Leverkusen - Nach dem glücklichen 1:0-Sieg in der Europa League gegen Aris Saloniki gaben sich Verantwortlichen von Bayer Leverkusen selbstkritisch. Zufrieden war niemand mit der Leistung, doch immerhin hat sich die "Werkself" eine komfortable sportliche Situation für den Schlussspurt bis zur Winterpause erarbeitet.

Denn Leverkusen ist international als Spitzenreiter der Europa-League-Gruppe B im Soll. Und in der Bundesliga rangieren die Rheinländer vor dem Sonntagsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (ab 17 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) immerhin auf Platz 4. Allerdings ist der Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund mit sieben Punkten weitaus höher als der Vorsprung von lediglich drei Zählern auf Platz 10. Mit einem Sieg gegen Kaiserslautern könnte sich die "Werkself" auf den internationalen Plätzen etablieren.

Völler fordert hundertprozentige Steigerung

Gerade in den Heimspielen konnte Bayer in der Bundesliga bislang nicht überzeugen. Nur ein Sieg in der BayArena und Platz 15 in der Heimtabelle sind warnende Belege dafür. Deshalb forderte Rudi Völler nach der Duselnummer gegen Saloniki unmissverständlich: "Wir müssen uns um 100 Prozent steigern, sonst werden wir gegen Kaiserslautern nicht gewinnen."

Gegen den Aufsteiger aus der Pfalz sprechen indes alle Zahlen für Bayer 04. Die Lauterer haben in dieser Saison ihre letzten vier Auswärtsspiele allesamt verloren und in Leverkusen in 26 gemeinsamen Bundesliga-Jahren nur vier Mal gewonnen. In der jüngeren Vergangenheit gab es in der BayArena sechs Niederlagen am Stück, darunter auch ein 1:5 und ein 0:6.

Heynckes nimmt sein Team in Schutz

Doch wenn sich die "Werkself" in der gleichen Verfassung präsentiert wie gegen Saloniki wird es auch gegen Kaiserslautern schwer. Dennoch nimmt Trainer Jupp Heynckes sein Team in Schutz. "Die Mannschaft hat in den letzten Wochen Großes geleistet", urteilt der Coach. "Wir haben nicht den exzellenten Fußball gespielt wie im letzten Jahr. Aber die Mannschaft ist zusammengerückt, weil wir personell große Probleme haben, und hat leidenschaftlich gekämpft. Deswegen gestehe ich der Mannschaft ein Spiel wie gegen Saloniki zu. Am Sonntag werden uns gegen Kaiserslautern anders präsentieren", glaubt Heynckes.

Ein Spieler freut sich besonders auf die Begegnung mit dem FCK: Sidney Sam. Der quirrlige Mittelfeldspieler war einer der Garanten für den Wiederaufstieg des 1. FC Kaiserslautern. Jetzt hat er sich bei Bayer einen Stammplatz erkämpft und zuletzt nicht nur starke Spiele abgeliefert, sondern auch auf Schalke das goldene Tor geschossen. "Für mich ist das ein ganz besonderes Spiel. Ich freue mich, dass ich meine früheren Mitspieler wieder sehen werde", sagt Sam.

Der Einsatz von Lars Bender ist noch fraglich. Der Mittelfeldmann hat aus dem Spiel gegen Aris eine starke Schädelprellung davongetragen und muss deshalb eventuell aussetzen. Sollte er nicht spielen können, würde wohl Simon Rolfes von Anfang an auflaufen. Auch Daniel Schwaab soll in die Anfangsformation zurückkehren. Weitere Änderungen in der Start-Aufstellung hält Heynckes für möglich, "das hängt natürlich mit unseren Plänen für das Spiel zusammen." Wie schon gegen Aris wird Renato Augusto wohl zunächst auf der Bank sitzen. Michael Ballack, Stefan Kießling, Sami Hyypä und Gonzalo Castro fehlen der "Werkself" ohnehin schon länger.

Kurz: "Wir müssen geschlossen agieren"

Auch wenn mit Rodnei (Leisten-OP) und Jan Simunek (Adduktorenteilabriss) zwei Akteuere noch einige Wochen nicht zur Verfügung stehen, ist die Situation für den Lautrer Coach Marco Kurz etwas entspannter als für seinen Kollegen Heynckes. Mit dabei ist nach seinem Muskelfaserriss auch wieder Florian Dick, der sich für einen Platz in der Startformation bewirbt.

"Wir wollen in jedem Spiel etwas mitnehmen und können an einem richtigen guten Tag auch gegen Bayer punkten", verbreitet Kurz Optimismus. Die Mannschaft hat mit dem Sieg zuletzt gegen Gladbach wieder den Weg in die Erfolgsspur gefunden und reist mit Selbstbewusstsein zum Auswärtsspiel. "Wir können auf ein gutes Spiel aufbauen und müssen geschlossen agieren. Aber Leverkusen ist ein anderes Kaliber und spielt um die Champions-League-Plätze", erklärt der FCK-Coach.




Tobias Gonscherowski