich zu sein."

Höwedes bleibt auf Schalke

Breitenreiter, der sich am Freitag mit Schalke auf einen Zweijahresvertrag geeinigt hatte, kann auch mit Weltmeister Benedikt Höwedes arbeiten. Der Abwehrspieler zog seine Ausstiegsklausel nicht, obwohl unter anderem der FC Arsenal um ihn buhlte. "Er ist unser Kapitän, wir brauchen ihn", sagte Sportvorstand Horst Heldt. Höwedes hätte bis Montag für angeblich 17 Millionen Euro wechseln können. Für die aussortierten Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam gibt es dagegen auch unter dem neuen Coach kein Zurück. "Es bleibt dabei, dass wir uns von ihnen trennen möchten", sagte Heldt.

Breitenreiter, der erst 2013 seine Fußballlehrer-Lizenz erwarb, hat durchaus Erfahrungen mit großen Schalker Emotionen. Beim unglücklichen 0:1 mit Paderborn am vorletzten Spieltag erlebte er in der Arena die geballte königsblaue Fan-Wut ebenso hautnah mit wie 2001 die "Vier-Minuten-Meisterschaft". Beim spannendsten Bundesliga-Finale aller Zeiten stand er für Unterhaching auf dem Rasen, als die Schalker 5:3 gewannen und auf der Anzeigetafel mit ansehen mussten, wie ihnen der FC Bayern in der Nachspielzeit die Schale doch noch wegschnappte. "Diese Bilder gehen nie verloren", sagte Breitenreiter, "es war sehr bitter anzusehen. Was sich da abgespielt hat, war unfassbar traurig."

Mit Material vom SID