Frankfurt - Er ist da - der neue Mann bei Eintracht Frankfurt. Armin Veh kehrt an eine alte Wirkungsstätte zurück und hat vor dort auch länger zu bleiben.

Erholt sieht Armin Veh jedenfalls aus, das halbe Jahr Pause hat dem Mann gutgetan: "Klar, ich habe jetzt weniger Falten", sagt Veh und lächelt in den überfüllten Konferenzraum eines Hotels im Frankfurter Stadtpark bei seiner Vorstellung als Trainer von Eintracht Frankfurt. Veh tut es also wieder: Er steigt bei einem Verein ein, bei dem er in der Vergangenheit erfolgreich war. Und er tut dies am Montag in Frankfurt mit den exakt selben Worten, wie er das auch im letzten Jahr bei der Vorstellung seines zweiten Engagements beim VfB Stuttgart gemacht hat: "Ich will ein bisschen träumen und etwas erreichen, was vielleicht nicht jeder erwartet."

Zurück zur Eintracht

Armin Veh hat dann gleich versichert, nicht vorzuhaben, die Eintracht schnell wieder verlassen zu wollen. Veh hat dabei nicht ironisch gelächelt, wie er das sonst so gerne tut. Nein, das zu sagen, war ihm ernst und wichtig. Und der 54 Jahre Fußballtrainer aus Augsburg ist ja auch danach gefragt worden. Es ist erst ein Jahr her, als Veh der Eintracht nach drei Jahren, in denen er für Erstligaaufstieg und Europapokalteilnahme gefeiert wurde, Adieu sagte. Damals schienen ihm die Perspektiven in Frankfurt nicht rosig genug. Jedenfalls nicht rosig genug für ihn, den Meistertrainer, der den VfB Stuttgart 2007 zur Deutschen Meisterschaft geführt hat. Eigentlich wollte Veh damals nach drei intensiven Eintracht-Jahren eine Pause einlegen, nahm aber dann doch das Angebot des VfB Stuttgart an – und sagte nach fünf Monaten Erfolglosigkeit ziemlich schnell wieder tschüss am Neckar. Es kann also wirklich ganz schnell in die Hose gehen, wenn eine alte Liebe nicht mehr richtig entflammen will. Er habe beim VfB einfach nicht die Frische gehabt, um Dinge anzuschieben, sagt Veh heute. Nun kehrt Veh also erholt wieder zur Eintracht zurück.

Perspektive Europa?

Ob die Eintracht 2015 wahnsinnig attraktiver ist als die Eintracht 2014? Für Veh gibt es aber nachvollziehbare Gründe in Frankfurt anzuheuern. Bei der Eintracht bekommt er nach der unglückseligen Stuttgart-Episode nun die Chance in einem ihm bekannten und wohl gesonnenen Umfeld wieder einzusteigen. Mit den Protagonisten, vor allem mit Manager Bruno Hübner, verbindet ihn Freundschaft. Und auch mit dem ewigen Realisten Heribert Bruchhagen versteht sich Veh trotz einiger Streits in der Vergangenheit um die Ausrichtung des Vereins gut. Die Eintracht ist auch heute noch ein Mittelklasseklub mit einem Mittelklassebudget, das aber auf rund 35 Millionen gestiegen ist.  "Das ist nicht die Welt", gibt Veh zu, "Aber immerhin 20 Prozent mehr."

Eine große Rolle habe für ihn auch die Veränderung im Aufsichtsrat gespielt, erklärte Veh. Vor einer Woche ist der Wertpapierehändler Wolfgang Steubing zum Vorsitzenden des Eintracht-Kontrollgremiums gewählt worden. Steubing will den Klub mit mehr Mitteln ausstatten. Die Erhöhung des Eigenkapitals durch die Ausgabe von Genussscheinen ist dabei eine Möglichkeit, die derzeit geprüft wird. Steubing, der Veh sehr schätzt, würde gerne noch einmal Europapokalspiele in Frankfurt erleben. Aber ob das für die Mannschaft, die auf drei bis vier Positionen verstärkt werden soll, eine realistische Perspektive ist? Veh will erstmal kein Saisonziel nennen.

"Ich will auf dem Platz stehen"

Das letzte Übergangsjahr hat Vehs Nachfolgervorgänger Thomas Schaaf sportlich mit dem neunten Platz ordentlich moderiert. Doch anders als der kommunikative Veh konnte sich Schaaf keine Hausmacht im Verein, bei der Mannschaft und in den Medien aufbauen. Schaaf fühlte sich missverstanden und schmiss hin. Mit Veh habe er dieselbe Wellenlänge, begründet Manager Hübner die alte, neue Trainerwahl: Man habe Erfolge zusammen gefeiert und gehe mit einem guten Gefühl in die Runde, so Hübner. Spekulationen, nach denen Veh im nächsten Jahr Heribert Bruchhagen als Vorstandsvorsitzender folgen solle, bestätigte der Trainer nicht. Veh unterschrieb einen Zweijahresvertrag als Trainer. "Man kriegt den Beruf Bundeligatrainer gedanklich nicht hin, wenn man weiß, dass man im nächsten Jahr was anderes macht", sagt Veh: "Das wäre ein totaler Einschnitt gewesen, meine Trainerkarriere beendet. So weit bin ich noch nicht, ich will auf dem Platz unten stehen."

Dass er am Ende seines ersten Engagements bei der Eintracht gesagt hat, er wolle nicht mehr so oft dem Gegner zum Sieg gratulieren, haben dem Trainer einige Fans verübelt. Jetzt sagt Veh: "Ich versuche Vertrauen zurückzugewinnen – nicht mit Worten, sondern mit Taten."

 

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter