Cottbus - Ein ums andere Mal spielte der FC Energie Cottbus die Abwehr des FC St. Pauli aus, am Ende stand ein der Lausitzer. Teil des Offensivwirbels: Daniel Adlung. Der 24-Jährige hatte in der 13. Spielminute Pech mit einem Lattentreffer. Erneut gehörte der Außenbahnspieler zu den besten Cottbusern.

Im Interview vergleicht der U-21-Europameister von 2009 die Situation seiner Mannschaft mit der von vor einem Jahr. Für das kommende Auswärtsspiel gibt der Rechtsfuß die Marschroute vor: dem 1. FC Köln "ein Bein stellen".

Frage: Herr Adlung, auch Sie haben einen großen Beitrag zum 2:0-Sieg gegen St. Pauli geleistet. War das Spiel die richtige Antwort auf das 0:3-Pokalaus in Sandhausen?

Daniel Adlung: Definitiv! Wir haben diesmal gezeigt, was in uns steckt. Das Pokalaus war ein Ausrutscher. Ich denke, wir haben da bis auf die ersten 20 bis 25 Minuten auch relativ ordentlich gespielt. Gegen St. Pauli wollten wir das wieder gutmachen. Und das ist uns ganz gut gelungen.

Frage: Über das gesamte Spiel betrachtet, kann man Cottbus eigentlich nur einen Vorwurf machen: Dass die vielen Torchancen nicht konsequenter genutzt wurden. Können Sie trotzdem damit leben?

Adlung: Gut, wenn wir 2:0 gewinnen, können wir natürlich damit leben. Aber daran müssen wir als nächstes arbeiten, dass wir die Dinger noch konsequenter ausspielen. Dann haben wir schon viel früher Ruhe und können die Partie beruhigter runterspielen.

Frage: Sanogos Fehlschuss aufs leere Tor, Ihr Lattentreffer - wie groß war der Ärger über die vergebenen Großchancen?

Adlung: Wichtig war, dass zwei Bälle reingegangen sind. Das hat uns drei Punkte beschert, nicht mehr und nicht weniger. Dann verwandeln wir halt im nächsten Spiel die Chancen noch besser.

Frage: Nach drei Ligaspielen hat Cottbus jetzt sieben Punkte auf dem Konto - da kann man durchaus von einem gelungen Saisonstart sprechen, oder?

Adlung: Ja, wir wollten gut in die Saison starten. Das ist immer wichtig, damit man gleich am Anfang schon ein bisschen Euphorie mitnimmt. Aber wir haben noch nichts erreicht. Deswegen müssen wir genau so weitermachen. Wir müssen hungrig und willig bleiben.

Frage: Dabei war nach der Rückrunde mit so einem guten Start nicht wirklich zu rechnen, oder?

Adlung: Zu rechnen war damit vielleicht nicht. Aber wir hatten uns viel vorgenommen. In der Vorbereitung haben wir hart gearbeitet, um da hin zu kommen. Wir hatten alle ein sehr gutes Gefühl vor der Saison. Das konnten wir auch mitnehmen, das sieht man auch auf dem Platz.

Frage: Besteht in der Mannschaft die Angst, dass es wieder so laufen könnte wie letzte Saison, als der FC Energie nach fünf Spielen vier Siege hatte und am Ende trotzdem gegen den Abstieg spielte?

Adlung: Nein, das denke ich nicht. Das wurden wir auch schon nach dem Pokalaus gefragt, ob jetzt wieder das Gleiche wie vor einem Jahr beginnt. Darauf haben wir gegen St. Pauli die richtige Antwort gegeben. Man sieht, dass wir in der Mannschaft gefestigt sind und das ist wichtig. Also lassen wir uns da von außen nichts einreden. Wir gehen weiter unseren Weg. Im Moment sieht es ganz gut aus.

Frage: Was ist denn jetzt anders als letzte Saison?

Adlung: Die Breite des Kaders ist anders. Und auch die Stimmung ist besser. Das ist ganz normal, dass man mehr zusammenwächst, wenn man Erfolg hat.

Frage: Am Freitag geht es zum Auswärtsspiel zum 1. FC Köln und damit gegen den nächsten namhaften Gegner - da kann es aus Cottbuser Sicht gerne so weiter gehen, oder?

Adlung: Namen sind in der 2. Liga relativ egal. Da kann jeder jeden schlagen. Wir müssen Woche für Woche unser Potenzial abrufen. Ob es dann gegen Köln oder sonst wen geht, ist eigentlich völlig egal.

Frage: Aber die Begegnung mit Köln ist doch schon ein richtungweisendes Spiel?

Adlung: Ja, natürlich. Die Kölner haben bisher noch nicht das gespielt, was ihre Ansprüche sind. Und wir können denen deshalb vielleicht ein Bein stellen. Uns würde das noch mehr Sicherheit geben, so dass wir dann mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause gehen könnten.

Aufgezeichnet von André Anchuelo