Fürth - Die Zuschauer in Fürth bewiesen ein feines Gespür für die Situation. Mit langanhaltendem Applaus verabschiedeten sie ihr Team nach den 90 Minuten gegen Hertha in die Kabine.

Die Sympathiebekundungen waren hochverdient, schließlich hatten auch die vielen "Kleeblatt"-Freunde unter den Stadionbesuchern gemerkt, dass an diesem Abend nicht mehr für ihr Team drin war.

Hertha zeigt Unterschiede auf

Nicht gegen diesen Gegner, nicht gegen Hertha BSC, das an diesem lauen Vorfrühlingsabend so stark spielte wie es mit zwei Ausnahmen (Cottbus, Union) bereits die gesamte Rückrunde spielt. Fürth gegen Hertha, das war das Aufeinandertreffen zwischen einem Team mit Potenzial und einem mit nachhaltig nachgewiesener Aufstiegsreife.

"Das ist der Unterschied zwischen Platz 1 und vielleicht Platz 3 oder 4. Sie haben das ganz routiniert runtergespielt", zückte Fürths Verteidiger Mergem Mavraj den Hut. Und Coach Mike Büskens ergänzte: "Heute hat die reifere Mannschaft verdient gewonnen."

Ronny auf ungewohnter Position

Dabei hatte Büskens Mannschaft beim Aufeinandertreffen der besten Offensive (Hertha) gegen die beste Defensive (Fürth) durchaus nachgewiesen, dass es zu den starken Teams der 2. Bundesliga gehört und vor allem defensiv gut arbeitet. Im Spiel nach vorne setzte die erfahrene Hertha-Defensive den jungen Franken indes enge Grenzen.

Auch weil sich der Brasilianer Ronny, der für den grippegeschwächten Levan Kobiashvili ins Team gerückt war, auf der linken Abwehrseite nahtlos einfügte. Sein Trainer Markus Babbel hatte das registriert und gab sich grüblerisch: "Da hat Ronny seine ganze Erfahrung eingebracht", freute er sich - wohlwissend, dass er einem seiner zuverlässigsten Spieler vielleicht bald erklären müssen wird, warum er auch nach seiner Genesung am kommenden Freitag in Ingolstadt erst mal draußen bleiben muss: "Dadurch ist natürlich auch der Konkurrenzkampf eröffnet."

Lell will gegen Ingolstadt nachlegen

Christian Lell, der mit einer genau getimten Flanke die 1:0-Führung durch Adrian Ramos vorbereitet hatte (nach der Pause erhöhte Peter Niemeyer auf 2:0), wollte zu Personalien keine Stellung nehmen: "Ich möchte keinen herausheben, wir haben als Mannschaft gewonnen."

Dass sein Team indes auf einem ziemlich vielversprechenden Weg ist, wollte aber auch der ehemalige Bayern-Spieler nicht in Abrede stellen: "Ich habe im Vorfeld gelesen, wie gut wir angeblich seien, weil wir die Bigpoints machen", sagte Lell. "Aber Erfolg hat man nicht, wenn man viel redet, sondern wenn man so spielt wie heute. Das müssen wir am Freitag wieder machen, sonst werden wir gegen Ingolstadt nicht gewinnen."

Duell mit Tradition

Die Spielvereinigung Greuther Fürth, daran erinnerte die Stadionzeitung mit zwei Doppelseiten, hat zwei ihrer drei Meisterschaften 1926 und 1929 jeweils in Endspielen gegen die Hertha gewonnen. Dass die Entwicklung danach dezent auseinanderlief, untermauert der Umstand, dass die Hertha am Montag Abend zum ersten Mal seit 1981 wieder zu einem Punktspiel nach Fürth kam.

Heute wäre man heilfroh, wenn man in der kommenden Saison wenigstens wieder in der gleichen Spielklasse spielen könnte. Da es gegen den "gefühlten Bundesligisten" (Büskens) aber nicht einmal zu einem Punktgewinn reichte, hat sich der Abstand auf den Relegationsplatz auf drei und der auf Hertha auf neun Punkte vergrößert.

Hertha hat in dieser Rückrunde nach wie vor keinen einzigen Punkt bei einem Auswärtsspiel liegen lassen. Auch das dürfte Markus Babbel mit Freude registriert haben: "Das war wieder ein kleiner Schritt in Richtung unseres großen Ziels."

Christoph Ruf