Freiburg - Nach seinen drei Treffern im ersten Saisonspiel führt Nils Petersen die Torschützenliste der 2. Bundesliga an. In dieser Spielzeit könnte der Publikumsliebling des SC Freiburg noch wichtiger werden.

Nils Petersen ist kein Spieler, dem im Überschwang der Gefühle ein Statement herausrutschen würde, das er später bereuen würde. "Die drei Tore freuen mich ungemein", ließ er die wartenden Journalisten nach dem souveränen 6:3-Erfolg über den 1. FC Nürnberg in ruhigem Ton wissen. "Damit konnte keiner rechnen, ich auch nicht." Überbordende Freude? Großspurige Ankündigungen? Fehlanzeige. Petersen lobte stattdessen ausführlich die Kollegen und warnte davor, den ersten Sieg im ersten Saisonspiel überzubewerten. "Die Saison ist noch lang, und wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns."

Frühester Hattrick der Geschichte der 2. Bundesliga

Dabei war dem ehemaligen Bremer bereits in der ersten Viertelstunde der Partie ein Rekord gelungen. Seine drei Tore in der 8., 11. und 13. Minute bedeuteten den frühesten Hattrick der Zweitliga-Geschichte - eingestellter Rekord. Kuriosum am Rande: Petersen erzielte bereits bei seinem allerersten Einsatz für den Sportclub einen Hattrick – damals noch in der ersten Bundesliga. Am 18. Spieltag schoss er damals drei Treffer im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. Dafür brauchte er 24 Minuten. Das war schon schnell, und es war der Ausgangspunkt für eine Rückrunde, wie man sie in Freiburg seit den Zeiten von Papiss Demba Cissé, der den Verein 2012 verließ, nicht mehr gab. In den zwölf Spielen der vergangenen Rückrunde, an denen Petersen meistens nur eingewechselt wurde, traf der gebürtige Thüringer neunmal. Dass Petersen nun im Gegensatz zur vergangenen Saison völlig fit ist, dürfte ihm in dieser Saison allerdings entgegenkommen.

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Angesichts seiner Abgebrühtheit vor dem Tor ist es nicht weiter verwunderlich, dass Petersen im Sommer auch dazu auserkoren wurde, die Elfmeter zu schießen. Gegen den Club durfte er gleich zweimal ran und traf beide Male. Das erste Mal mit einem Schuss in die Tor-Mitte, das zweite Mal, nach dem er FCN-Keeper Thorsten Kirschbaum in die falsche Ecke geschickt hatte. In der vergangenen Saison hatten Vladimir Darida, Julian Schuster und Admir Mehmedi jeweils einen Elfer verschossen, nur sechs Mal traf man ins Schwarze.

Im Freiburger System fühlt Petersen sich wohl

Im Freiburger 4-4-1-1-System mit dem vom FSV Frankfurt geholten Neuzugang Vincenzo Grifo als hängender Spitze fühlt sich der 26-Jährige offenbar sehr wohl. Gegen den 1. FC Nürnberg riss er oft die Lücken, in die Grifo, Mike Frantz, Amir Abrashi oder Maximilian Philipp stießen. Doch auch der Goalgetter selbst kam zu zahlreichen Torgelegenheiten – und sah das als Bestätigung für seine Aussagen aus der Saisonvorbereitung, als ihm kein einziger Treffer gelungen war. "Ich wusste immer, dass meine Chancen kommen würden. Wir spielen jetzt sehr variabel und ich freue mich, dass ich wieder Tore beisteuern konnte."

Das dürfte den Freiburger Fans ähnlich gehen. Die 23.700 Zuschauer, 14.000 davon mit einer Dauerkarte ausgerüstet, jubelten ihrem Liebling bereits vor der Partie zu und holten sich ihrerseits ein Kompliment von Petersen. Die lauststarke Unterstützung der Fans sei "nicht selbstverständlich", so Petersen. "Schon gar nicht nach einem Abstieg."

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf