München - 100 Kandidaten, 29 Tage, ein Ergebnis. Jahn Regensburg hat sich lange Zeit gelassen mit der Trainersuche. Am Ende überraschte der Sensations-Aufsteiger mit einem Namen, den keiner auf der Rechnung hatte: Oscar Corrochano ist der Glückliche.

Corrochano stammt aus Hanau - der Stadt der Gebrüder Grimm. Und wie Hans im Glück im berühmten Märchen bleibt er zunächst seiner Heimat treu. Nur im 20 Kilometer entfernten Frankfurt findet er ein fußballerisches Zuhause. 13 Jahre verbringt er als Spieler und Trainer bei der Eintracht. Zwischendurch versucht er es in Darmstadt, Offenbach und Mannheim, kehrt aber wieder nach Frankfurt zurück. 120 Spiele absolviert er für die SG-Amateure, ein Mal läuft er sogar für die Profis auf.

"Schon als Spieler so gedacht wie ein Trainer"



Dass das nicht seine einzige und wahre Berufung ist, weiß er schon früh. "Ich habe schon als Spieler so gedacht wie ein Trainer", sagt er. Nach seinem aktiven Karriereende verliert er keine Zeit, übernimmt die U 16, dann die U 19. Nur ein halbes Jahr ist er Co-Trainer der U 23, bevor er für diese ganz die Verantwortung trägt. Es scheint klar, wohin sein Weg führen soll. Ob es sein Traum sei, bei der Eintracht Cheftrainer zu werden, wird er beispielsweise im Oktober letzten Jahres gefragt: "Ich bin seit 1992 mit einigen Unterbrechungen hier. Deshalb habe ich eine enge Verbundenheit mit der Eintracht. Damit, denke ich, ist Ihre Frage beantwortet." Corrochano hatte einen Plan.

Es kommt anders. Der mit 35 Jahren jüngste Trainer aller 36 Proficlubs tauscht wie der junge Hans im Märchen das Große mit dem Kleinen. Vom Bundesligisten aus der Finanzmetropole wechselt Corrochano zu einem Zweitliga-Aufsteiger in die Oberpfalz. Doch wie Hans, der sich auf seiner Reise vom Goldklumpen bis zum Schleifstein herunter tauscht, ist auch Corrochano froh über den Wechsel, obwohl er dadurch zumindest vorerst von seinem scheinbar vorherbestimmten Pfad abweicht. "Ich bin schon schweren Herzens weggegangen, aber es ist nun eine Situation eingetreten, an die ich nicht gedacht habe. Es ist klar, dass man diese Chance nutzt", sagt er.

"Die beste Entscheidung aus 100 Bewerbern"



Regensburgs Sportdirektor Franz Gerber geizte bei der Vorstellung des Deutsch-Spaniers, der im März seine Profitrainerlizenz erhielt, nicht mit Vorschusslorbeeren. Der neue Coach sei "die beste Entscheidung aus 100 Bewerbern" gewesen, Regensburg habe sich "bewusst Zeit gelassen, um die richtige Entscheidung zu treffen. Er passt optimal in unser Anforderungsprofil."

Große Worte, die ihren Grund haben. Junge Trainer haben viel Kredit in Regensburg, denn auch Corrochanos Vorgänger Markus Weinzierl, mittlerweile Bundesliga-Coach in Augsburg, ist erst 37. Und der schrieb mit Regensburg Geschichte, stieg als Spieler (2003) und Trainer mit dem Jahn auf.

Ziel ist zunächst der Klassenerhalt



Jetzt ist Corrochano am Ruder und der Start in die Vorbereitung ist ihm bereits geglückt. "Ich bin schon gut integriert worden. Die Spieler sind alle willig und gehen ihre Aufgabe sehr konzentriert an", erklärt er.

Die Grundlagen sind also gelegt. Ob Oscar Corrochano aber wohl langfristig sein Glück in Regensburg findet? Oder zieht es ihn irgendwann doch wieder nach Frankfurt zurück? Das Saisonziel des SSV heißt Klassenerhalt, zwei Jahre gilt Corrochanos Vertrag. Grimms Hans jedenfalls kehrt am Ende seiner Tauschreise heim - arm, aber glücklich. Und reich an Erfahrungen.

Christoph Gschoßmann