Mainz - Ein echter Mainzer also: Sandro Schwarz, der an diesem Mittwoch (31. Mai) als Nachfolger von Martin Schmidt als Cheftrainer beim 1. FSV Mainz 05 vorgestellt wurde, ist in Mainz geboren und bei Nullfünf sozialisiert. Der 38-Jährige spielte schon in der Jugend für den FSV und gehörte zu jener Mainzer Mannschaft unter Trainer Jürgen Klopp, die 2004 erstmals in die Bundesliga aufstieg. Als defensiver Mittelfeldspieler hatte Schwarz vor allem kämpferische und strategische Qualitäten, schon als Spieler dachte er wie ein Trainer.

Mit seinem Amtsantritt als Cheftrainer des Profikaders setzt Schwarz eine starke Mainzer Tradition fort: Nach Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und Martin Schmidt ist auch Schwarz ein Eigengewächs. Nach einer schwachen Vorrunde konnte er in der abgelaufenen Saison allerdings trotz eines starken Endspurts den Abstieg der Mainzer U23 aus der Dritten Liga nicht verhindern. In die Regionalliga wollte das ehrgeizige Trainertalent, dem schon im vergangenen Jahr Anfragen aus dem Profibereich vorlagen, nicht wechseln. Nach Abschluss der Runde verkündete er: "Ich will den nächsten Schritt machen." Den darf er nun mit der ersten Mannschaft in Mainz und in der Bundesliga gehen.

Schon als Spieler für Mainz aktiv

Wie viele andere späteren Trainer, die als Spieler in Mainz tätig waren, ist auch Schwarz vom prägenden Nullfünf-Trainer Wolfgang Frank geprägt. Auch Jürgen Klopp, Torsten Lieberknecht oder Sven Demandt erlebten den leider schon 2013 verstorbenen Frank als fordernden, mitreißenden und modernen Coach, der Nullfünf in zwei Perioden (1995 bis 1997 und 1998 bis 2000) in allen Bereichen auf ein neues Niveau gehievt hat. Es ist eine Pointe, dass der damalige Spieler Schwarz 2009 beim SV Wehen Wiesbaden nach der Entlassung von Frank als Teamchef die sportliche Leitung beim Drittligisten übernahm.

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Das war der Beginn seiner Trainerkarriere, als Spieler war er nach dem Aufstieg der Mainzer in die Bundesliga zu Rot-Weiß Essen gewechselt und 2005 nach Wehen  Wiesbaden. 2011 trat Schwarz das Traineramt beim Hessenligisten 1. FC Eschborn an, mit dem er gleich im ersten Jahr die Meisterschaft und den Aufstieg in die Regionalliga feierte. Im Jahr darauf machte er seinen Fußballehrer und wechselte schließlich 2013 zurück zu seinem Heimatclub in seine Geburtsstadt Mainz. Zunächst arbeitete er bei Nullfünf als Trainer der U 19, bevor er 2015 die U 23 in der dritten Liga übernahm.

Klarer taktischer Stil

Einen Namen als Trainer machte er sich in den letzten Jahren vor allem deshalb, weil er seinen Mannschaften einen wiedererkennbaren  Stil antrainierte: Immer offensiv, taktisch variabel und mit den typischen Mainzer Tugenden Gegenpressing und schnellem Umschalten nach Ballgewinn. Der rhetorisch begabte Schwarz gilt als Motivator, der Spieler mitreißen und auf ein Ziel einschwören kann. Wenn jemand aber nichts aus seinem Talent macht, kann er auch grantig werden.

Schwarz ist wegen seines Könnens und seiner Mainzer Geschichte der Wunschtrainer von Sportchef Rouven Schröder - aber auch vieler Fans. Der neue Trainer soll identitätsstiftend nach innen wie nach außen wirken, Spieler weiterentwickeln und Mainz 05 im kommenden Jahr einen nervenaufreibenden Abstiegskampf wie in der abgelaufenen Runde ersparen. Die Mainzer erfinden sich gerade neu, Ende Juni wird auf einer Mitgliederversammlung auch ein Nachfolger für Präsident Harald Strutz gesucht. Sandro Schwarz steht für beides: Die Mainzer Fußballtradition und für modernes Coaching. Nun muss der 38-Jährige beweisen, dass er auf seiner ersten Bundesligastation die Erwartungen erfüllen kann.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter