Zusammenfassung

  • Nach einem Dämpfer zum Auftakt holt der Hamburger SV den ersten Sieg in der 2. Bundesliga.
  • Beim Gastspiel in Sandhausen herrschte Volksfeststimmung.
  • Die Nezugänge Khaled Narey und Orel Mangala wussten zu überzeugen.

Sandhausen - Der Hamburger SV kam bei der "Weltpremiere" – so nannte der Stadionsprecher des SV Sandhausens das erste Auswärtsspiel des ehemaligen Europapokalsiegers in der zweiten Liga – zu einem leichten 3:0 (2:0)-Erfolg. Und weil der erste Sieg in einer Saison immer "Selbstvertrauen und die Leichtigkeit des Seins zurückbringet", wie HSV-Trainer Christian Titz bemerkte, spendierte der Coach seiner Mannschaft nach dem Abpfiff eine Runde Bier. Siege machen locker – vor allem nach einer bitteren Auftaktpleite wie sie der Aufstiegsfavorit vergangene Woche gegen Holstein Kiel (0:3) hatte erleben müssen.

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Es war ein souveräner Sieg der Hamburger, zum Mann des Tages avancierte Neuzugang Khaled Narey, der Flügelflitzer erzielte zwei Tore (7., 59.), dazwischen traf Rick van Drongelen (30.). "Die Hauptsache ist, dass wir gewonnen haben. Der Sieg tut uns gut, wir haben heute vieles besser gemacht als letzte Woche", freute sich Narey. Der Zugang von Greuther Fürth war mit seiner Schnelligkeit auffälligster Spieler auf dem Platz.

Narey hat Potential zum Hoffnungsträger

Der 24-Jährige scheint das Potenzial zum neuen Hoffnungsträger zu haben beim Projekt "sofortiger Wiederaufstieg". Und: Der in Neuwied geborene Narey ist offenbar angekommen in Hamburg, der Doppeltorschütze sagte: "Wir haben einen super Trainer, mit dem ich sehr gut klarkomme, für mich persönlich lief es von Anfang an sehr gut."

Treffer: Khaled Narey versenkt den Ball gegen Sandhausen im Tor
Treffer: Khaled Narey versenkt den Ball gegen Sandhausen im Tor © imago / Jan Huebner

Dabei hatte die Niederlage gegen Kiel viel Kritik hervorgerufen, nun plädiert Trainer Titz nach dem Erfolg in Baden für Ausgewogenheit in der Bewertung, er sagte: "Genauso wie letzte Woche nicht alles schlecht war, gab es jetzt Phasen, in denen wir es hätten besser machen können. Wir versuchen, ruhig weiterzuarbeiten."

Heimspiel für Christian Titz

Für Christian Titz war die Reise in die Kurpfalz ein Heimspiel. Geboren in Mannheim, aufgewachsen in Edingen-Neckarhausen, kickte er einst in der Jugend des SV Sandhausen. Der 47-Jährige, der nach wie vor mit typischen Mannheimer Singsam spricht, hatte sich am Abend vor dem Spiel noch mit seinen Eltern getroffen und ihnen Karten für die Partie besorgt. 

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Der kleine SV Sandhausen aus dem 14 500 Einwohner-Städtchen hatte sich in allen Belangen als vorbildlicher Gastgeber für Titz und seinen Klub mit der großen Vergangenheit aus der 1,7 Millionen-Einwohnerstadt erwiesen. Im Hamburger Hauptbahnhof hatte der SVS auf Plakaten den HSV-Fans freundlicherweise schon den Weg in den Südwesten und in ihr Stadion aufgezeigt. Und am Sonntag herrschte dann auch schon vor dem Anpfiff eine lässige Volksfeststimmung, ein Sponsor hatte beiden Fangruppen insgesamt 5000 Freibier ausgegeben. Hinterher gab Titz erleichtert zu: "Wir sind sehr froh, dass wir gewonnen haben."

Orel Mangala im Zweikampf mit seinem Sandhäuser Gegenspieler
Orel Mangala im Zweikampf mit seinem Sandhäuser Gegenspieler © imago / foto2press

Ein Sonderlob hatte Titz für Orel Mangala nach dessen Premiere parat. Der Belgier war unter der Woche vom VfB Stuttgart gekommen und stand gleich in der Startelf - der andere Zugang, Abwehrspieler Leo Lacroix, ausgeliehen vom französischen Erstligisten AS Saint-Etienne, blieb 90 Minuten auf der Bank. "Mangala hat uns genau das gegeben, was wir uns von ihm versprochen haben, er hatte viele Balleroberungen und war sehr ballsicher", schwärmte Titz. Der athletische Mittelfeldspieler verlieh den Hamburgern in Sandhausen jene Stabilität, die ihnen gegen Kiel noch gefehlt hatte.  

Traum vom direkten Wiederaufstieg lebt

Nun herrscht wieder Optimismus beim HSV. Als Khaled Narey diesen Sommer von Greuther Fürth in den Norden wechselte, sagte er: "Mein Traum fängt hoffentlich gerade erst an." Nach diesem Sieg in Sandhausen gilt das nun mit Verzögerung auch für den HSV und dessen Traum vom sofortigen Wiederaufstieg in die Bundesliga.  

Aus Sandhausen berichtet Tobias Schächter