Köln – Nach einer ganz starken Vorstellung beim 1:1-Unentschieden im rheinischen Derby gegen Bayer 04 Leverkusen (Spielbericht) steht der 1. FC Köln ganz dicht vor Erreichen seines Saisonziels. Der Klassenerhalt ist mit nun bereits 35 Punkten auf dem Konto zwar noch nicht perfekt. Aber es gibt auch keine begründeten Zweifel mehr.

Während die Kollegen aus Leverkusen nach dem Abpfiff in den Katakomben des RheinEnergieStadions sichtbar angefressen und etwas ratlos waren, strahlten die Kölner Spieler über beide Backen. "Wir können mit der Leistung sehr zufrieden sein. Die Leverkusener hätten sich nicht beschweren können, wenn sie ohne Punkt heimgefahren wären", freute sich Marcel Risse. "Wir haben ein sehr gutes Spiel nach vorne und auch in der Defensive abgeliefert. Wir rufen diese Leistungen in den letzten Spielen relativ konstant ab."

Spielerische Verbesserung

Damit traf der vielleicht beste Kölner Feldspieler an diesem Tag den Nagel auf den Kopf. Denn nur drei Spiele hat der FC im Jahr 2015 in der Bundesliga verloren, zweimal jeweils unglücklich mit 0:1 in Mönchengladbach und Freiburg, einmal 1:4 beim FC Bayern. In allen anderen Partien punktete der Aufsteiger, der sich auch gegen Bayer Leverkusen nicht von seinem Weg abbringen ließ, aus einer kompakten Defensive heraus zu agieren. Zusätzlich zeigte sich die Geißbockelf erneut auch spielerisch deutlich verbessert.

Das zeigen auch die Matchdaten, die dem FC immerhin knapp 49 Prozent Ballbesitz, 14:9-Torschüsse, 13:4-Flanken und 5:4-Ecken bescheinigen. Die Kölner mauerten nicht nur, wie sie das in der Hinrunde häufiger getan hatten, sie beteiligten sich sehr aktiv an der Partie.

"Wir haben ein tolles Spiel gemacht", fasste FC-Trainer Peter Stöger zusammen und ergänzte. "Die Mannschaft hat alles abgerufen, was sie drauf hat. Wir waren läuferisch gut und in den Zweikämpfen präsent. Wir haben Fußball gespielt und Torchancen vorgefunden. Es war auch deswegen sehr zufriedenstellend, weil man weiß, dass es nach einem Rückstand noch sehr schwierig ist, gegen Leverkusen zu punkten. Die Zuschauer haben ein wunderbares Spiel gesehen."

Stolzer Kölner Keeper

Gegen die Werkself überzeugten die Domstädter mit einer geschlossen Mannschaftsleistung. Nicht nur Risse überragte, die Liste der Kölner Kandidaten für den "Man of the Match" ließe sich beliebig fortsetzen. Keeper Timo Horn etwa hielt wieder einmal famos und wehrte sogar einen Foulelfmeter von Hakan Calhanoglu ab.

Die Innenverteidiger Dominic Maroh und Kevin Wimmer ließen der gefährlichen Bayer-Offensive kaum einen Stich. Jonas Hector kurbelte links an, vorne machte Yuya Osako mächtig Betrieb, während Anthony Ujah die Bälle hielt und einen Assist beisteuerte. Und Joker Bard Finne war mit seinem ersten Bundesliga-Treffer schließlich der umjubelte Schütze des späten Ausgleichs sieben Minuten vor Schluss.

"Ich bin sehr stolz auf die Jungs", freute sich Timo Horn. "Wie wir nach dem Rückstand noch einmal zurück gekommen sind, war sehr beeindruckend. Den Ausgleich haben wir uns verdient. Mit ein bisschen Glück können wir sogar drei Punkte holen. Aber insgesamt müssen wir mit dem Punkt gegen Leverkusen sehr zufrieden sein."

35 Punkte sollten reichen

Mit dem Remis gegen den Nachbarn von der rechten Rheinseite baute der FC seine Serie auf nun acht Heimspiele ohne Niederlage aus. Zusätzlich vermasselte die Elf von Peter Stöger dem Champions-League-Kandidaten den möglichen neuen Vereinsrekord von acht Siegen am Stück. Doch das war aus Kölner Sicht nur eine nette Randnotiz.

35 Punkte stehen nun schon auf der Kölner Habenseite, vor den Sonntagsspielen blieb es beim Sieben-Punkte-Polster auf den Relegationsplatz. Da sich die hinter dem FC platzierten Abstiegskandidaten ab Platz 14 auch noch etliche direkte Duelle liefern, ist es eigentlich nicht mehr vorstellbar, dass aus Kölner Sicht noch etwas anbrennen kann.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski