Köln - Der Saisonstart ist gelungen. Der SC Freiburg hat den Bundesliga-Abstieg weitaus besser verarbeitet als viele seiner Vorgänger und sich von Beginn an in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga etabliert. Mit 15 Punkten aus den ersten sechs Spielen rangieren die Südbadener auf Platz 2.

Am Freitag gastiert nun Arminia Bielefeld im Breisgau. Vor dem Duell mit dem Aufsteiger spricht Freiburgs Torjäger Nils Petersen, der schon sechsmal traf, im Interview mit bundesliga.de über die Stärken des Sport-Clubs und seinen Traum vom Jubiläumsspiel.

bundesliga.de: Nils Petersen, die ersten sechs Spieltage der 2. Bundesliga sind absolviert, der Sport-Club hat fünf Partien gewonnen. Wie ist dieser Start einzuordnen?

Nils Petersen: Dieser gute Start war so nicht vorauszusehen. Es war klar, dass wir eine gute Rolle in dieser Saison spielen wollen. Das Programm war zum Auftakt nicht einfach, ganz im Gegenteil. Nachdem die Vorbereitung nicht so rosig lief, war uns schon etwas bange vor dem Start. Mit den 15 Punkten, die wir jetzt haben, konnte keiner rechnen. Wir haben alle Auswärtsspiele gewonnen. Bis jetzt war der Start tiptop. Wir hoffen, dass es so weitergeht, wissen aber, dass es schwer wird.

bundesliga.de: Die Mannschaft wurde in großen Teilen neu zusammengestellt und wirkt bereits sehr stabil.

Petersen: Absolut. Wir wussten, dass die Liga anders laufen wird als die Vorbereitung. Deshalb haben wir Ruhe bewahrt. Die Neuen sind gut eingeschlagen. Leider haben wir jetzt einige Verletzte. Aber wir fangen es gut auf, wie man am Beispiel von Karim Guede sehen konnte, der am Wochenende einsprungen musste und stark gespielt hat.

"Wir haben ein sehr angenehmes Klima"

bundesliga.de: Zum Auftakt legte der Sport-Club ein 6:3 gegen Nürnberg hin, dann gab es den Dämpfer gegen Bochum. Die letzten drei Partie wurden alle gewonnen. Was zeichnet die Truppe aus?

Petersen: Wir haben hier ein ruhiges Umfeld, in dem wir gut arbeiten können. Wir wurden als Absteiger zum absoluten Aufstiegskandidaten katapultiert und mussten die Ruhe bewahren. Auch die Fans sind geduldig. Wir haben auch schon Spiele spät gewonnen wie zuletzt in Kaiserslautern. Und ich bin ja nun auch schon ein paar Jahre dabei und weiß, dass der Teamgeist und seine Bedeutung gerne gepusht wird. Aber hier ist es wirklich so, wie ich es noch nicht erlebt habe. Wir haben ein sehr angenehmes Klima, jeder kommt mit einem Lächeln in die Kabine. Das macht schon viel aus. Man sieht, dass der eine für den anderen da ist und die Meter gemacht werden. Es wird von Spiel zu Spiel besser. Und die gute Serie tut ihr Übriges.

bundesliga.de: Gibt die aktuelle Tabelle schon die ersten Tendenzen wieder, und könnte sie ein Fingerzeig für die weitere Saison sein?

Petersen: Ich denke, dass es dafür noch zu früh ist. Mannschaften wie RB Leipzig, die jetzt vier Punkte Rückstand auf uns haben, werden auch noch kommen. Dann kommt immer auch noch eine Überraschungsmannschaft dazu. Wir haben bis jetzt eine überragende Runde gespielt. Es wird auch noch ein kleines Tal kommen. Man wird dann sehen, wie wir reagieren, wenn es einmal nicht so gut läuft. Erst dann kann man eine Prognose abgeben. Unser Ziel war es, im oberen Tabellendrittel mitzuspielen. Wir stehen besser da als erwartet, den Moment genießen wir.

bundesliga.de: Ihre Quote in Freiburg ist beeindruckend. Sie sind im Winter zum Sport-Club gekommen und haben in 17 Spielen 15 Tore erzielt, obwohl Sie auch zwischendurch einige Wochen verletzt fehlten. Welche Rolle spielt dabei dieser von Ihnen angesprochene Wohlfühlfaktor?

Petersen: Am Ende ist entscheidend, dass ich als Box-Spieler die Vorlagen bekomme. Und die bekomme ich auch. Das Spiel ist darauf zugeschnitten, dass viele Bälle in den Strafraum gespielt werden. Meine Aufgabe ist es dann, den Job zu vollenden. Dass es so gut klappt, war nicht vorauszusehen. Es spricht dafür, dass der Wohlfühlfaktor eine Rolle spielt. Der ist hier gegeben. Deswegen bin ich froh, dass ich die Entscheidung getroffen habe, in Freiburg zu bleiben. Ich habe sie noch zu keiner Zeit bereut.

"Ich will die 100 noch vollmachen"

bundesliga.de: Die Knipser der alten Schule, also der klassische Mittelstürmer, ist demnach noch nicht ausgestorben?

Petersen: Nein. Aber sie müssen sich an den neuen Fußball gewöhnen und auch ihre Meter machen und für die Mannschaft arbeiten. Natürlich sind dann die Wege zum Tor manchmal weiter. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man viel zurückbekommt, wenn man alles für die Mannschaft tut. Man investiert viel und wird dann wie in Kaiserslautern belohnt, wo man nur noch den Ball reinschieben muss. Am Ende wird man als Torschütze gefeiert, obwohl man für das Tor gar nicht so viel tun musste.

bundesliga.de: Ihre Bescheidenheit ehrt Sie. Sie haben schon mit den Bayern in der Champions League gespielt, mit Bremen und Freiburg in der Bundesliga. Für einen Spieler Ihrer Qualität dürfte dieses Jahr 2. Bundesliga doch nur ein Durchgangsjahr sein oder?

Petersen: Ich habe langfristig in Freiburg für vier Jahre unterschrieben, weil mein Ziel ist, wieder Bundesliga zu spielen. Ich hoffe, dass wir in dieser Vertragslaufzeit den Aufstieg schaffen. Das muss nicht im ersten Jahr klappen, aber wenn sich die Möglichkeit ergibt, nehme ich das auch gerne schon in dieser Saison mit. Aber ich bin auch nicht auf den Kopf gefallen und weiß, dass es noch eine lange Saison mit 28 schweren Spielen wird. Ich habe bis jetzt 92 Bundesliga-Spiele absolviert und will natürlich noch die 100 vollmachen. Am liebsten mit Freiburg.

"Es entscheiden Nuancen"

bundesliga.de: Das erste der angesprochenen 28 Spiele steigt am Freitag daheim gegen Arminia Bielefeld. Ihr Keeper Alexander Schwolow, der letzte Saison noch das Tor der Ostwestfalen hütete, kann Ihnen sicher viel über die Arminia erzählen.

Petersen: Absolut. Bielefeld hatte auch keinen so großen Umbruch wie wir. Deshalb kann er noch den einen oder anderen Tipp geben. Bielefeld ist auswärts noch ungeschlagen. Das wird kein einfaches Spiel. Es soll niemand denken, dass man gegen Bielefeld mal eben zuhause im Vorbeigehen gewinnt. Wir wissen das als Mannschaft. Nichtsdestotrotz ist unser Ziel, das Spiel zu gewinnen und unsere Serie auszubauen.

bundesliga.de: Wie ausgeglichen schätzen Sie die 2. Bundesliga ein? Wird es wieder ein Hauen und Stechen oder können sich Mannschaften absetzen?

Petersen: Das wird man sehen. Aber die ersten Spiele haben es gezeigt, dass es schwer wird. Die Liga ist sehr ausgeglichen. Bei unserem Sieg bei 1860 München waren die Löwen eigentlich die bessere Mannschaft. Und 1860 steht nun auf dem vorletzten Platz. In Düsseldorf hätten wir verlieren müssen und haben gewonnen, während Fortuna unten drinsteht. Es entscheiden Nuancen, in welchen Sphären der Tabelle man sich aufhält. Wir hatten auch schon etwas Glück. Aber das muss man sich auch erarbeiten und erzwingen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski