Neuer Trainer - neues Glück. Die SpVgg Greuther Fürth hat nach dem Ende der Hinrunde auf den enttäuschenden Saisonverlauf reagiert: Trainer Benno Möhlmann musste seinen Hut nehmen. Unter Nachfolger Mike Büskens geht es bei den Franken wieder aufwärts.

Der Ex-Schalker und Uefa-Pokal-Sieger von 1997 brachte zum Rückrundenstart vor allem Stabilität in die Defensivreihe der "Kleeblätter". Lohn dafür ist der Sprung der Franken auf Tabellenrang 11. Zwei Spieltage und schon eine Verbesserung um vier Plätze - so kann es aus Fürther Sicht weitergehen.

Ein Debüt nach Maß

Nach nur einem Punkt aus den letzten sechs Spielen der Hinserie kamen die Franken unter dem neuen Coach zuerst zu einem 3:0-Heimsieg gegen den Herbstmeister aus Kaiserslautern und danach sogar zu einem 5:0-Kantersieg beim FSV Frankfurt. Eine Startbilanz von zwei Siegen und 8:0 Toren - ein mehr als gelungenes Debüt (Saisonverlauf Fürth)!

Seit dem 27. Dezember 2009 ist Büskens in Fürth aktiv. Der gebürtige Düsseldorfer scheint einen schnellen Weg zum Erfolg gefunden zu haben. Auf jeden Fall brachte er neuen Wind in die Mannschaft und versetzte das Team in Aufbruchstimmung.

Büskens - Der Spezialist für gelungene Einstände

In seiner bisherigen Karriere trat der 41-Jährige zwei Mal als Schalker Interims-Trainer in Erscheinung und entpuppte sich dabei als Spezialist für gelungene Einstände. Bei seinem ersten Engagement in der Saison 2007/08 gewann er bei seiner Premiere mit 5:0 gegen Energie Cottbus. In der Folge holte Büskens 16 Punkte aus sechs Spielen mit den "Königsblauen" und blieb bis zum Saisonende ohne eine einzige Niederlage.

Ähnlich erfolgreich verlief der Einstand auch bei seiner zweiten Anstellung während der Saison 2008/09. Zunächst gewann der frühere Schalker Amateur- und Co-Trainer als Chefcoach mit 2:0 in Bielefeld, anschließend folgten drei weitere Erfolge. Die folgenden fünf Spiele bis zum Ende der Runde blieben die Gelsenkirchener jedoch ohne Sieg.

"Wir waren wieder ein Team"

Aber zurück zu Fürth und Büskens jetzigen Aufgaben: Vor allem Youngster Nicolai Müller spielte sich in den ersten beiden Partien der Rückrunde in den Vordergrund. In Frankfurt traf der 22-Jährige bereits zum dritten Mal in Folge ins Netz. Schon beim Sieg gegen Kaiserslautern war der offensive Außenbahnspieler ein Aktivposten auf der linken Seite der "Kleeblätter" und traf zur wichtigen 1:0-Führung gegen die Pfälzer. Zudem verkörpert Müller Einsatzbereitschaft - in den beiden Spielen der Rückrunde war er jeweils der Mann mit den meisten Zweikämpfen am Ball auf dem Platz.

"Mein Tor war für unser Team ein Befreiungsschlag", erklärte Müller dementsprechend auch nach der Partie gegen den FCK: "Wir haben wieder Freude, Spaß und Selbstvertrauen. Wir helfen uns gegenseitig und waren wieder ein Team."

Viel Lob für den Trainer

Ins Blickfeld der Fürther Fans rückten allerdings auch (wieder) andere "junge Wilde" wie Bernd Nehrig, Sami Allagui oder Christopher Nöthe. Der 23-jährige Nehrig glänzte sowohl gegen Lautern als auch gegen Frankfurt. Der verdiente Lohn: drei Tore. Und auch die 22- beziehungsweise 23-jährigen Allagui und Nöthe befinden sich im Aufwind: Beide markierten im Spiel gegen die Hessen ebenfalls einen Treffer. Für Nöthe war es das erste Mal nach zuvor 454 torlosen Minuten.

Vor allem Nehrig lobt anschließend den neuen Trainer und sieht in seiner Herangehensweise den Schlüssel für den bisherigen Erfolg: "Er bringt viel Spaß ins Training. Das schweißt zusammen. Es kämpft wieder jeder für jeden. Vor Weihnachten war diese Geschlossenheit nicht mehr gegeben. Deshalb konnten wir auch nicht mehr gewinnen."

Vor allem die Ordnung in der Defensive ist wiedergefunden

Auch wenn Fürths Keeper Stephan Loboué mit einem Anteil von exakt 62,9 Prozent gehaltener Bälle neben Frankfurts Patric Klandt, der auf die gleiche Prozentzahl kommt, die schlechteste Quote aller Stammtorhüter der 2. Bundesliga hat: Beim Deutsch-Ivorer geht es ebenfalls aufwärts. Mit fünf Paraden in den vergangenen beiden Partien sorgte auch der Goalie mit dafür, dass die SpVgg zuletzt zwei Mal ohne Gegentor blieb.

Die Hinrunde beendeten die "Kleeblätter" mit 33 Gegentoren und damit der schlechtesten Defensive der gesamten Liga (). Nun unter Büskens scheint alles anders zu sein. Die Abwehrreihe ist wiedererstarkt und so freute sich auch Keeper Loboué nach dem Sieg in Frankfurt und dem zweiten Spiel ohne gegnerischen Torerfolg: "Das ist ein völlig neues Gefühl. Wir dürfen jetzt aber nicht abheben. Dann ist noch viel möglich." In der Tabelle der Rückrunde werden die Franken immerhin schon auf Rang 1 geführt.

Cottbus kann kommen

Zudem werden die Fürther immer effektiver: Hinter St. Pauli haben die "Kleeblätter" ligaweit die zweitbeste Chancenverwertung. Knapp jeder fünfte nicht geblockte Torschuss der Franken fand den Weg ins Tor - genau sind es 19,6 Prozent und damit Rang 2 hinter den "Kiezkickern" mit 20,5 Prozent. Bei der Schussgenauigkeit sind die Kicker von der Spielvereinigung dagegen sogar Ligaspitze. 53,4 Prozent ihrer nicht geblockten Versuche kamen auch auf den gegnerischen Kasten.

Die nächste Bewährungsprobe für Büskens und sein Team ist nun die Partie am Freitagabend gegen den FC Energie Cottbus. Seinen ersten erfolgreichen Auftritt mit Fürth gegen den Spitzenreiter und Herbstmeister aus Kaiserslautern resümierte der ehemalige Mittelfeldspieler nur in einem einzigen Satz: "Ein Spiel, wie man es sich wünscht." Auf diesen kurzen, aber dennoch prägnanten Ausspruch hoffen alle Fürth-Fans auch wieder nach der Partie gegen die Lausitzer.

Sebastian Bisch