Haberer erzielt beide Tore beim 2:0-Sieg gegen Dortmund - © IMAGO/O.Behrendt/IMAGO/Contrast
Haberer erzielt beide Tore beim 2:0-Sieg gegen Dortmund - © IMAGO/O.Behrendt/IMAGO/Contrast
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Next Level im Fußballmärchen: 1. FC Union Berlin siegt im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund

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Mit dem 2:0-Sieg gegen Dortmund hat Union Berlin seine Tabellenführung nicht nur verteidigt, sondern ausgebaut. Das Köpenicker Fußballmärchen erreicht das nächste Level - auch dank Janik Haberer, der mit einem Doppelpack zum umjubelten Helden an der Alten Försterei wurde.

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Borussia Dortmund haderte in den vergangenen Jahren öfter mal damit, gegen die vermeintlich kleineren Teams der Bundesliga Punkte liegenzulassen, die am Ende der Saison stets fehlten, um Serienmeister FC Bayern München gefährlich zu werden. Am 31. August 2019 erlaubte sich der BVB so einen „Ausrutscher“ beim 1. FC Union Berlin, verlor mit 1:3 bei den gerade erstmals in die Bundesliga aufgestiegenen Köpenickern.

Drei Jahre später ist den Berlinern nun der mittlerweile dritte Heimsieg gegen den BVB gelungen. Diesmal jedoch trat Union nicht als Außenseiter, sondern als Spitzenreiter an, der seine Tabellenführung durch den Sieg in Kombination mit der Freiburger Niederlage in München nun auf vier Punkte ausgebaut hat. Es ist der vorläufige Höhepunkt des märchenhaften Aufstiegs vom Kult-Club zum Spitzenteam.

Helden made in Köpenick

Im neusten Kapitel der Unioner Erfolgsgeschichte schlüpfte Doppelpacker Janik Haberer gegen Dortmund in die Heldenrolle. Im Sommer von der Freiburger Bank gekommen, übernahm er in der Hauptstadt die Position des abgewanderten Grischa Prömel im offensiven Mittelfeld von Urs Fischers 3-5-2.

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Dieser Werdegang ist ein wiederkehrendes Muster bei den "Eisernen" und ein entscheidender Erfolgsfaktor. Denn Jahr für Jahr müssen die finanziell limitierten Berliner Leistungsträger an die besser betuchte (Bundesliga-) Konkurrenz abgeben. Prömel, Max Kruse und 15-Tore-Stürmer Taiwo Awoniyi sind nur die jüngsten von vielen Top-Abgängen, die sich von einem Weggang einen Karrieresprung erhofften - und manches mal bereut haben dürften, einen weiteren solchen bei Union verpasst zu haben. Denn Union setzt den eigenen Gipfelsturm seit jeher unbeirrt fort. Weil Spieler wie aktuell Haberer oder Jordan sich nahtlos ins Gesamtkunstwerk FCU einfügen.

Um eine in ständigem Wandel befindliche Mannschaft herum haben Trainer Urs Fischer und Manager Oliver Ruhnert eine Atmosphäre geschaffen, in der Neuzugänge fast ohne Anlaufzeit ihr Top-Niveau abrufen können. Zumeist sind es Spieler, die in ihrer Karriere von der Ideallinie abgekommen sind. Neben Haberer stehen auch Abwehrchef Robin Knoche und Torwart Frederik Rönnow exemplarisch für diese Rekrutierungsstrategie.

"Wir wissen, wo wir herkommen"

Ergänzt und veredelt wird die Kaderbesetzung durch „Perlen“ wie Awoniyi oder Jordan. Eine Talentkategorie, die Ruhnert trotz finanzieller Unterlegenheit am Markt regelmäßig in die deutsche Hauptstadt zu locken versteht. Und für "Chefkoch" Fischer scheint es keine Spieler-Zutat zu geben, die er nicht durch eine andere ersetzen könnte. Das Rezept bleibt gleich und gibt den Spielern Sicherheit.

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"Wir haben unsere Prinzipien, die wir Woche für Woche trainieren", erklärt Mittelfeld-Anker Rani Khedira. "So weiß jeder in jeder Situation, was zu tun ist. Das ist eine enorme Stärke von uns." In den vier Spielzeiten seit dem Aufstieg 2019 hat Fischer sein Erfolgssüppchen so nicht nur jedes Mal konserviert, sondern sogar Stück für Stück verbessert. Vom Aufstieg zum Klassenerhalt, zur ersten, dann zur zweiten Qualifikation für den Europapokal, und aktuell zum erstmaligen Überwintern im internationalen Geschäft. Letzteres, wohlgemerkt, ohne dass darunter die Liga-Leistung leiden würde – wie nun gegen CL-Starter Dortmund eindrucksvoll bewiesen.

Wo ist also Grenze für die Kicker aus Köpenick? "Wir wissen, wo wir herkommen", ordnete Doppelpacker Haberer den Sieg gegen den achtfachen Deutschen Meister nach Abpfiff nüchtern ein. "Das war heute ein geiler Sieg - wichtig ist aber, wie wir nächste Woche in Bochum gegen eine Mannschaft spielt, die unten steht, und nicht gegen einen Champions-League-Anwärter." Understatement hin oder her - zu letzteren gehört im Herbst 2022 auch Spitzenreiter Union.