München - Die Bundesliga-Saison ist erst zwei Spieltage alt und schon sprechen viele Fans im Umfeld von Borussia Dortmund vom neuen Traumgespann Mario Götze und Marco Reus. Den eingefleischten Anhängern des BVB blieb allerdings auch nicht verborgen, dass mit Robert Lewandowski der beste Mann der Vorsaison noch weit unter seinen Möglichkeiten spielt.

bundesliga.de beleuchtet die Hintergründe, warum es für Robert Lewandowski bislang noch nicht so rund läuft wie in der Double-Saison 2011/12:

Mario Götze spielte die aktuelle Formschwäche seines Nebenmannes zuletzt herunter, was auch verständlich ist, immerhin hat die Saison gerade erst begonnen und nach vier Punkten aus den ersten beiden Spielen hat die gesamte BVB-Mannschaft noch Luft nach oben.

Götze, der vor seinem Tor gegen Bremen von einer Lewandowski-Vorlage profitierte, lobt den Mitspieler im Interview mit bundesliga.de: "Die Vorlage war überragend. Lewandowski ist einer der besten Stürmer der Welt." (Hier geht's zum Video!)

Götze und Reus im medialen Fokus



Ein Stürmer allerdings, der in der laufenden Saison in vier Pflichtspielen erst einen Treffer erzielte. Dies ruft natürlich die Statistiker auf den Plan, die die Minuten ohne Lewandowski-Treffer minutiös auflisten. Andererseits werden Götze und Reus in den Medien bereits als Traumduo dargestellt, obwohl auch sie noch nicht am Limit spielen. Durch die Euphorie rund um die beiden Mittelfeldspieler steht Lewandowski nun etwas im medialen Schatten.

Nicht wegzudiskutieren ist jedoch der Fakt, dass nicht zuletzt Lewandowski als "Endverwerter" eines Spielzuges auf präzise Zuspiele von Götze und/oder Reus angewiesen ist - und die blieben bislang größtenteils aus. Symptomatisch für die noch nicht perfekte Harmonie des Offensiv-Trios war der Treffer des Polen im Supercup gegen Bayern, dem eine starke Einzelleistung Lewandowskis vorausging und keine Traumvorlage von Götze oder Reus.

Lewandowskis Weg raus aus Barrios' Schatten



Die Zeit im Schatten anderer Spieler ist dem 24-Jährigen allerdings nicht fremd. Als Lewandowski im Sommer 2010 als Torschützenkönig der polnischen "Ekstraklasa" von Lech Posen zum BVB kam, war Lucas Barrios als Mittelstürmer gesetzt. Für den Polen blieben lediglich Kurzeinsätze, in denen er auch nicht sonderlich überzeugte, obwohl er in seiner Premieren-Saison letzlich immerhin acht Mal traf. Somit war der gebürtige Warschauer beim ersten Dortmunder Meistertitel seit 2002 nur eine Randfigur.

Dies änderte sich erst als sich der ehemalige Welttorjäger Barrios im Sommer 2011 bei der Copa Südamerika verletzte. Nun schlug die Stunde für Torjäger Lewandowski (wurde nacheinander Torschützenkönig in der 3., 2. und 1. Liga Polens), der mit 22 Saisontoren und zehn Vorlagen seine Chance nutzte, den BVB zur Titelverteidigung schoss und Barrios dauerhaft auf die Bank verdrängte.

Warten auf die Leistungsexplosion



Diese starken Leistungen blieben natürlich anderen Clubs nicht verborgen. Fast täglich gab es vermeintlich neue Interessenten, die sich angeblich allesamt um die Dienste des EM-Teilnehmers 2012 bemühten. Schlussendlich ging die Transferperiode zu Ende und Lewandowski blieb den Dortmundern erhalten. Es ist jetzt - so hoffen die Schwarz-Gelben und ihre Fans - nur eine Frage der Zeit, bis er leistungsmäßig wieder explodiert.

Mit Neuzugang Julian Schieber, der im Sommer vom VfB Stuttgart kam, ist zwar nach dem Barrios-Abgang (zu Guangzhou Evergrande/China) ein neuer Konkurrent im Kader, dennoch kann sich der Pole der Rückendeckung von Trainer Jürgen Klopp sicher sein.

Und die Idealkonstellation für den BVB wäre es ohnehin, wenn kein Spieler im Schatten des anderen steht, sondern Götze, Reus und Lewandowski zusammen an forderster Front für zählbaren BVB-Erfolg sorgen würden.

Christoph Gailer