Die Ruhe an der Säbener Straße war fast schon beängstigend. Lediglich als Bayern-Trainer Louis van Gaal in die Einfahrt des Trainingsgeländes einbog, stimmten etwa zehn wartende Fans leichte Jubelgesänge an.

Dann war es wieder still. Der sich selbst als "Prozesstrainer" beschreibende Niederländer hat dem FC Bayern gebetsmühlernartig Ruhe und Fokussierung eingeimpft.

Der Trainer als Hilfsmittel

Das wird von den Spielern mittlerweile gelebt und soll auch im Spiel bei Borussia Mönchengladbach (Sa., ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio!) vorgeführt werden. "Ich mache die gleiche Vorbereitung wie gegen eine Amateurmannschaft. Wir analysieren jeden Gegner, machen Power-Point-Präsentationen und eine individuelle Vorbereitung. Wie kann man da nicht fokussiert sein?", fragte van Gaal und fügte hinzu: "Die Spieler wollen fokussiert sein. Das ist keine körperliche Sache, sondern der Geist ist entscheidend. Und ich bin dafür ein gutes Hilfsmittel."

Spätestens seit dem 8. Dezember 2009, als der FC Bayern - in der Champions League vor dem Aus stehend - Juventus Turin in Italien mit 4:1 aus dem Wettbewerb warf, ist klar, wie leistungsfördernd van Gaals Hilfestellung ist. Seit dem psychologisch wichtigen Sieg ist der Rekordmeister in allen drei Wettbewerben auf der Überholspur, mit Chancen auf das "Triple".

"Was wir leisten ist unglaublich. Ich habe immer gesagt, dass wir viel machen können und meine Spieler sehen und glauben, dass wir nach oben kommen können. Wir haben immer ein Ziel", freut sich van Gaal. Doch er wäre nicht er selbst, wenn er nicht postwendend die Euphorie dämpfen würde: "Wir haben noch nichts gewonnen. Und konstant sind wir auch noch nicht. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen." Und wann ist er abgeschlossen? "Wenn wir alles gewinnen."

"Habe noch nie mit so einer Mannschaft gearbeitet"

Nach Ansicht des niederländischen Erfolgstrainers, der mit Ajax Amsterdam, dem FC Barcelona und AZ Alkmaar insgesamt sechs nationale Meistertitel gewinnen konnte, habe sein Team mental die allerbesten Voraussetzungen für die anstehenden Endspiele: "Ich habe noch nie mit so einer Mannschaft gearbeitet. Wir haben das Gefühl, dass wir alles schaffen können", lobt er seine Truppe, die seit Monaten als Paradebeispiel für Einheit, Arbeit und Moral herhält.

Auf Nachfrage von bundesliga.de, ob er denn kurz vor einem möglichen "Triple" nervös wäre, meinte van Gaal seelenruhig: "Ich stehe am Ende meiner Karriere. Ich habe schon viele Finals und Halbfinals erlebt." Der mögliche Triple-Erfolg sei "für die Spieler".

Eine vorsichtige Bundesliga-Prognose wagt van Gaal vor der Abreise nach Mönchengladbach dann aber doch: "Wenn wir gegen Gladbach gewinnen und Schalke gegen Hertha BSC verliert, dann sind wir am nächsten Spieltag Meister", erklärt der Cheftrainer, während er genüsslich den Milchschaum seines Cappuccinos auslöffelt und fügt an: "Wir werden sehen, ob es klappt."

Ribery sicher in der Startelf

Definitiv in der Startelf steht gegen die "Fohlen" Franck Ribery, da macht van Gaal sogar eine Ausnahme von seiner üblichen Vorgehensweise: "Er hat sehr gut trainiert und wird sicher spielen." Laut van Gaal sei Spielpraxis die beste Unterstützung für den im Champions-League-Halbfinale vom Platz geflogenen Franzosen.

Eine individuelle Behandlung brauche Ribery indes nicht: "Ein Profi muss solche Situationen managen können. Wir müssen so weitermachen, wie es war." Alles weitere zu seiner Aufstellung gegen die Gladbacher ließ van Gaal dann - wie gewohnt - offen.

Ebenso wie die Antwort auf die Frage, ob sich Arjen Robben nach seinem verwehrten Handschlag bei seiner Auswechslung gegen Lyon entschuldigt habe. "Das darf ich nicht erzählen. Aber das waren positive Emotionen, das war nicht schlimm", besänftigt van Gaal. In der Ruhe liegt beim FC Bayern momentan einfach die Kraft.

Vom FC Bayern berichtet Barnabas Szöcs


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