Köln - Es gibt Clubs, für die der Abstieg aus der Bundesliga eine Talfahrt in den Amateurfußball eingeleitet hat. Es gibt aber auch Clubs, die in der 2. Bundesliga eine neue Euphorie bei ihren Fans entfacht und ein Jetzt-erst-Recht-Gefühl entwickelt haben. Hertha BSC Berlin zum Beispiel.

Die Zuschauerzahl von 70.621, die beim Heimspiel gegen den SC Paderborn am vergangenen Sonntag Weiß auf Blau auf der Anzeigetafel im Berliner Olympiastadion aufleuchtete, könnte diese Entwicklung nicht deutlicher dokumentieren.

"Nicht nur der Traum unseres Trainers"

"Gemeinsam für die Traumkulisse" hatte Hertha BSC das Motto für dieses Heimspiel ausgegeben und Fans, Partner und Sponsoren zogen mit.

"Eine so große Kulisse gegen Paderborn zu erreichen, war ja nicht nur der Traum unseres Trainers. Es zeigt mir vor allem, dass die Wertschätzung der Fans, aller Herthaner, unserer Mannschaft gegenüber immer größer wird", meinte ein stolzer Geschäftsführer Sport Michael Preetz.

Große Kulissen im Olympiastadion

In der Tat war es eigentlich Cheftrainer Markus Babbel, der den Stein schon zu Saisonbeginn ins Rollen gebracht hatte. Sein Traum war es, mal vor "vollem Haus gegen Paderborn" zu spielen. Und der Traum ging bei mehr als 70.000 Besuchern auch in Erfüllung. "Wir alle, Mannschaft, Trainerteam, der ganze Verein wissen diese Unterstützung zu schätzen. Diese tolle Aktion zu diesem Spiel zeigt mir, was bei Hertha BSC gemeinsam mit unseren Partnern in Berlin alles möglich ist", so Babbel.

Die fast unglaubliche Kulisse gegen Paderborn war aber keineswegs ein Einzelfall. Schon in den meisten Heimspielen zuvor konnte sich der Traditionsclub auf eine große Fankulisse verlassen: 48.385 Fans kamen gegen Rot-Weiß Oberhausen, 45.892 gegen Erzgebirge Aue und das Derby gegen Union Berlin war mit 74.244 Besuchern ausverkauft.

"Hertha-Hautnah-Tour" begeistert Fans

Keine Frage, Hertha BSC ist wieder – oder immer noch – in in der Hauptstadt. Die Zahl der Mitglieder steigt kontinuierlich, der Stand beim Paderborn-Heimspiel am 3. April lautete 21.515. Seine aktuelle Popularität verdankt der Deutsche Meister von 1930 und 1931 auch seiner großer Fannähe.

Schon drei Mal hat Hertha in dieser Saison auf Plätzen von Berliner Amateurclubs unter dem Motto "Hertha-Hautnah-Tour" öffentlich trainiert. Etwa 1500 Fans kamen allein beim letzten Training auf die Anlage des TSV Helgoland in Berlin-Tempelhof, nachdem die Blau-Weißen schon bei Sparta Lichtenberg und beim SV Empor Berlin zu Gast waren.

Neuer Rekord gegen Augsburg?

Doch bei aller Euphorie um die Hertha in der 2. Bundesliga: Das letzte Heimspiel gegen den FC Augsburg am 34. Spieltag soll auch möglichst das letzte in dieser Liga sein. Den ersehnten Wiederaufstieg in die Bundesliga will Hertha BSC am 15. Mai vor einer neuen Traum- und Rekordkulisse feiern: Mit einer Zusatztribüne am Marathontor, die etwa 1500 Fans Platz bietet, könnten dann knapp 76.000 Fans die Rückkehr in die Bundesliga feiern.