
Schlotterbeck reift beim BVB zum Leader
Vom Unsicherheitsfaktor zum Schlüsselspieler: Nico Schlotterbeck hat eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt. Warum er beim BVB längst vorangeht – und auch in der DFB-Elf immer wichtiger wird.
Lange hat der BVB daran gearbeitet, jetzt meldet er Vollzug: Nico Schlotterbeck verlängert seinen Vertrag Borussia Dortmund bis 2031 – und soll die entscheidende Säule im Dortmunder Team der kommenden Jahre werden.
Die Entwicklung des Innenverteidigers lässt sich besonders gut an seiner Karriere in der Nationalmannschaft beobachten. "Schlotti ist ein unfassbar wichtiger Spieler", adelte Julian Nagelsmann den Dortmunder jüngst und deutete an, dass dieser beste Karten habe, beim anstehenden WM-Turnier in Nordamerika gesetzt zu sein.
Tiefpunkt in jungen Jahren
Dieses Standing genoss Schlotterbeck nicht immer. Unmittelbar vor der WM 2022 verursachte der noch junge Verteidiger drei Elfmeter in fünf Spielen. Als Hansi Flick im Turnier trotzdem auf ihn setzte, war er derjenige, der vor dem 2:1-Siegtreffer der Japaner den entscheidenden Zweikampf verlor – was schließlich das Aus in der WM-Vorrunde in Katar besiegelte.
Auch beim 1:4 gegen Japan 2023, das den damaligen Bundestrainer Hansi Flick endgültig den Job kosten sollte, sah er bei zwei Gegentreffern unglücklich aus und wurde später ausgewechselt. In den ersten sechs Spielen nach dem Amtsantritt von Julian Nagelsmann wurde er daraufhin gar nicht mehr nominiert. Bei der EM 2024 gehörte er zwar zum Kader, kam jedoch lediglich als Ergänzungsspieler zum Einsatz.

Außergewöhnliche Pässe aus der letzten Kette
Durchaus mutig, aber zu unreif und ungestüm für die wichtigen Spiele – so lautete das allgemeine Urteil über den Nachwuchsverteidiger. Warum ist heute also ausgerechnet Schlotterbeck die deutsche WM-Hoffnung? Und wieso feiert manch ein Dortmunder die Vertragsverlängerung wie einen Titel?
Das liegt an zwei Dingen. Zum einen schätzen seine Trainer im Verein und der Nationalmannschaft seine außergewöhnlichen Pässe aus der halblinken Verteidigerposition. "Wir hatten schon Riesenprobleme in der Spieleröffnung, wenn er nicht gespielt hat", erklärte der Bundestrainer vor der Kadernominierung seine Sicht auf den Konkurrenzkampf in der Mannschaft. Als Linksfuß hat er in dieser Hinsicht gegenüber Konkurrenten wie etwa Tah und Rüdiger einen Vorteil.
Verteidiger mit gewissen Vorzügen
Zum anderen liefert Schlotterbeck seit Jahren Top-Werte in der Bundesliga. Der gebürtige Schwabe gewinnt in dieser Saison rund 60 Prozent seiner Zweikämpfe, Bestwert unter den Stamm-Innenverteidigern beim BVB. Dass da sogar noch mehr geht, bewies er selbst. 2022/23 gewann er 67 Prozent der Zweikämpfe (das war Bundesliga-Bestwert), 2019/20 beim SC Freiburg 70 Prozent.
Neben diesen Basisqualitäten zeichnet sich Schlotterbeck vor allem durch sein Offensivspiel aus. Seine Mitspieler suchen ihn immer wieder. Mit durchschnittlich 88 Ballaktionen pro 90 Minuten ist er stark ins Spiel eingebunden, 88 Prozent seiner Pässe finden den Mitspieler.
Besonders auffällig ist seine Vorliebe für lange Bälle, von denen 57 Prozent ihr Ziel finden. In der vergangenen Saison bereitete er für einen Innenverteidiger bemerkenswerte vier Treffer vor, auch in dieser Spielzeit konnte er bereits eine Vorlage sammeln. Überhaupt hat er schon 15 Tore in der Bundesliga gesammelt, vier davon in der laufenden Saison – ein guter Wert für Innenverteidiger. Mit 30 Torschüssen in dieser Saison stellt er zudem unter allen Verteidigern den Topwert in dieser Kategorie.

Bekenntnis zur Bundesliga
Der Mut, der Schlotterbecks Spiel auszeichnet, kann auch zum Risiko werden. Neben den ungestümen Anfängen im Nationaltrikot verursachte er in der Bundesliga bereits drei Strafstöße. Zuletzt war das im Klassiker am 24. Spieltag gegen die Bayern der Fall. Dabei hatte er noch Glück, keine Rote Karte zu sehen. Andererseits traf Schlotterbeck im selben Spiel zum 1:0 und führt sein Team seit der Verletzung von Emre Can als Kapitän zu einer der besten Saisons seit Jahren.
Logisch, dass Schlotterbeck nicht erst seit dem Erreichen des Champions League Finals 2024 auch international als Schwergewicht gilt. Die Zusage an den BVB ist auch ein Bekenntnis zur Bundesliga – in der sich die Fans noch weitere Jahre über einen der besten Innenverteidiger der Welt freuen dürfen.
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