Cottbus - Zum Auftakt der neuen Zweitligasaison stieg das erste von insgesamt 20 Ostduellen - fünf Klubs aus der ehemaligen DDR gab es in der eingleisigen Liga noch nie - im Stadion der Freundschaft. Die Partie hielt an Rasse und Klasse, was sie versprach. Der Cottbuser 2:1-Erfolg war hart umkämpft.

Zum guten Spiel passte auch die entgegen der mancherorts geäußerten Befürchtung temperamentvolle, aber friedliche Atmosphäre auf den Rängen. "Beide Fanlager haben sich fair verhalten und gute Stimmung gemacht", lobte der Cottbuser Kapitän Marc Andre Kruska. "So kann es weiter gehen."

Erster Durchgang an Dynamo

Dass Kruska nach dem Abpfiff so entspannt war, lag vor allem an der Tatsache, dass sein Team die Partie nach 0:1-Pausenrückstand noch gedreht hatte. "Die drei Punkte nehmen wir gerne mit. Denn in der ersten Halbzeit war wir schlechter als Dresden", analysierte der Mittelfeldmann. "Dynamo hat das Spiel gemacht und uns den Schneid abgekauft. Die Dresdner waren sehr aggressiv."

Dass die Halbzeitführung der Sachsen verdient war, sahen beide Seiten so. "Wir haben heute gezeigt, was möglich ist. Wenn wir die Fehler abstellen, werden wir auch die Spiele gewinnen", zeigte sich Dynamos Torschütze Filip Trojan, einer von sechs Neuzugängen in Ralf Looses Startelf, zufrieden mit dem Spiel des achtmaligen DDR-Meisters. Sein Teamkollege Marcel Heller, mit der Empfehlung von 34 Erstligaeinsätzen aus Frankfurt gekommen, meinte sogar: "Wir haben wir die erste Halbzeit dominiert. Cottbus hat kaum Chancen gehabt." Daher sei seine Enttäuschung über die Niederlage "sehr groß".

Wollitz wechselt Sieg ein

Denn nach dem Seitenwechsel ging nicht mehr viel bei Dynamo. Die Gastgeber dagegen drehten richtig auf. "Der Trainer hat uns vorher mal wieder zur Sau gemacht - zu Recht. Dann kommt man raus und spielt auf einmal frei von der Leber weg", verwies Kruska auf die Halbzeitansprache von "Pele" Wollitz.

Der hatte seine Spieler nicht nur richtig heiß gemacht, sondern auch den Sieg eingewechselt: Zunächt bereitete der zur Pause ins Spiel gekommene Neuzugang Alexander Ludwig mit einem Traumpass den Ausgleich durch Daniel Adlung vor, ehe Dennis Sörensen in der 66. Minute, nur fünf Minuten nach seiner Einwechslung, den Siegtreffer erzielte. "Wir haben das erste Spiel gewonnen, und das war unser Ziel", zeigte sich Ludwig zufrieden.

Rückkehrer Rangelov glücklich

Rückkehrer Dimitar Rangelov, der den Siegtreffer aufgelegt hatte, brachte die Cottbuser Gemütslage auf den Punkt: "Ich bin sehr glücklich, dass wir das Resultat gedreht haben. Damit haben wir Charakter gezeigt." Die Dresdner richteten derweil schon den Blick nach vorne. "Gegen Rostock müssen wir an die erste Halbzeit anknüpfen", forderte Heller, der mit einer schönen Flanke den Dresdner Führungstreffer eingeleitet hatte: "Wenn Du da 90 Minuten so spielst, holst du zu Hause die Punkte."

Aus Cottbus berichtet André Anchuelo