Köln - Der SV Sandhausen hat sich mit fünf Siegen aus den letzten sieben Partien in der Verfolgergruppe des Spitzentrios der 2. Bundesliga festgesetzt und nur noch zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Im Interview mit bundesliga.de spricht der Sandhausener Mittelfeldspieler Denis Linsmayer über den sportlichen Höhenflug und die Parallelen zu Darmstadt 98 in der Vorsaison.

bundesliga.de: Denis Linsmayer, der SV Sandhausen mischt weiter die 2. Bundesliga auf. Wie viel Spaß macht es gerade auf dieser Erfolgswelle zu reiten? Staunen Sie manchmal selbst über die Mannschaft?

Denis Linsmayer: Es macht natürlich extrem viel Spaß. Wir genießen momentan auch ein bisschen, dass wir deutschlandweit wahrgenommen werden und positive Kritiken bekommen. Staunen tue ich auf der einen Seite schon ein wenig, da man vor der Saison nicht unbedingt damit rechnen konnte. Wenn man aber andererseits das ganze Kalenderjahr 2015 betrachtet, sieht man, dass wir eine gute Mannschaft mit einem super Teamgeist haben, die sich gut weiterentwickelt hat.

bundesliga.de: Dem spektakulären Saisonstart mit drei Siegen und 13 Toren folgten fünf Spiele ohne Sieg. Wie sicher waren Sie sich in der Zeit, dass der Traumstart keine Eintagsfliege war, sondern Substanz hinter den Erfolgen steckte?

Linsmayer: Ich war mir sehr sicher. Weil selbst bei den fünf Spielen danach nur zwei Niederlagen dabei waren, wobei wir nur bei der Niederlage in Nürnberg richtig schlecht gespielt haben. Ansonsten kann ich mich nur wiederholen: Wer 2015 verfolgt hat, erkennt, dass unsere Erfolge keine Eintagsfliege sind, sondern wir uns als Mannschaft weiterentwickelt haben.

"Parallelen zu Darmstadt sind festzustellen"

bundesliga.de: Seit dem 9. Spieltag hat der SVS wieder fünf von sieben Spielen gewonnen und sich mit bereits 25 Punkten oben festgesetzt. Inwieweit spielt die Mannschaft immer noch nur um den Klassenerhalt oder doch schon mehr?

Linsmayer: Nach wie vor gilt, dass wir das Ziel verfolgen, schnellstmöglich 40 Punkte zu holen. Und dabei sind wir auf einem sehr, sehr guten Weg. Aber klar ist auch, dass noch keiner mit 25 Punkten die Liga gehalten hat.

bundesliga.de: Wann werden neue Ziele formuliert?

Linsmayer: Wir wollen so viele Punkte wie möglich sammeln. Wenn wir dann relativ früh den Klassenerhalt fix machen sollten, wird man sehen, wie viele Spiele noch zur Verfügung stehen und was dann noch möglich sein wird.

bundesliga.de: Einige Medien vergleichen den Sandhausener Höhenflug bereits mit dem von Darmstadt 98 in der Vorsaison. Müssen Sie darüber schmunzeln oder sehen Sie auch die Parallelen?

Linsmayer: Auf der einen Seite muss ich schmunzeln, da die Medien versuchen, uns in eine Rolle reinzudrängen. Wir versuchen lediglich, Woche für Woche Leistung zu bringen. Auf der anderen Seite sind Parallelen durchaus festzustellen, wenn man sich anschaut, wie Darmstadt vergangene Saison nach oben gekommen ist: Das war kein Hurra-Fußball, sondern sie standen kompakt, waren gut bei Standards und hatten ein gutes Umschaltspiel. Ein großes Plus der Darmstädter war auch ihr Teamgeist und der Zusammenhalt. Das sind alles Punkte, die dieses Jahr auch auf uns zutreffen.

"Torabschlusstraining zahlt sich aus"

bundesliga.de: Sie sind seit drei Jahren unumstrittener Stammspieler und Leistungsträger in Sandhausen, haben sich aber erst in dieser Saison auch als Torschütze mit nun bereits drei Treffern in den Fokus gespielt. Wie kommt es zu Ihren bisher ungeahnten Abschlussqualitäten?

Linsmayer: In den vergangenen zwei Jahren war ich schon oft nahe dran am Torerfolg, hatte aber immer etwas Pech. Dieses Jahr ist es umgekehrt und ich habe das Glück, dass zum Beispiel ein abgefälschter Schuss noch reingeht. Es ist der Lohn harter Arbeit, weil ich mindestens jedes zweite Training noch individuell Torabschluss trainiere, was sich momentan auszahlt.

bundesliga.de: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer persönlichen Entwicklung?

Linsmayer: Ich bin momentan sehr zufrieden. In den vergangenen zweieinhalb Jahren habe ich so gut wie kein Spiel verpasst. Ich bin froh, dass ich verletzungsfrei bin. Und mein großes Ziel, mich offensiv zu verbessern, ist mir mit fünf Scorerpunkten bisher ganz gut gelungen. Ich hoffe, dass es so weitergeht.

bundesliga.de: Nicht nur Sie haben Ihrer Trefferquote erhöht, auch die ganze Mannschaft. Sandhausen hat die zweitmeisten Tore der Liga geschossen. Wie kam es zur Abkehr vom Defensivfußball der letzten Jahre?

Linsmayer: Zur Beantwortung der Frage muss man die vergangene Saison zugrunde legen. In der Winterpause haben wir uns mit dem Trainerteam zusammengesetzt, um zu besprechen, was wir an unserem Spiel verbessern sollten, weil sich die anderen Mannschaften auf unsere defensive Spielweise eingestellt hatten. Wir kamen überein, dass wir unser Offensivspiel verbessern müssen. Und in diesem Jahr haben wir mit Andrew Wooten und Jakub Kosecki die Außen mit Flügelstürmern besetzt, die ihre Stärken in der Offensive haben und immer wieder auch Chancen kreieren können.

bundesliga.de: Am Sonntag steht das Spiel beim Tabellenletzten MSV Duisburg an. Wie stark schätzen Sie den Gegner ein, wie schwer wird die Aufgabe?

Linsmayer: Ich gehe davon aus, dass das mit eines der schwersten Spiele für uns wird, weil jeder erwartet, dass wir gegen den Tabellenletzten gewinnen. Wenn man die letzten beiden Spiele, zwei Remis, seit dem Trainerwechsel nimmt, zeigt sich, dass sich die Duisburger Mannschaft in gewisser Weise gefangen hat. Ich glaube, dass Duisburg eine kampfstarke Mannschaft hat, die auch über gute Spieler im Offensivbereich verfügt. Das wird ein enges Spiel, so wie es für beinahe jedes Spiel in der Liga gilt. Wir werden hochkonzentriert zu Werke gehen müssen, um auch dort zu bestehen.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski