
Bayer 04 Leverkusen nach dem Kopenhagen-Trip: Zwischen Genie und Wahnsinn
Mit einem hart erkämpften 2:2 kehrt Bayer 04 Leverkusen aus Kopenhagen zurück. Der Auftritt in der dänischen Hauptstadt offenbarte Schwächen, die vor dem Derby gegen Borussia Mönchengladbach zum Thema werden dürften. Anderes wiederum dürfte der "Werkself" Mut machen.
Robert Andrich brachte die Gefühlslage nach Abpfiff auf den Punkt: "Wir sind gar nicht richtig in unser Spiel gekommen, haben viele einfache Fehler gemacht im Aufbauspiel. Das frühe Tor von Kopenhagen hat denen in die Karten gespielt. Wir mussten viele unnötige Wege zurückgehen."
In der zweiten Halbzeit habe die Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen "viel mehr Kontrolle" gehabt, dennoch blieb ein Makel: "Wir haben zu wenig aus unseren Situationen gemacht. Wenn wir das besser ausspielen, können wir hier als Sieger vom Platz gehen."
"Nicht so die Räume weggeben"
Als Sieger vom Platz hätte aber auch Kopenhagen gehen können. Dass dies nicht der Fall war, lag unter anderem an einem starken Mark Flekken. Der Torwart rettete einige Male in höchster Not. "Wir dürfen am Ende glücklich sein über den Punkt", sagte er. "In der ersten Halbzeit hat nicht wirklich viel gestimmt – die Mentalität, die Einstellung, die Power, das Kompakte."
Alles, was das Team gegen Frankfurt gezeigt habe, war nicht diesmal nicht da. Erst nach der Pause habe die Mannschaft Zugriff gefunden, doch kritisierte der Niederländer sein Team angesichts der erneuten Kopenhagener Führung. Diese kam nur zustande, weil Robert Silva im Strafraum komplett alleine einköpfen durfte. "Nach dem 1:1 darfst du nicht so die Räume weggeben."
Viel Schatten, aber auch viel Licht
Trainer Kasper Hjulmand war ähnlich kritisch. "Es war nicht unser bestes Spiel. Wir haben nicht mit der richtigen Disziplin gespielt und waren im Ballbesitz zu langsam", analysierte der Däne. Gerade das Gegenpressing und die defensiven Laufwege seien nicht auf dem Niveau gewesen, das er sich vorstelle: "Wir müssen sehr schnell lernen."
Immerhin hat Leverkusen für diesen Lernprozess ein starkes Fundament. Denn trotz der zu Recht von den Protagonisten kritisierten Schattenseiten im Spiel von Bayer 04 war an diesem Abend auch viel Licht zu erkennen: Neben Grimaldos Traum-Freistoß etwa auch Ben Seghirs umtriebiger Auftritt.
Auch Situationen wie Quansahs Weltklasse-Bewegung vor Schicks Chance, mit der er sich aus dem Nichts viel Platz verschafft, lassen Phantasie zu. Mit diesem Team könnte es noch weit gehen, wenn erst einmal alle Rädchen ineinander greifen.
"Laterkusen" ist zurück
Dass Echeverri am Ende mit nahezu purer Willenskraft den Ausgleich erzielte, zeigte zudem, dass die Moral in der Mannschaft ganz offensichtlich stimmt. Mit dem Spielverlauf weckten die Rheinländer Erinnerungen an das "Laterkusen" der Meistersaison.
Unterm Strich bleibt nach dem Kopenhagen-Trip der "Werkself" ein gemischtes Bild: viel Klasse, viel Kampfgeist, aber auch vermeidbare Fehler. Vor dem Derby gegen Gladbach gilt es, die Balance zu finden. Hjulmand wird jetzt versuchen, das Genie zu bewahren und den Wahnsinn Stück für Stück abzustellen.
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