München - 25, 19, 10 - was aussieht wie ein Teil der Lottozahlen dokumentiert in Wirklichkeit den Vorsprung, mit dem der FC Bayern München in den vergangenen drei Jahren Deutscher Meister geworden ist. Der Abstand zur Konkurrenz hat sich dabei kontinuierlich verringert. Auf ihrer erneuten Titel-Mission sind die Bayern zwar perfekt gestartet, aber auch besonders auf der Hut - nicht zuletzt weil der langjährige Rivale Borussia Dortmund zu alter Stärke zurückgefunden hat.

Null Punkte liegen aktuell zwischen Platz eins und zwei in der Bundesliga. "Das ist schön für die Bundesliga. Aber für uns ist es ein bisschen unentspannter, weil wir einen sehr aggressiven Verfolger haben", sagte Bayerns Toptorjäger Thomas Müller im Interview und musste sich umgehend korrigieren: "Beziehungsweise im Moment sind ja wir der Verfolger."

Vier Siege und eine Tordifferenz von plus zwölf Toren - wie jetzt vom BVB aufgestellt - gibt es zum dritten Mal in 53 Jahren Bundesliga, aber erstmals hat ein Team dabei mehr als 14 Tore erzielt. Die Bayern müssen sich trotz der Maximalausbeute von ebenfalls zwölf Punkten wegen der um zwei Treffer schlechteren Tordifferenz hinter Dortmund (Tabelle) mit der Rolle des Jägers zufriedengeben.

Bester Saisonauftakt unter Guardiola

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Erstmals startete der Rekordmeister unter Pep Guardiola mit vier Siegen in eine Saison, insgesamt gelang den Münchnern dieses Kunststück zum achten Mal. Auch wenn in sechs dieser acht Fälle am Ende der Titel heraussprang - eine Garantie für den Gewinn der Meisterschaft ist auch ein solcher Traumstart nicht."Keine Mannschaft hat in der Bundesliga vier Mal in Folge den Titel gewonnen, denn es ist schwer", sagte Trainer Guardiola nach dem 2:1-Sieg gegen den FC Augsburg und verwies auf die Ergebnisse der Konkurrenz: "Leverkusen hat zuhause gegen Darmstadt verloren und Wolfsburg hat in Ingolstadt nur unentschieden gespielt."

Mit dem Ergebnis seiner Mannschaft konnte der Katalane zufrieden sein, nicht aber mit der Art und Weise. Schließlich fiel die Entscheidung trotz drückender Überlegenheit erst in der Schlussminute. "Wir müssen 90 Minuten spielen, nicht nur 45", bemängelte der 44-Jährige. "Ich hoffe, das ist uns für die Zukunft eine Lehre." In der ersten Halbzeit versuchte der Bayern-Coach mehrfach mit energischen Anweisungen seine Spieler wachzurütteln.

Müller erwartet BVB-Attacke

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Volle Konzentration wird auch in den nächsten Wochen nötig sein, um bis zum direkten Duell am 4. Oktober mit dem offensivstarken BVB auf Augenhöhe zu bleiben. "Dortmund kam für mich schon vor der Saison als Meisterschaftskandidat in Frage. Die Mannschaft hat sich nicht verändert, sie hatte nur in der letzten Saison ein verrücktes erstes Halbjahr", sagte Müller:

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass es den Dortmundern in den letzten drei Jahren Spaß gemacht hat, so deutlich hinter uns gewesen zu sein. Sie wollen jetzt natürlich wieder attackieren."

Boateng: "Die Dortmunder sind hungrig"

Auch Jerome Boateng glaubt, dass der wiedererstarkte Meister von 2011 und 2012 auf dem Weg zum großen Ziel - die Bayern wollen als erster Bundesligist zum vierten Mal in Folge den Titel holen - der ärgste Konkurrent sein wird.

"Die Dortmunder haben drei Jahre mit vielen Punkten Abstand hinterher geguckt", sagte Boateng. "Jetzt sind sie hungrig und haben einen neuen Trainer. Und wir müssen auch hungrig bleiben." Denn die Meisterschaft ist schließlich keine Lotterie.

Aus München berichtet Maximilian Lotz