Köln - Wenn der FC Bayern München auf Borussia Dortmund trifft, stehen sich zwei unterschiedliche Spielideen gegenüber. Der Ballbesitz-Fußball der Bayern bekommt es mit dem Dortmunder Konterspiel zu tun. Einige Spielaspekte des Klassikers lohnen aber einen genaue Blick.

Abhängig davon, welche Mannschaft in Ballbesitz ist, gibt es Spieler oder Mannschaftsteile, deren Aktionen von großer Bedeutung sein können. Die beiden Trainer Pep Guardiola und Jürgen Klopp werden ihre Teams optimal einstellen und haben dabei sogar mehrere Optionen. bundesliga.de zeigt ihnen, worauf man taktisch besonders achten sollte.

Wenn der FC Bayern am Ball ist

1. Spielt Bayern lange Bälle?

Im DFB-Pokalfinale bestand die Grundidee des Bayern-Spiels lange daraus, das Mittelfeld mit weiten Pässen zu überbrücken. Im Anschluss daran startete der FCB ein Gegenpressing und setzte die Dortmunder heftig unter Druck. In der momentanen Situation, in der die BVB-Verteidigung immer wieder durch indivduelle Fehler auffällt, könnte das ein durchaus probates Mittel sein. Ansonsten können die Bayern aber auch mit dem bewährten Kurzpassspiel agieren. Das gibt mehr Sicherheit und ist meistens ebenfalls gefährlich.

2. Was macht David Alaba

Ein Spieler alleine ist natürlich keine taktische Maßnahme. Aber wie sich David Alaba bewegt, entscheidet über grundlegende Abläufe im Spiel der Bayern. Geht er bei Ballbesitz ins Zentrum und vor Xabi Alonso, lässt dieser sich eher auf die linke Defensivposition fallen und nimmt nicht so aktiv am Spielaufbau teil, wie wenn Alaba links bleibt. Interessant ist dieser Aspekt aus mehreren Gründen. Bleibt Alaba links, kann er im Wechselspiel mit Juan Bernat die Außenbahn beackern, die Defensive Stabilität ist gewahrt. Geht er ins Zentrum, rückt Bernat mit auf, Alonso übernimmt links hinten. Die zentrale Position vor der Abwehr ist dadurch etwas offener und die Möglichkeit, schnell über die linke Bayern-Seite zu kontern für Dortmund größer. Spielt Alonso einen langen Ball mit Alaba im Zentrum ist der Gegenpressing-Druck deutlich höher.

3. Wo attackiert der BVB?

Borussia Mönchengladbach hat gezeigt, dass auch der Tabellenführer Probleme bekommen kann, wenn er früh unter Druck gesetzt wurde. Die Gladbacher attackierten die Innenverteidiger teilweise sehr früh und ließen ihnen insbesondere wenn sie lange Bälle gespielt hatten, nicht die Zeit um das Spiel ruhig aufzubauen. Zudem schafften sie es oft, Xabi Alonso vom Spielaufbau ferzuhalten, der Spanier hatte 112 Ballbesitzphasen, was eher wenig für ihn ist. Gelingt dem BVB ähnliches, wie der Gladbacher Borussia, müsste er nur konsequent seine Chancen nutzen und die drei Punkte wären sicher. Die Gefahr: geht das Pressing schief, hat Bayern zu viel Platz im Mittelfeld.

Wenn Borussia Dortmund am Ball ist

1. Wohin spielt der BVB die Bälle?

Borussia Dortmund hat normalerweise die Eigenschaft, stark über das Zentrum aufzubauen und von dort aus auch die Konter einzuleiten. Die Sechser sind für den Aufbau zuständig. Wenn nicht, macht das Innenverteidiger Mats Hummels. Das Problem dabei: Die Bayern sind beim Gegenpressing im Zentrum am Stärksten. Mönchengladbach konterte sehr stark über Außen und setzte dort seine schnellen Spieler ein. Die hat der BVB auch, mit Pierre-Emerick Aubameyang sogar einen der schnellsten Spieler der Liga. Gehen die Bälle auf die Flügel, könnte dabei viel Gefahr erzeugt werden.

2. Wer spielt auf der Sechs?

Für den Spielaufbau des BVB benötigt es starke Sechser - für die Defensive fast noch mehr. Im Moment kann sich Dortmund nicht drauf verlassen, dass die Angriffe abgeschlossen werden. Dafür fehlt der Borussia zur Zeit einfach die Stabilität und die individuellen Fehler sind zu zahlreich. Daher könnte Ilkay Gündogan, der noch nicht bei hundertprozentiger Fitness ist ein Risiko darstellen. Sven Bender könnte hierbei die bessere, weil dynamischere Wahl sein. Er ist zwar in Sachen Passspiel etwas schwächer als Gündogan, schaltet dafür aber besser um. Mit ihm zusammen wäre Sebastian Kehl eine gute Wahl, da er die Defensive hält und bei Ballverlusten die Räume für Bayern-Attacken eng machen kann.

3. Wo attackieren die Bayern?

Diese Frage stellt sich genauso wie oben auch andersherum. Bei den bereits angesprochenen individuellen Schwierigkeiten des BVB könnte Pep Guardiola ein starkes Pressing in die Überlegungen einbeziehen. Sind die Dortmunder unter Druck, könnten die Fehler erzwungen werden. Nachteil: Bei einer guten Befreiung hat der BVB Spieler wie Aubameyang. Zieht sich der FCB zurück und verteidigt tief, zwingt er die Dortmunder dazu, das Spiel ohne Konter aufzubauen. Damit hatten die Männer von Jürgen Klopp diese Saison so ihre Probleme. Ein Ballgewinn an der richtigen Stelle und der Bayern-Express ist kaum zu bremsen.

Sebastian Stenzel