Hannover - Mit einem Lächeln betrat Markus Gisdol am Samstagabend die Pressekonferenz. Der Trainer der TSG Hoffenheim freute sich sichtlich über den ersten Sieg nach vier sieglosen Bundesliga-Partien (drei Niederlagen, ein Remis). Der Auswärtserfolg bei den abstiegsbedrohten Hannoveranern bringt die TSG zwei Punkte an die Europa League-Qualifikations-Plätze heran. Doch Gisdol und sein Team schauen nach dem Sieg nicht auf die Tabelle, sondern genossen erstmal den Moment.

"Wir schauen nicht zurück und nicht nach vorne", antwortete Gisdol auf die Frage, ob Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigen würde, das neue Ziel sei. Man nahm es dem 45-Jährigen ab, der sich viel zu sehr über den hart erkämpften Sieg freute. Er wollte nicht in die Zukunft schauen, sondern den Erfolg seiner Mannschaft genießen.

Gisdol: "Den Kampf angenommen"

"Wir haben zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt gegen Hannover gespielt. Es ist immer schwer gegen eine Mannschaft zu spielen, die im Abstiegskampf steht und einen neuen Trainer verpflichtet hat. Das gesamte Stadion stand brutal hinter der Heim-Mannschaft, deshalb bin ich umso stolzer auf meine Mannschaft. Das Team hat den Kampf angenommen", so Gisdol.

Den Hoffenheimern spielte dabei aber sicherlich auch die frühe Führung in die Karten. Der Treffer von Anthony Modeste in der ersten Spielminute war der schnellste TSG-Treffer in dieser Saison und bereits der dritte in der Hoffenheimer Bundesliga-Geschichte in den ersten 60 Sekunden. "Wir haben sehr gut ins Spiel gefunden und haben nach vorne gut verteidigt und so auch das frühe Tor erzielt. Es war aber dennoch kein leichtes Spiel. Hannover hat alles versucht und voll dagegengehalten", analysierte Mittelfeld-Spieler Eugen Polanski.

Joker Schipplock sticht und macht es Gisdol schwerer

In der aufgeheizten Stimmung der AWD Arena war der Schlüssel zum Sieg die Effizienz im Torabschluss gegenüber den glücklosen 96ern. In einer ausgeglichen Partie waren die Hoffenheimer bei ihren wenigen Torchancen einfach abgebrühter vor dem Tor. "Wir haben den Kampf angenommen und unsere Chancen eiskalt genutzt. Das war heute kein schönes Spiel, aber wir sind endlich mal wieder als Sieger vom Platz gegangen", erklärte Sven Schipplock, der das Siegtor erzielte. "Ich hatte gehofft, dass Adam mich am zweiten Pfosten sieht und dann kam die Flanke butterweich", so der Stürmer weiter.

Schipplock traf bereits zum siebten Mal als Joker - Vereinsrekord. Doch eigentlich würde der 26-Jährige lieber von Anfang spielen. "Klar würde ich gerne mehr spielen. Der Trainer hat es aber auch nicht leicht, weil er drei gute Stürmer hat. Vielleicht spielt er gegen Dortmund ja mal mit drei Angreifern", flachste Schipplock.

Polanski: "Haben uns das Glück erarbeitet"

In den vergangenen vier sieglosen Partien spielten die Hoffenheimer zwar immer ganz gut - bis auf das 1:4 zuhause gegen Mönchengladbach - standen aber immer am Ende mit leeren Händen da. "Es ist gut für uns, dass wir auch mal so ein dreckiges Spiel gewonnen haben", freute sich Schipplock und Polanski ergänzte: "Das Quäntchen Glück haben wir uns vielleicht nach den vergangenen Wochen auch erarbeitet und verdient."

Die TSG behielt gegen die aufopferungsvoll kämpfenden 96er kühlen Kopf und scheuten sich nicht die vielen Duelle anzunehmen. "Wir haben den Kopf nicht verloren und gut verteidigt, die Zweikämpfe sehr entschlossen angenommen und im richtigen Moment zugeschlagen. Alle Achtung, was die Mannschaft heute geleistet hat. Beide Teams hatten nicht viele Torchancen. Das ist typisch für so ein Spiel. Wir waren aber sehr konsequent im Abschluss. Das hatten wir uns vorgenommen", so Gisdol (die Stimmen zum Spiel).

Schipplock: "Am besten gleich weiter punkten"

Auf das kommende Heimspiel gegen Borussia Dortmund wollte der TSG-Trainer noch nicht blicken. Aussagen über eine Zieländerung Richtung Europa konnte man ihm nicht entlocken. Etwas weiter aus dem Fenster lehnte sich da schon Siegtorschütze Sven Schipplock: "Wir sind jetzt dran an den Europa-League-Plätzen. Es geht in die entscheidende Phase. Wir wollen weiter punkten. Am besten gleich am Samstag gegen Dortmund."

Aus Hannover berichtete Alexander Barklage