Es waren und sind Fotos, die aus der Geschichte der Bundesliga nicht wegzudenken sind. Mit einem klaffenden, 29 Zentimeter langen Schlitz im rechten Oberschenkel wälzte sich Ewald Lienen auf dem Rasen des Bremer Weserstadions, schon auf der Trage liegend, reckte er Otto Rehhagel drohend seine rechte Faust entgegen.

Mit den Worten "Pack ihn dir" soll der Trainer von Werder Bremen seinen Abwehrspieler Norbert Siegmann aufgefordert haben, den Bielefelder Stürmer auszuschalten.

Die schrecklich aussehende Wunde wurde mit 23 Stichen genäht, nach 17 Tagen begann der seit 1993 als Trainer arbeitende Lienen wieder mit dem Training.

Lienens Strafantrag abgewiesen

Doch juristisch war der Vorfall erst im November abgeschlossen. "Fußball-Revoluzzer" Lienen hatte den Freispruch Rehhagels mangels Beweisen durch die DFB-Gerichtsbarkeit ebensowenig akzeptiert wie den Fakt, dass gegen Siegmann wegen der Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters (Gelbe Karte) gar nicht erst ermittelt wurde.

Letztlich wurde auch ein Strafantrag Lienens beim Landgericht Bremen gegen Siegmann beim Landgericht Bremen unter Hinweis auf das fehlende öffentliche Interesse abgewiesen. Die Hanseaten stellten sich im übrigen demonstrativ hinter ihren Coach, dessen angebliche Äußerung seltsamerweise nur die Bielefelder Reservisten im Weserstadion gehört haben wollten. Genau in diesen turbulenten Zeiten wurde Rehhagels Vertrag um drei Jahre verlängert.

Rehhagel beim Rückspiel mit Bleiweste

Einmal noch kochten die Emotionen hoch: Beim Rückspiel auf der Bielefelder Alm im Januar 1982 (2:0 für Bremen) saß der Werder-Coach angesichts mehrerer Morddrohungen mit einer Bleiweste unter der Trainingsjacke auf der Bank.

Siegmann, der sicherheitshalber sogar vorübergehend aus seiner Wohnung ausgezogen war, wurde gar nicht erst eingesetzt. Im Gegensatz zu seinem "Opfer" Lienen. Der setzte seine aktive Karriere bis 1983 in Bielefeld fort und spielte anschließend in Gladbach (bis 1987) und Duisburg (bis 1992).

Freud und Leid in Griechenland

Beim MSV hatte Lienen auch seine erste Trainerstation. Anschließend war er auch für Hansa Rostock, CD Teneriffa, den 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach und Hannover 96 tätig, ehe es ihn zum Start der Saison 2006/07 nach Griechenland zu Panionios Athen zog.

Mit dem Hauptstadtclub zog er 2007 überraschend in den UEFA-Pokal ein und wurde - vor Otto Rehhagel - zum "Trainer des Jahres" gewählt. Lienen löste seinen Vertrag mit Panionios im November 2008 auf, nachdem ein Angriff des Stürmers Lampros Choutos auf Lienens Co-Trainer und Schwiegersohn Abder Ramdane zur Entlassung Ramdanes geführt hatte.