Zusammenfassung

  • Durch das 2:1 in Leipzig hat sich der 1. FC Köln im Abstiegskampf zurückgemeldet

  • Ruthenbeck: "Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft"

  • Vincent Koziello und Leonardo Bittencourt sind die Hoffnungsträger beim Tabellenschlusslicht

Leipzig – Den Blick auf die Tabelle ließ Stefan Ruthenbeck auch nach dem Überraschungscoup des 1. FC Köln bei RB Leipzig nicht aus. Zwar sind die "Geißböcke" immer noch das Tabellenschlusslicht in der Bundesliga, doch die Lücke zum Hamburger SV haben die Rheinländer durch den Sieg beim Europa-League-Achtelfinalisten erfolgreich geschlossen. "Wir sind jetzt punktgleich mit dem HSV, das hätte vor Wochen niemand für möglich gehalten", freute sich der FC-Trainer am Sonntagabend.

Dabei hatte es eine Halbzeit lang nicht nach einem versöhnlichen Abschluss des Wochenendes für die Kölner ausgesehen: RB ging bereits nach fünf Minuten durch Jean-Kevin Augustin in Führung und ließ in der Folge große Chancen zum zweiten Tor liegen. Vom 1. FC Köln war dagegen bis auf einen Kopfball von Simon Terodde und einem Abseitstor von Verteidiger Jorge Meré nur wenig zu sehen. Dass die Gäste zur Pause nur 0:1 zurücklagen, war äußerst glücklich – und eröffnete dem Tabellenletzten der Bundesliga die Möglichkeit zur Überraschung.

"Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Wie wir nach dem Rückstand in der zweiten Halbzeit aufgetreten sind, ist in unserer Situation keine Selbstverständlichkeit." Stefan Ruthenbeck

"Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Wie wir nach dem Rückstand in der zweiten Halbzeit aufgetreten sind, ist in unserer Situation keine Selbstverständlichkeit. Dass wir in Leipzig 2:1 gewinnen, ist Wahnsinn. Ein Riesenkompliment an meine Jungs", war auch Ruthenbeck angesichts des starken Comebacks voller Lob. Eingeleitet wurde die Wende durch Vincent Koziello: Der kleine Franzose, im Winter aus Nizza zum FC gestoßen, traf bei seinem Startelfdebüt per sehenswertem Schlenzer. "Ich bin es eigentlich nicht gewohnt, Tore zu schießen. Deswegen bin ich heute auch sehr glücklich. Ich habe die Chance gesehen, einen Treffer zu erzielen – und es hat funktioniert. Ich bin wirklich sehr glücklich", strahlte Koziello über das ganze Gesicht.

Mit dem 1:1 bringt Vincent Koziello den 1. FC Köln in Leipzig zurück in die Partie © gettyimages / Robert Michael/AFP

Koziello überzeugt bei Startelfdebüt

Erster Torschuss in der Bundesliga, erstes Tor für seinen neuen Verein – ein gelungener Auftritt des 22-jährigen Wirbelwinds, der neben seinem Treffer besonders durch seine Qualitäten im Passspiel überzeugte. 93 Prozent aller Anspiele brachte der lediglich 1,68 Meter große Mittelfeldspieler an den Mann – in der ersten Hälfte spielte er gar ausschließlich erfolgreiche Bälle. Neben Koziello ist beim 1. FC Köln ein anderer "Kleiner" ein ganz großer Hoffnungsträger im Kampf um den Klassenerhalt: Leonardo Bittencourt gab nach langer Verletzungspause sein Liga-Comeback für die „Geißböcke“ – und belohnte sich für seine Geduld direkt mit dem Siegtreffer.

>>> "Die Punkte tun uns gut" – Kölner Stimmen nach dem 2:1 in Leipzig (fc.de)

"Im Alltag 2,10 Meter, in Leipzig drei Punkte", witzelte Kölns Ersatztorwart Thomas Kessler über den "Zwergenaufstand" beim FC. "Die drei Punkte tun richtig, richtig gut. Wir stehen in jedem Spiel mit dem Rücken zur Wand, jeder Sieg ist für uns ein Tropfen Hoffnung", sagte der gebürtige Leipziger Bittencourt mit Blick auf die immer noch sehr prekäre Tabellensituation: "Für uns gibt kein Zurück mehr, nur noch nach vorne. Wie wir heute zurück ins Spiel gekommen sind, da ziehe ich den Hut vor der Mannschaft. Das ist der Teamspirit, den wir haben. So müssen wir nun weitermachen – und an uns glauben!"

"Wir wollen uns nicht hängenlassen, wir spielen immer noch für den 1. FC Köln. Das haben unsere Fans einfach verdient!" Leonardo Bittencourt

Und der Glaube an den Klassenerhalt ist in Köln noch lange nicht erloschen: Erstmals seit November 2016 gewannen die Rheinländer beim Premieren-Sieg über Leipzig ein Bundesliga-Spiel trotz Rückstand und gaben durch den zweiten Saisonsieg in der Fremde die Rote Laterne in der Auswärtstabelle an den HSV ab. Hoffnung macht den FC-Fans vor allem die Moral der Mannschaft: Aufgeben gilt trotz der schier unlösbaren Aufgabe beim Tabellenletzten nicht. "Wir wollen uns nicht hängenlassen, wir spielen immer noch für den 1. FC Köln. Die Mannschaft, der Verein und besonders die Fans, die uns trotz der schweren Phase immer unterstützen, haben das einfach verdient", unterstrich Bittencourt.

Ruthenbeck: "Haben uns das nächste Endspiel erarbeitet"

Eine Einstellung, die Eindruck hinterlässt – und für den FC im Abstiegskampf ein wichtiges Faustpfand werden könnte. Von Schritt zu Schritt wolle man denken, betonten die Kölner unisono: Erst einmal soll nun Hamburg überholt werden, dafür kommt dem Bundesliga-Schlusslicht das Duell gegen den VfB Stuttgart gerade recht.  "Die Jungs haben sich das nächste Endspiel erarbeitet. Wir haben die Chance, in einem Heimspiel mit unseren Fans im Rücken die 20-Punkte-Marke zu knacken", erklärte Ruthenbeck, der auch direkt zur Besonnenheit mahnte: "Wir haben drei wichtige Punkte eingefahren, um unsere Hoffnung am Leben zu erhalten. Das ist der richtige Weg, aber wir müssen den Fokus schnellstmöglich auf das Stuttgart-Spiel legen."

Der Jubel ist nach dem 2:1 in Leipzig groß beim 1. FC Köln © gettyimages / Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Ein Sieg gegen die formstarken Schwaben könnte für den FC zum nächsten Ausrufezeichen im Abstiegskampf werden. "Wir haben nichts zu verlieren, denn jeder hat uns bereits abschrieben. Wir können befreit aufspielen", gab sich Kölns Innenverteidiger Dominique Heintz nach dem überraschenden Triumph bei RB Leipzig betont optimistisch. "Keiner muss sich großartig Gedanken machen, denn schlimmer als die aktuelle Lage kann es nicht mehr werden", schiebt der 24-Jährige mit einem gequälten Lächeln hinterher.  Für Flügelflitzer Bittencourt ist klar: "Das Wichtige ist, dass die Mannschaft lebt. Das haben wir heute bewiesen."

Thomas Reinscheid