Omar Richards wechselt vom FC Reading zum FC Bayern München - © Nigel Keene via www.imago-images.de/imago images/Pro Sports Images
Omar Richards wechselt vom FC Reading zum FC Bayern München - © Nigel Keene via www.imago-images.de/imago images/Pro Sports Images
bundesliga

Fünf Dinge über Bayern-Neuzugang Omar Richards

Omar Richards heißt der zweite Neuzugang des FC Bayern München für die kommende Saison. Der Linksverteidiger kommt vom englischen Zweitligisten FC Reading und erhält einen Vertrag bis 2025. bundesliga.de stellt den 23-Jährigen vor.

1) Davies-Konkurrent hinten links

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Omar Tyrell Richards erhält die Rückennummer 3, mit der er auch in England auflief. Für den FC Bayern München trug sie zuletzt Xabi Alonso. Richards dürfte bei seiner Wahl aber eher Bayern-Legende Bixente Lizarazu im Kopf gehabt haben. Wie der kleine Franzose, der als Spieler des FC Bayern um die Jahrhundertwende Welt- und Europameister sowie Champions-League-Sieger wurde, ist Richards Linksverteidiger. Von denen hatte Hansi Flick in der abgelaufenen Saison mit Alphonso Davies, Lucas Hernandez und David Alaba noch drei zur Verfügung. Nach Alabas Abgang soll Hernandez nun aber fest ins Abwehrzentrum rücken und Richards Davies als Backup hinten links Dampf machen.

Wie sein "Vorgesetzter" fühlt Richards sich mit dem Ball an seinem starken linken Fuß sehr wohl. Feine Ballbehandlung, sicher auf engem Raum und mit "guten Lösungen im Spiel nach vorne", wie FCB-Sportvorstand Hasan Salihamidzic bescheinigt. Mit einer Körpergröße 1,85 m ähnelt seine Statur eher der von Außenverteidiger-Pendant Benjamin Pavard. Seine "Länge" hilft Bayern, die Abgänge der hochgesprossenen Jerome Boateng (1,90 m) und Javi Martinez (1,89 m) zu kompensieren, in physischer Hinsicht, aber auch in Sachen Defensivzweikämpfe - eine Kategorie, die für Richards erst recht spät relevant wurde ...

2) Umgeschult: Von Ronaldinho zu Ashley Cole

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Der gebürtige Londoner wurde fußballerisch beim FC Fulham groß, und zwar als Zehner und Außenstürmer. In der Akademie der "Cottagers" eiferte er seinen Idolen Ronaldinho und David Silva nach. 2013 wechselte er in den Unterbau des FC Reading. Dort ließ ihn einer seiner Jugendtrainer für einige Spiele links verteidigen, eine gängige Maßnahme, um Offensivspieler für defensive Aufgaben zu sensibilisieren. Auf der ungewohnten Position machte Richards seine Sache dann aber so gut, dass er dauerhaft in die Abwehr versetzt wurde - nicht unbedingt der Traum eines jungen Offensivtalents, für den ballfertigen Linksfuß aber der entscheidende Schritt auf dem Weg zur Profikarriere.

Mark Bowen, bis August 2020 Richards' Trainer bei den Profis, erinnerten Richards' Anlagen "an den jungen Ashley Cole." So raketenhaft wie die Karriere des ehemaligen Chelsea-Stars, der seine Karriere 2012 mit dem Sieg im Champions-League-Finale gegen die Bayern krönte, ging es für Richards aber nicht nach oben. In einem an Linksverteidigern reich gesegneten Kader tat er sich schwer, Konstanz in Spielzeit und Leistungen zu bekommen. Erst in der abgelaufenen Saison wurde er unumstrittener Stammspieler und Leistungsträger. Eine Entwicklung, die den Bayern-Scouts nicht verborgen blieb.

3) Ruhig und bodenständig

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Neben den sportlichen Komponenten legen die Münchner Entscheidungsträger bei Transfers auch Wert auf den Charakter eines Neuzugangs. Und auch hier überzeugt Richards in der Tiefenrecherche. Förderer und Wegbegleiter beschreiben ihn als fleißig und verbesserungswillig, als einen, der hart arbeitet, um die letzten Prozentpunkte aus sich herauszukitzeln.

Die langanhaltenden Gerüchte um seine Zukunft dienten darüber hinaus als Charaktertest. "Du würdest nicht darauf kommen, dass gerade ein großer Verein an ihm dran ist", erzählt Abwehrpartner Michael Morrison, der ihn darüber hinaus als "bodenständig, ruhig und bescheiden" beschreibt.

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4) Unterricht und Begrüßung auf Deutsch

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Für sein aufgewecktes, offenes Wesen spricht, dass Richards in England früh Deutsch-Stunden nahm, als sich der Wechsel nach München abzeichnete. So konnte er kurz nach seiner Vertragsunterschrift per Videobotschaft bereits ein paar Worte auf Deutsch an die Fans des Rekordmeisters richten: "Servus, ich bin Omar Richards und werde nächste Saison zum FC Bayern München kommen."

Im anschließenden Kurz-Interview glänzt er sogar schon mit einigen Vokabeln auf Bayrisch. Dass zeugt von Arbeitsmoral, Offenheit und Identifikation. Offensichtlicher Ansprechpartner im Bayern-Kader wird für ihn sicher Jamal Musiala sein, der Teile seiner Jugend ebenfalls in London verbrachte.

5) Bitte keine Hunde!

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Richards ist der mittlere von drei Brüdern, die seine Mutter im Süd-Londoner Viertel Lewisham allein großzog. "Meinen Vater habe ich nicht oft gesehen", erzählte er in einem Interview. "Meine Mutter hat mich zum Training gebracht, wieder abgeholt und für die Spiele durchs ganze Land gefahren. Ich habe ihr sehr viel zu verdanken. Ich weiß nicht, ob ich ohne ihren Einsatz und ihre Zeit beim Fußball geblieben wäre."

Obwohl Richards bis zuletzt gerade mal 50 Kilometer von seinem Zuhause entfernt wohnte, ist der Umzug auf den Kontinent nicht seine erste Erfahrung in neuer Umgebung und ohne die Familie um sich herum. Als er mit 15 zum FC Reading wechselte, zog er zu einer Gastfamilie. "Das war eine ganz neue Erfahrung für mich. Andere Familie, anderes Essen, andere Kultur" - und Hunde. "Ich weiß noch, als mein Berater mich zum ersten Mal dorthin gebracht hat. Die Hunde kamen aus der Tür gerannt, ich hab meine Taschen fallen lassen und bin sofort zurück ins Auto gerannt. Ich mag Hunde nicht so gern."