München - Die Bundesliga begeistert in dieser Saison mit ihrer Torflut. 264 Buden sind so viele wie seit 1985/86 nicht mehr. An diesem Wochenende ist jedoch ein Treffer in aller Munde, der eigentlich gar keiner war.

Gänzlich ohne Tore endet gar die Partie zwischen Bremen und Freiburg, ein Novum in dieser Spielzeit. Torhungriger präsentieren sich da schon die Schalker Youngster und die Hertha-Hamster. Darüber spricht die Liga am 9. Spieltag.

Kießling findet die Lücke

Und Geschichte wiederholt sich eben doch! 1994 war es, als Thomas Helmer im Spiel seiner Bayern gegen Nürnberg den Ball eigentlich neben den Kasten setzte, doch Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers entschied auf Tor - Helmer schreibt mit seinem Phantomtor Geschichte. "Ich hätte nie gedacht, dass es heutzutage noch einmal passieren könnte", sagt Helmer der "FAZ". Fast 20 Jahre vergehen, bis Stefan Kießling ein ähnliches Kunststück gelingt. Anders als bei Helmer findet sein Ball sogar durch ein Loch im Netz den Weg ins Tor - wenn man so will, die perfekte Tauschung. "Ich habe im ersten Moment gedacht, der Ball geht nicht rein, aber dann zappelte er im Netz", sagt ein verwunderter Kießling. Der Treffer zählte, sehr zum Ärger der Hoffenheimer, die gegen die Wertung des Spiels Protest eingelegt haben (). Mit einer Entscheidung über das weitere Vorgehen ist erst nach dem DFB-Bundestag am kommenden Freitag zu rechnen. Nur eines steht für Schiedsrichter Felix Brych jetzt schon fest: "Es ist keine tolle Situation, dass ich ein Tor gegeben habe, das keines war."

999. Nullnummer

In Bremen gab es weder ein Phantomtor, noch irgendeinen anderen Treffer zu bestaunen - ein dieser Saison gänzlich ungewohntes Bild. "Ich habe vor dem Spiel gesagt, dass wir das mit dem ersten 0:0 hinkriegen - hat prompt geklappt", sagte Robin Dutt nach dem 999. torlosen Remis der Bundesliga-Geschichte (Trainerstimmen). Aber nicht nur Freiburgs Ex-Coach war torlos glücklich, sondern auch sein ehemaliger Co-Trainer und jetziger Coach der Breisgauer wertete das erste Zu-Null-Spiel seiner immer noch sieglosen Schützlinge als Teilerfolg: "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen."

Heimliche Hamster und Heimmächte

Ganz heimlich, still und leiste hamstert die Berliner Hertha Heimpunkt um Heimpunkt und ist in der Tabelle nach dem vierten Heimsieg sogar erster Verfolger des Top-Trios Bayern, Dortmund und Leverkusen. In Sachen Heimstärke haben die Berliner aber noch Nachholbedarf in Bezug auf Primus Bayern. Die Münchner gewannen das 13. Heimspiel in diesem Kalenderjahr und gaben als einziges Team seit Beginn des Jahres zuhause keinen einzigen Punkt ab (Splitter). Am kommenden Samstag will Hertha diese Serie brechen, Innenverteidiger Sebastian Langkamp hat dafür einen ganz speziellen Plan: "Da stellen wir am besten drei Torhüter auf."

Youngster springen in die Bresche

Gezwungenermaßen auf dieser Position umstellen musste Trainer Jens Keller beim Auswärtsspiel seiner Schalker in Braunschweig. Keeper Ralf Fährmann rückte für den verletzten Timo Hildebrand ins Team. Ein glückliches Händchen bewies der Schalker Coach auch bei seinen Einwechslungen. Joker Leon Goretzka (r., © Imago) erzielte sein erstes Bundesliga-Tor, zugleich das 250. der laufenden Saison. Der ebenfalls erst 18 Jahre alte Max Meyer hatte zuvor bereits sein drittes Tor in den vergangenen fünf Pflichtspielen für Schalke erzielt. Aufgrund der vielen Verletzten setzt Keller quasi notgedrungen auf die Youngster, doch . Und die nächste Aufgabe wartet bereits, denn mit Marco Höger fällt der siebte Profi verletzungsbedingt aus.


Maximilian Lotz