Der VfB Stuttgart kann im Titelkampf das Zünglein an der Waage spielen, schließlich geht es noch gegen Wolfsburg und die Bayern. Bei fünf Punkten Rückstand auf den Tabellenführer ist für die Schwaben gar selbst noch die Meisterschaft möglich.

Dass die Stuttgarter vier Runden vor Ultimo zum Kreis der Titelaspiranten zählen, haben sie ihrer Erfolgsserie unter Teamchef Markus Babbel zu verdanken. In den 16 Partien unter seiner Regie setzte es nur eine Pleite.

Durch die fulminante Aufholjagd ließen die Mannen um Kapitän Thomas Hitzlsperger die verkorkste Hinserie, die auf Platz 10 beendet worden war, vergessen und kletterten Stufe für Stufe auf den aktuellen 4. Rang.

Welche Gründe dieser Siegeszug hat, verrät Stürmer Cacau im Gespräch mit bundesliga.de. Der Brasilianer blickt zudem auf das Topspiel gegen Wolfsburg (Sa., ab 15 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio) und analysiert die Stärken des VfL-Sturmduos Grafite und Edin Dzeko.

bundesliga.de: Wenn Sie auf die Tabelle blicken, fühlen Sie sich dann an die Meister-Saison 2006/07 erinnert, Herr Cacau?

Cacau: Wir wollen keinen Vergleich mit damals ziehen. Jede Saison ist einmalig. Wir haben eine sehr schlechte Vorrunde gespielt, deshalb ist es sehr erfreulich, dass wir jetzt soweit oben stehen. Wir wollen unseren guten Platz verteidigen.

bundesliga.de: In der Saison 2006/07 lag der VfB vier Spieltage vor Schluss vier Punkte hinter dem Tabellenführer - und holte doch noch den Titel. Aktuell sind es fünf Zähler Rückstand auf Tabellenführer VfL Wolfsburg...

Cacau: Wie gesagt, man kann die Situationen nicht miteinander vergleichen. Unser Ziel lautet, ins internationale Geschäft zu kommen. Das wollen wir erreichen. Und dafür müssen wir alles geben - und möglichst am Samstag den VfL Wolfsburg schlagen.

bundesliga.de: Das Restprogramm des VfB sieht doch gut aus, es geht gegen Wolfsburg, Schalke, Cottbus und Bayern. Vor allem wegen der Duelle mit den beiden Titelaspiranten könnte Stuttgart noch ganz oben angreifen.

Cacau:(lacht) Vor uns liegen noch sehr schwere Aufgaben. Es bringt nichts, zu träumen oder zu rechnen. Wir schauen nur auf uns und wollen nach Möglichkeiten das Beste herausholen.

bundesliga.de: Wollen Sie nicht Meister werden?

Cacau: Es bringt nichts, über die Meisterschaft zu reden. Unser Ziel ist es, unseren derzeitigen Platz zu verteidigen.

bundesliga.de: Es ist schon beachtlich: In den 16 Bundesliga-Partien unter der Regie von Markus Babbel hat Stuttgart nur die in Bremen verloren. Wie erklären Sie diese Erfolgsserie?

Cacau: Wir spielen jetzt kompakter als zuvor, mit einer Doppel-Sechs, die mehr Stabilität in die Defensive bringt. Jeder läuft für den anderen und jeder Spieler versucht auf seiner Position, das Beste zu geben und bei Ballverlust die Lücke zu schließen, damit der Gegner nicht zu Chancen kommt. Durch die Erfolge haben wir wieder das Selbstbewusstsein bekommen, das man braucht, um Spiele zu gewinnen.

bundesliga.de: Ganz Fußball-Deutschland freut sich auf Samstag, wenn im Topspiel des 31. Spieltags Stuttgart den Tabellenführer aus Wolfsburg empfängt. Kribbelt es in Ihnen auch?

Cacau: Ich freue mich riesig, vor ausverkauftem Haus gegen den Tabellenführer zu spielen. Wir sind topmotiviert.

bundesliga.de: Zumal nun die entscheidende Phase der Saison läuft. Wenn Sie mit Ihren Kameraden gewinnen, werden die Bayern sich die Hände reiben…

Cacau: Wie gesagt, wir schauen nur auf uns. Wenn wir gewinnen sollten, sind wir einen Schritt näher an unserem Ziel.

bundesliga.de: Ist es ein vorentscheidendes Spiel für Wolfsburg?

Cacau: Das lässt sich erst im Nachhinein sagen. Auf jeden Fall wollen wir Wolfsburg keine Geschenke machen. Wir werden alles geben, damit wir dieses Spiel gewinnen. Nichts anderes zählt.

bundesliga.de: Die Wolfsburger Stürmer Grafite und Edin Dzeko mischen derzeit die Liga auf. Wie erklären Sie als Stürmer die Tatsache, dass die beiden so gut harmonieren und derzeit nach Belieben treffen?

Cacau: Beide haben eine sehr gute Qualität, das haben sie mehrfach bewiesen. Die ganze Mannschaft spielt sehr gut, das ist auch entscheidend. Es liegt nicht nur an den beiden Stürmern, sondern auch an den guten Spielern im Mittelfeld wie Gentner, Misimovic oder Josue, die den Weg für sie frei machen.

bundesliga.de: Ist Wolfsburg für Sie der Topfavorit auf den Titel?

Cacau: Ich habe keinen Topfavoriten, aber die Wolfsburger haben alle Trümpfe in der Hand.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass die Meisterschaft vorzeitig entschieden wird, oder hält die Spannung bis zum 34. Spieltag an?

Cacau: Wenn wir gewinnen, dann bleibt es aus meiner Sicht bis zum Schluss spannend.

bundesliga.de: Und der VfB entscheidet dann die Meisterschaft, weil es am letzten Spieltag zu den Bayern geht?

Cacau: Ja, so hat es der Spielplan dann entschieden. (lacht) Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Wir konzentrieren uns jetzt erst mal auf Wolfsburg.

Das Gespräch führte Thorsten Schaff