Der 15. Dezember 1995 erschütterte die Bundesliga - und den gesamten europäischen Fußball - wie noch nie. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg verkündete das so genannte Bosman-Urteil.

Worum ging es? Jean-Marc Bosman, Durchschnittsspieler beim FC Lüttich, wollte 1990 nach Vertragsende zum französischen Zweitligisten Dünkirchen wechseln. Die Belgier verlangten eine Ablöse von 800.000 Dollar, die der Zweitligist nicht bezahlen wollte. Daraufhin verweigerte Lüttich Bosman die Freigabe. Bosman klagte gegen das faktische Berufsverbot durch alle Instanzen. Fünf Jahre später gab der Europäische Gerichtshof ihm in letzter Instanz Recht.

Ablösefreies Wechseln möglich

Ab sofort durften Vereine innerhalb der EU nach Ablauf eines Arbeitsvertrages keine Ablöse mehr von einem neuen Verein verlangen. Und: Wegen der freien Wahl des Arbeitsplatzes innerhalb der EU durften die nationalen Fußballverbände auch keine Ausländerbeschränkung mehr ausüben. Das wäre Diskriminierung gewesen.

Relativ rasch weitete die Bundesliga die Regel auf alle Europäer aus, um zweierlei Recht auf dem alten Kontinent zu vermeiden. So kam es, dass Energie Cottbus bei einem Spiel der Bundesliga am 6. April 2001 gegen den VfL Wolfsburg mit einer Mannschaft auflief, aus der kein einziger Spieler in der deutschen Nationalmannschaft hätte spielen dürfen.

Weitreichende Konsequenzen

Das Urteil hatte weitreichende Konsequenzen. Durch die Aufhebung der Ausländerbeschränkung hatte es der deutsche Nachwuchs eine Zeit lang schwer, sich in die Profikader der Clubs zu spielen. Diverse Nationalmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bekamen Probleme, weil es den deutschen Spielern an Spielpraxis mangelte.

Doch die Welle, die das Bosman-Urteil auslöste, ebbte über die Jahre wieder ab. Das Geschehen auf der Fußball-Bühne hat sich schon längst wieder normalisiert und die Clubs in Deutschland setzen ebenso auf den Nachwuchs aus der Heimat wie auf Verstärkung aus aller Welt. Denn am Ende entscheidet die Qualität.

Bosman zum Anziehen

Für den Mann, der diese Veränderung erst möglich machte, hatte das Urteil jedoch keinerlei Auswirkung. Bosman fand keinen Arbeitgeber mehr in Belgien und musste Arbeitslosengeld beantragen. Erst viele Jahre später erhielt er 780.000 Euro als Entschädigung für sein vorzeitiges und ungewolltes Karriere-Ende.

Fußball spielt der Belgier nur noch selten, so wie beim "Tag der Legenden" im Sommer 2008 in Hamburg. Und inzwischen lässt sich mit dem Namen "Bosman" sogar Geld verdienen. Im Herbst 2008 brachte der einstige Spieler Bosman die T-Shirt-Kollektion "Bosman" auf den Markt.